Wirtschaft | 03.06.2020

AgriJobs: seriös und unkompliziert

Viele Bäuerinnen und Bauern im Land sorgten sich heuer, wie sie die Arbeiten auf ihren Höfen bewältigen ­sollten. Der Südtiroler Bauernbund reagierte darauf mit der Arbeitsvermittlungsplattform AgriJobs. Die ersten Erfahrungen: positiv!

Am Bioweingut In Der Eben: Diese drei neuen Mitarbeitenden hat Urban Plattner über die ­Arbeitsvermittlungsplattform AgriJobs gefunden.

Am Bioweingut In Der Eben: Diese drei neuen Mitarbeitenden hat Urban Plattner über die ­Arbeitsvermittlungsplattform AgriJobs gefunden.

In Bozen ist der Sommer eingekehrt: In den Weinbergen rund um die Stadt haben die Reben schon lange Triebe. Höchste Zeit fürs „Schabigen“: Zunächst müssen die Triebe am Fuß der Reben später auch doppelte und schwache Triebe entfernt werden.  Auch am Bioweingut In Der Eben am Fuß des Ritten beginnen nun arbeitsintensive Wochen. Eine Zeit, in der Urban Plattner, der junge Winzer vom Weingut In Der Eben, Hilfe in den Weinbergen braucht. In den vergangenen Jahren hat er dafür oft Praktikanten angestellt, im letzten Jahr waren es zwei Mazedonier, die ihm beim Bearbeiten der dreieinhalb Hektar Weinbau halfen. Im Sommer gingen sie seinem Vater zur Hand, der rund drei Hektar Bioobstbau bewirtschaftet. 

In diesem Jahr aber ist alles anders: Durch den Lockdown und die Einreisebeschränkungen infolge des Coronavirus fürchteten die Bäuerinnen und Bauern im Land, keine Hilfsarbeiter für die landwirtschaftlichen Arbeiten im Sommer zu bekommen: Würden sie einreisen dürfen? Würden sie 14 Tage in Quarantäne gehen müssen, bevor sie eingesetzt werden können? Und wer würde sich das überhaupt antun?

Kontakt per E-Mail oder Telefon

Der Südtiroler Bauernbund hat diese Ängste der Bauern zum Anlass genommen, eine Arbeitsvermittlungsplattform ausarbeiten zu lassen: Mit AgriJobs ist so eine Plattform entstanden, in der sich landwirtschaftliche Betriebe einfach anmelden und ihren Arbeitskräftebedarf angeben können. Arbeitswillige wiederum können sich je nach Wohnort, Sektor und Interesse potenzielle Arbeitgeber herausfiltern und diese kontaktieren: per Telefon, per E-Mail oder über die Plattform selber.

So hat auch Urban Plattner in diesem Jahr drei Mitarbeiter für seinen Weinbaubetrieb und den Obstbaubetrieb seines Vaters gefunden: Vor knapp drei Wochen hat er auf AgriJobs inseriert, sofort meldeten sich viele Interessierte. Nach kurzen Bewerbungs-
gesprächen entschied er sich für drei davon. An dem Tag, an dem der „Südtiroler Landwirt“ mit Urban Plattner telefoniert, sind sie zum ersten Mal am Hof im Einsatz: Ein junger Mann, dessen befristeter Job wegen der Krise nicht mehr verlängert worden ist, eine junge Boznerin und ihr Freund, ein Kanadier. 

Urban Plattner kann nach einem Tag zwar noch nicht viel sagen, aber sein erster Eindruck ist sehr positiv: „Sie haben zwar alle drei noch wenig Erfahrung mit der landwirtschaftlichen Praxis und den Arbeiten im Weinberg, aber sie verstehen sehr schnell und setzen das um, was ich ihnen erkläre“, sagt der junge Winzer. Noch seien sie zwar etwas langsam, aber mit etwas Übung werde sich das sicher bald ändern. Angenehmer Nebeneffekt: „Ich kann meine Englischkenntnisse etwas auffrischen“, sagt Urban Plattner. Auch Unterbringung und Verpflegung sind mit den heimischen Mitarbeitern kein Thema: „Mittags kocht meine Mutter für uns  alle, und abends fahren sie ja nach Hause. Drei Leute könnten wir in unserer Klauberwohnung auch gar nicht unterbringen.“ 

