Südtiroler Gärtner | 15.05.2020

Natürlicher Gemüsegarten

Wer einen Gemüsegarten hat, freut sich auf den selbst gezogenen Salat, die Tomaten, die frischen Kräuter. Wenn da nicht Schnecken und Läuse wären, die einem einen Strich durch die Rechnung machen. Wie man sich dagegen rüsten kann, fasst dieser Beitrag zusammen. von Renate Anna Rubner

In einem gesunden Gemüsegarten wachsen fitte und widerstandsfähige Pflanzen. Foto: Magdalena Maria Falser

In einem gesunden Gemüsegarten wachsen fitte und widerstandsfähige Pflanzen. Foto: Magdalena Maria Falser

Eines vorab: Krankheiten an Pflanzen und Schädlingsbefall sind – wie bei Mensch und Tier – oft die Folge eines schlechten Gesamtzustandes. Robuste Nutz- und Zierpflanzen werden nämlich besser mit Schadorganismen fertig. Pflanzen, deren Lebensbedingungen aus verschiedenen Gründen ungünstig sind, sind dagegen anfällig. Ihre Widerstandskraft gegen schädliche Mikroorganismen und Tiere wird leichter gebrochen. Deshalb ist es besonders im Nutzgarten daheim wichtig, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen gesunden und damit widerstandsfähigen Pflanzenbestand zu erhalten. 

Jede Pflanze an ihrem Platz

Jede Pflanzenart hat spezielle Ansprüche an ihren Standort. Es gibt natürlich Gemüsearten, die unproblematisch und auch für Anfängerinnen leicht zu ziehen sind: Radieschen gehören dazu, Salate, Spinat, Zucchini, Kürbis, Buschbohnen oder Mangold. Aber auch für diese Gemüsearten gilt es, einen guten Standort zu wählen, um die besten Voraussetzungen für einen gesunden Aufwuchs und eine reiche Ernte zu schaffen.

Für Gemüse ist generell ein halbschattiger bis sonniger Standort notwendig, der Boden sollte locker, humos und durchlässig sein, aber ausreichend Wasserkapazität haben. Schwere Böden oder sehr sandige Standorte sind nicht für den Gemüseanbau geeignet. Ein pH-Wert im neutralen Bereich (pH 7) passt für praktisch alle Gemüsearten gut: Ist die Erde eher sauer, kann man aufkalken, im basischen Bereich empfehlen sich Kompost oder Dung als pH-Regulator. Je länger ein Gemüsegarten besteht, desto wichtiger ist auch die regelmäßige Bodenpflege: Dazu gehört das Einarbeiten von reifem Kompost nach jedem Anbau, das dient nicht nur der Düngung, sondern erhält auch die Bodenstruktur.

Auch mechanisch sollte der Boden gelockert und belüftet werden. Man sollte ihn aber unter keinen Umständen umgraben, weil sonst das Bodengefüge gestört wird. Auch eine Mulchdecke aus organischem Material tut dem Boden gut: Sie schützt vor Verdunstung, bringt Humus in den Boden und ist vorteilhaft für das Bodenleben.

Optimales Timing

Heimische Sorten sind besonders robust und den Bedingungen vor Ort am besten angepasst. Deshalb entwickeln sie sich gut und geben so Schädlingen und Krankheiten kaum eine Chance. Daneben gibt es heute auch eine Reihe von Sorten, die gegen Krankheiten resistent sind, eine preisgünstige und effiziente Pflanzenschutzmaßnahme. 

Ähnlich erfolgreich kann aber auch die Verfrühung einer Kultur sein: Der optimale Saat- oder Pflanztermin kann dann vor dem Datum auf der Samenpackung liegen, weil so die Pflanzen schon stark sind, wenn der „Schädling“ auftritt. Flaches Säen und Pflanzen verkürzt die empfindliche Jugendentwicklung und stärkt die Pflanzen zusätzlich, weil sie früher ans Licht kommen. Sinnvoll ist das Vorziehen von Setzlingen im Frühbeet.

