Bauernbund | 14.05.2020

Regeln für den Südtiroler Weg

Am Donnerstag vergangener Woche hat der Südtiroler Landtag das Landesgesetz für die „Phase zwei“ in der Corona-Krise genehmigt und damit den Neustart der Betriebe ermöglicht. Diese „Phase zwei“ ist aber weiterhin mit strengen Regeln und Sicherheitsmaßnahmen verbunden. von Walter Rier

Auch Schankbetriebe können wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und mit eingeschränkter Besucherzahl. Foto: IDM Südtirol, Alex Filz

Auch Schankbetriebe können wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und mit eingeschränkter Besucherzahl. Foto: IDM Südtirol, Alex Filz

Die meisten Betriebe haben in der Zwischenzeit ihre Tätigkeit wieder aufgenommen. Auf den Stichtag 25. Mai warten müssen hingegen noch alle Beherbergungsbetriebe (also auch jene mit Urlaub auf dem Bauernhof), alle weiteren touristischen Tätigkeiten wie Wander- und Bergführer sowie die Seilbahnanlagen.

Die Möglichkeit der Tätigkeiten ist an die jeweiligen Hygienevorschriften gebunden, die für jede Tätigkeit spezifisch geregelt werden. Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner erinnert: „Die Einhaltung dieser Bestimmungen ist enorm wichtig, da bei Übertretungen der Eigentümer haftet. Zudem droht bei Nichteinhaltung ein Wiederanstieg der Infektionen. Das würde eine erneute Schließung der Tätigkeiten sowie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit mit sich bringen. Deshalb müssen diese Regeln ernst genommen werden.“

Alle Details im Internet

Nachfolgend werden die Hygienevorschriften zusammengefasst, die auch für Beherbergungsbetriebe, für Schankbetriebe und für Direktvermarkter gelten. Eine vollständige Übersicht dazu wurde Ende vergangener Woche an die Mitgliedsbetriebe der Marke „Roter Hahn“ geschickt, sie ist auch im Internet unter https://bit.ly/corona-phase2 abrufbar. 

Die Möglichkeit der Tätigkeiten ist an die jeweiligen Hygienevorschriften gebunden, die für jede Tätigkeit spezifisch geregelt werden. 

Hygieneregeln für UaB- und Schankbetriebe

Auf den Gemeinschaftsflächen wie den Empfangsräumen ist die 1/10-Regel anzuwenden. Das heißt, pro zehn Quadratmeter darf sich nur eine Person aufhalten. Für die Speisesäle (z. B. Frühstücksräume oder Aufenthaltsräume) gelten die gleichen Regeln wie für Schankbetriebe: Im Raum dürfen sich nicht mehr Personen aufhalten, als es Sitzplätze gibt. 

Die Tische müssen so aufgestellt werden, dass ein Abstand von zwei Metern zwischen den Personen gewährleistet ist. Zusammenlebende Personen desselben Haushaltes und Gäste, die in derselben Unterkunft beherbergt sind, können an einem Tisch sitzen. Sofern Trennvorrichtungen (z. B. aus Plexiglas) aufgestellt werden, um Tröpfcheninfektionen zu verhindern, kann der Abstand unterschritten werden. 

Eigentümer muss Zugangsregeln festlegen

Der Eigentümer ist verpflichtet, Zugangsregeln festzulegen, um eine Überfüllung zu vermeiden. Tische, Utensilien und Trennvorrichtungen müssen nach jedem Kundenwechsel gereinigt und desinfiziert werden. Die Bedienung am Buffet muss einen Schutz der Atemwege tragen. Servierkräfte müssen Masken des Typs FFP2 ohne Filter oder Gleichwertiges verwenden. Die Hände müssen vor und nach Benutzung der Toilette desinfiziert werden. 

Betreuungsangebote für Kinder unter Auflagen möglich

Betreuungs- und Begleitungsangebote für Kinder sind möglich, wobei strenge Bestimmungen einzuhalten sind (Begrenzung der Gruppengröße, regelmäßige Corona-Tests u. a.). Freibäder dürfen nur unter Einhaltung der Abstandsregel von zwei Metern geöffnet werden. Eine Ausnahme bilden zusammenlebende Personen desselben Haushalts und Gäste, die in derselben Unterkunft beherbergt sind. Sämtliche Umkleidekabinen müssen geschlossen bleiben. Hallenbäder und Saunen müssen geschlossen bleiben, sofern nicht eine „Covid Safe Area“ eingerichtet wird.

Darunter versteht man einen kontrollierten Bereich, indem sich nur Personen aufhalten dürfen, die einen negativen Corona-Test aufweisen. 