Viele Zugriffe, viele Interessierte

Auch Paul Gamper vom Willelehof in Jenesien ist mit AgriJobs fündig geworden. Der Bauer aus Jenesien bewirtschaftet mit seiner Familie rund drei Hektar Erdbeeren. In der Vorsaison – zum Pflanzen und Jäten – beschäftigt er normalerweise an die sieben Slowakinnen, zur Ernte mehr als doppelt so viele. Bereits Anfang Mai hat er über die Plattform AgriJobs Hilfskräfte gesucht: „Ich habe am Morgen inseriert, und keine fünf Minuten später hat schon das Telefon geläutet“, erzählt Paul Gamper. An die dreißig Telefonate seien allein an dem Tag bei ihm eingegangen. Noch am selben Abend nahm er das Inserat wieder heraus, weil er bereits zwei Mitarbeiter gefunden hatte: eine Südtirolerin, die in Berlin studiert und derzeit nicht an ihren Studienort kann, und ein junger Afghane, der in Bozen studiert. Den Rest deckt Gamper mit Familienmitgliedern und jungen afrikanischen Männern ab, die wegen des SPRAR-Programms in Jenesien wohnen. „Die Webseite ist super“, sagt Paul Gamper, „seriös, übersichtlich und einfach zu bedienen.“ 

Die Plattform AgriJobs wurde in Zusammenarbeit mit „Karriere Südtirol“ ausgearbeitet. Jeweils montags werden die aktuellen Zahlen über Zugriffe, Inserenten und Entwicklungen auf der Plattform an den Südtiroler Bauernbund übermittelt. AgriJobs ist seit 17. April online, mit den Zugriffzahlen ist man sehr zufrieden. Bisher haben Bauernbund-Mitglieder bereits mehr als 250 Stellenangebote auf AgriJobs veröffentlicht. Aktuell werden vor allem Tagelöhner gesucht, die im Obst- und Weinbau zur Hand gehen: Entsprechend stark sind derzeit Betriebe im Raum Bozen, Burggrafenamt und Vinschgau unter den Inserenten vertreten. 

Frühzeitig planen

150 Stellenausschreibungen wurden bereits wieder deaktiviert. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Stellen inzwischen vergeben wurden. Die Projektverantwortlichen empfehlen den Landwirten, sich frühzeitig um Arbeitskräfte umzusehen,  damit es keine Engpässe bei der Abwicklung der Arbeitsverträge gibt. 

Martin Mitterhofer aus Marling hat sich schon bald um Mitarbeiter für seinen drei Hektar großen Obstbaubetrieb umgesehen: Der junge Quereinsteiger braucht Leute fürs „Zupfen“ und für die spätere Apfelernte. Im letzten Jahr hatte er – gemeinsam mit einem Freund – Erntehelfer aus Rumänien angestellt. In diesem Jahr hat er über AgriJobs inseriert. Das war vor gut drei Wochen. Über E-Mail und Telefon kamen viele Anfragen, besonders in den ersten zwei Tagen. 

Weil Martin Mitterhofer an seinem Hof keine Klauberwohnung hat und die Leute nicht unterbringen kann, entschied er sich letztendlich für zwei Einheimische, die dank eigenem Auto mobil sind: Einen Studenten und einen Mann aus Lana, der in der Gastronomie gearbeitet hat und nun ohne Arbeit dasteht. Am 8. Juni soll es losgehen. Froh ist Mitterhofer vor allem darüber, dass wegen AgriJobs alles so unkompliziert und rasch ging. Nun kann er sich getrost auf seine Arbeit konzentrieren.

In fünf Sprachen in Ausarbeitung

Auch wenn die Grenzen für ausländische Arbeitskräfte wieder aufgehen, die Plattform AgriJobs bleibt bestehen. Die Arbeitsvermittlung über dieses Portal wird künftig sogar noch ausgeweitet werden. Josef Haller, im Südtiroler Bauernbund für die neue Plattform verantwortlich, erklärt: „Derzeit ist das Portal in deutscher und italienischer Sprache online. Wir arbeiten aber daran, sie in insgesamt fünf Sprachen anzubieten: Rumänisch, Englisch und Russisch.“ 

Damit  will man über die Corona-Zeit hinaus eine Möglichkeit für Südtiroler Landwirte schaffen, sich einfach und rasch Arbeitskräfte inner- und außerhalb Südtirols zu suchen. „Eine Arbeitsvermittlungsplattform war vom Südtiroler Bauernbund ja bereits in Planung, bevor die Corona-Krise ausgebrochen ist. Nun haben wir aber schnell auf die Bedürfnisse der Bäuerinnen und Bauern reagiert. Der Start der Arbeitsvermittlungsplattform AgriJobs war sehr gut, nun werden wir das Angebot noch ausbauen“, erklärt Haller.