Das richtige Ambiente

Manchmal kann es sinnvoll sein, den Garten durch Hecken oder andere Pflanzen (Sonnenblumen, Stangenbohnen) vor Wind zu schützen oder ihn zumindest zu bremsen. Eine gute Durchlüftung des Bestandes ist zwar von Vorteil, weil die Pflanzen so nach Regen schnell abtrocknen und sich dadurch seltener Pilze ausbreiten, durch einen Windschutz bleibt aber die Temperatur höher und die Wasserverdunstung aus dem Boden sinkt.

Auf eine gute Nachbarschaft

Beim Anbau im Nutzgarten sollte man auch die Tatsache für sich nutzen, dass sich Pflanzen gegenseitig fördern und sogar schützen können: So verträgt sich Kohl zwar nicht mit Erdbeeren, dafür aber gut mit Buschbohnen, Erbsen oder Gurken. Spinat dagegen ist ein guter Nachbar für Erdbeeren, Kartoffeln oder Tomaten, weniger aber für Rote Bete (Rohnen). Und es gibt Kräuter, die Schädlinge durch ihre bloße Anwesenheit vertreiben: Ameisen zum Beispiel meiden Minze, Salbei vertreibt Raupen und Schnecken, und Bohnenkraut hält Blattläuse fern. 

Auch eine sinnvolle Fruchtfolge erhält den Boden gesund und macht so die Pflanzen stark: Der aufeinanderfolgende Anbau von Stark-, Mittel- und Schwachzehrern verhindert so Bodenmüdigkeit und Folgekrankheiten.

Nützlinge fördern

In einem Garten, der viele natürliche Elemente enthält, wie Hecken, Tümpel, Steinhaufen, Totholz, Nisthilfen und andere, leben natürliche Feinde von Schädlingen: Kröten, Eidechsen, Wiesel, Spitzmäuse, Igel oder Fledermäuse sowie Spinnen, Schlupfwespen, Florfliegen, Marienkäfer und Vögel. Wer für solche Tiere ausreichend Platz schafft oder lässt, muss sich um Schädlinge nicht mehr groß kümmern.  

Denn auch wenn der eine oder andere unliebsame Gast sich an den Gemüsepflanzen zu schaffen macht, so wird er in der Regel von den anderen Tieren in Schach gehalten. Lassen Sie sich von einem geringen Befall deshalb auch nicht aus der Ruhe bringen. Bei länger anhaltendem, stärkerem Befall, der meist die Folge ungewöhnlicher Witterungsverhältnisse ist, gibt es aber relativ einfache Mittel, die man in einem Hausgarten einsetzen kann.

Abwehr als Maßnahme

Das frühzeitige Absammeln von Schädlingen verhindert deren Vermehrung und beugt so größeren Schäden oder Ernteausfällen vor. Sinnvoll ist zum Beispiel, Kohlpflanzen von den Eiern oder Raupen des Kohlweißlings und Kartoffelpflanzen von Kartoffelkäfern zu befreien. Blattläuse werden einfach mit den Fingern von den Pflanzen abgestreift. Auch das Abschneiden von befallenen Pflanzenteilen kann eine Krankheit erfolgreich eindämmen. 
Duftstoffe, optische und akustische Reize können „Schädlinge“ anlocken oder abschrecken. Diese Maßnahmen wirken meist gezielt und sind ungefährlich für die Umwelt. Zu den Fraß-Lockstofffallen gehört beispielsweise die Bierfalle für den Schneckenfang. Guten Erfolg bringen auch klebrige Gelbtafeln, die etwa Kirschfruchtfliege oder Weiße Fliege (flugfähiges Stadium der Mottenschildlaus) auf den Leim locken. 

Pflanzenjauchen, -tees und -brühen

Wer trotzdem viele Schädlinge im Nutzgarten hat oder seine Pflanzen stärken will, kann Pflanzenauszüge selber herstellen und verwenden. Sie sind relativ schnell gemacht, ungiftig, vertreiben unliebsame Besucher und stärken ganz nebenbei die Abwehrkräfte der Nutzpflanzen im Garten. Ihre Wirkung beruht darauf, dass manche Pflanzen Abwehrstoffe zum Schutz vor Insekten, Pilzen und anderen Organismen herstellen: Alkaloide gehören beispielsweise dazu, Bitter- und Gerbstoffe sowie ätherische Öle. 

Rezepte für Jauche, Brühe und Tees finden Sie in unserer Printausgabe.