Schankbetriebe: Möglichst nur auf Vormerkung

In Schankbetrieben (Hof- und Buschenschänke) wird zusätzlich zu den schon genannten Regeln für die Ausstattung der Speiseräume eine verpflichtende Vormerkung empfohlen. Der Konsum und die Verabreichung am Tresen ist nur dann erlaubt, wenn der Abstand von zwei Metern eingehalten wird oder wenn geeignete Trennvorrichtungen vorhanden sind. Nur am Tisch kann auf das Tragen eines Schutzes der Atemwege verzichtet werden. Am Tresen darf nur für die unabdingbar notwendige Zeit des Verzehrs darauf verzichtet werden.

Direktvermarkter: Luftaustausch gewährleisten

Direktvermarkter müssen im Hofladen bzw. im Verkaufsbereich die schon oben genannte 1/10-Regel einhalten: Pro zehn Quadratmeter darf sich nur eine Person aufhalten, der Eigentümer ist verpflichtet, Zugangsregeln festzulegen, um eine Überfüllung zu vermeiden. Die regelmäßige Reinigung und Raumhygiene müssen gewährleistet sein, ebenso wie eine  eine ausreichende natürliche Lüftung (sofern machbar) und ein ausreichender Luftaustausch. Desinfektionsmittel für die Hände muss zur Verfügung gestellt werden. Sollten Tastaturen, Touchscreens und Zahlungssysteme verwendet werden, die die Kunden bedienen (z. B. Waagen), so müssen auch dort in der Nähe Desinfektionsmittel für die Hände bereitgestellt werden. Sofern zwischen dem Mitarbeiter und Kunden der Abstand von mindestens einem Meter nicht eingehalten werden kann, muss Ersterer eine Maske des Typs FFP2 tragen. Der Kunde kann einen normalen Schutz der Atemwege tragen.

Allgemeine Vorschriften für alle

Mehr Infos zu den Hygieneregeln in Zu- und Nebenerwerb gibt es hier.
Neben diesen Regeln, die für die verschiedenen Tätigkeiten gelten, sind im Landesgesetz auch noch eine Reihe von Vorschriften angeführt, die in der „Phase zwei“ für alle Personen gelten, die sich in Südtirol aufhalten.

Für die Einreise nach Italien gelten nach wie vor die staatlichen Bestimmungen. Eine Einreise zu Ferienzwecken ist bis auf Weiteres noch nicht möglich. Man darf sich innerhalb des Landesgebietes frei bewegen. Eine Eigenerklärung oder die Angabe von Gründen ist nicht mehr notwendig. Das Verbot von Menschenansammlungen und die Pflicht zur Einhaltung des zwischenmenschlichen Abstandes bleiben aber weiterhin aufrecht. Dieser Abstand wird auf mindestens zwei Meter festgelegt, sofern man Personen begegnet, mit denen man nicht zusammenlebt.

Erwachsene und Kinder im Schulalter müssen bei weniger als zwei Meter Abstand einen Schutz der Atemwege verwenden, wenn sie Menschen begegnen, mit denen sie nicht zusammenleben. 

Davon ausgenommen bleiben Menschen mit Behinderungen, die aufgrund der besonderen psychischen und körperlichen Verfassung den Gebrauch von Schutzmasken nicht vertragen.

Schutz der Atemwege in geschlossenen Räumen immer Pflicht

In geschlossenen, der Öffentlichkeit zugänglichen Orten, auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, muss jeder einen Schutz der Atemwege tragen und einen Abstand von einem Meter einhalten. In diesen Orten muss die Desinfektion von Händen immer und überall möglich sein. 

Als Schutz der Atemwege gelten: Einweggesichtsmasken und waschbare Gesichtsmasken, die auch selbst hergestellt sein können. Das Gesicht muss vom Kinn bis zur Nase abgedeckt werden. Ebenso dürfen geeignete Schutzvisiere verwendet werden. Die Masken müssen alle ohne Ventil sein. 

Personen mit Symptomen einer Atemwegs­infektion und Fieber über 37,5 Grad Celsius müssen in der eigenen Wohnung bleiben und sich mit ihrem Arzt in Verbindung setzen. Wer unter Quarantäne steht oder positiv getestet wurde, darf weiterhin die eigene Wohnung nicht verlassen. Die Bearbeitung von landwirtschaftlichen Flächen und Gemüsegärten, die Waldpflege, die Jagd, die Fischerei und die Pflege von domestizierten Tieren und Nutztieren sind unter Einhaltung von geeigneten Sicherheitsmaßnahmen erlaubt. Öffentliche Events oder Veranstaltungen sind weiterhin verboten, kirchliche oder religiöse Veranstaltungen sind unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften wieder erlaubt. 

Expertenkommission

Mit dem Landesgesetz wird auch eine neue  Expertenkommission eingerichtet. Diese soll unter anderem die weiteren Entwicklungen verfolgen und gegebenenfalls Maßnahmen bei ungünstiger Entwicklung vorschreiben. Dazu zählt auch, dass die Tätigkeiten, auch nur für Teile des Landes, eingeschränkt werden können. 

Außerdem kann die Kommission geeignete Maßnahmen vorschlagen, um das Ansteckungsrisiko weiter zu verringern.