Marketing, Südtiroler Landwirt | 10.06.2020

Garant, dass drin ist, was draufsteht

Mitte Juni finden wieder Produktverkostungen der Marke „Roter Hahn“ statt. Sensorische Prüfungen, die für Handel und Konsumenten gleichermaßen wichtig sind, wie Ulrich Wallnöfer von Pur Südtirol erklärt. Er ist stolz darauf, die Bekanntheit der Marke mitaufgebaut zu haben. von Renate Anna Rubner

 Jedes Produkt der Marke „Roter Hahn“ entspricht strengen Kriterien und wird sensorisch auf Herz und Nieren geprüft. Foto: Tischlerei Kofler, Pur Bruneck

Jedes Produkt der Marke „Roter Hahn“ entspricht strengen Kriterien und wird sensorisch auf Herz und Nieren geprüft. Foto: Tischlerei Kofler, Pur Bruneck

Ulrich Wallnöfer ist gemeinsam mit Günther Hölzl Gründer und Gesellschafter von Pur Südtirol, Meraner Weinhaus und Ah!Natur. 2010 sind sie mit dem ersten Pur Südtirol Genussmarkt gestartet. Inzwischen gibt es fünf davon: in Meran, Lana, Bozen, Brixen und Bruneck. Entsprechend eng ist Wallnöfer mit bäuerlichen Südtiroler Produkten und der Marke „Roter Hahn“ vertraut. Wie wichtig die sensorische Qualitätsprüfung ist, weshalb er selber bei Produktverkostungen dabei war und wieso er den Weg der Qualität als einzig Erfolg versprechenden ansieht, erklärt er im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“.

Südtiroler Landwirt: Herr Wallnöfer, ganz spontan, welche drei Adjektive fallen Ihnen zur Marke „Roter Hahn“ ein?

Ulrich Wallnöfer: Heimisch, hochwertig, hofeigen.

Und welche Bilder entstehen in Ihrem Kopf, wenn sie das Logo der Marke sehen?

Da sehe ich eine idyllische Landschaft, urige Bauernhöfe und eine reichhaltige Palette von Produkten, die den täglichen Bedarf von Einheimischen und Gästen decken. Das Logo „Roter Hahn“ assoziiere ich aber auch mit gemütlichem Beisammensein bei gutem Essen und natürlich mit Urlaub auf dem Bauernhof. 

Sie sind mit Pur Südtirol eng mit der bäuerlichen Direktvermarktung verzahnt. Wie bewerten Sie die Entwicklung der bäuerlichen Produkte in den letzten zehn Jahren?

Als wir im Jahr 2009 – bevor wir mit dem ersten Genussmarkt gestartet sind – eine Umfrage zum Thema Regionalität machten, war das Ergebnis ziemlich ernüchternd. Damals war noch wenig Sensibilität dafür vorhanden. Auch die Marke „Roter Hahn“ war noch relativ unbekannt, zumindest was die Produkte anbelangt. Man brachte die Marke vor allem mit Urlaub auf dem Bauernhof in Verbindung.

Das hat sich in den letzten zehn Jahren stark gewandelt: Das Thema Regionalität wird heute stark gefühlt, daran hatten wir mit unseren Genussmärkten und unseren Kommunikationskanälen – das darf ich mit Genugtuung sagen – auch unseren Anteil. 

Heute sind kleine Kreisläufe stark gefragt, auch wenn die Absatzzahlen der letzten drei Monate das nicht immer widerspiegelten: Das lässt den Schluss zu, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten zwar der Probleme bewusst sind, die durch die Globalisierung entstehen, oft aber dann zu Billigprodukten greifen. Aber wir lassen uns dadurch nicht entmutigen. Im Gegenteil, wir gehen unseren Weg konsequent weiter, weil er für uns der einzig richtige ist: Bei unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft ist der regionale Absatz die einzige Möglichkeit, uns nachhaltig und sozial verträglich weiterzuentwickeln. 

Wie beurteilen Sie die Produktvielfalt in diesem Segment?

Auch die hat sich laufend weiterentwickelt,  viele Kategorien sind dazugekommen. Das Spektrum ist heute sehr umfangreich, aber weiter ausbaubar, zum Beispiel in Hinblick auf gewisse Trends, damit auch die Bedürfnisse künftiger Kunden abgedeckt werden.

Bei welchen Produkten/Produktgruppen gäbe es Ihrer Erfahrung nach noch Bedarf? Und wo scheint Ihnen der Markt gesättigt?

Wo wir auf jeden Fall Entwicklungsbedarf sehen, ist zum Beispiel in der Verpackung: weniger Plastik wäre gefragt, mehr lose Ware. Auch Produkte für Vegetarier und Veganer haben viel Potenzial, wir denken da nicht nur an Gemüse – sowohl frisch als auch verarbeitet – sondern auch an innovative Produkte wie Soja als Fleischersatz. Der Fleischkonsum geht insgesamt zurück, denn die Kunden fragen sich immer mehr, welche Auswirkung ihr Konsum hat. Das wird beim Pestiziddialog besonders sichtbar.

Potenzial sehen wir aber auch bei Eiern, in der Gastronomie ist der Bedarf dafür noch lange nicht gedeckt. Bei Apfelsaft dagegen ist der Markt gesättigt, vor allem bei integriert produziertem, nicht reinsortigem. Auch bei Sirup, dort aber vor allem wegen des Zuckers.Dagegen hat alles, was mit Gesundheit zu tun hat, noch viel Potenzial, deshalb auch biologisch und biodynamisch produzierte Lebensmittel. Ich bin davon überzeugt, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir den Qualitätsweg konsequent weitergehen. Und für mich persönlich bedeutet das mit maximalem Bewusstsein im Umgang mit den Ressourcen.

Die Marke „Roter Hahn“ hat klare Kriterien und ein transparentes Auswahlverfahren für bäuerliche Produkte. Welchen Stellenwert hat die Marke in der Entscheidung, ob ein Produkt bei Pur Südtirol gelistet wird?

Einen hohen Stellenwert. Denn wir haben die gleiche Basis: Das Wertegerüst der Marke „Roter Hahn“ ist deckungsgleich mit unserem. Unser kleinster gemeinsamer Nenner ist das „Made in Südtirol“, auch der hohe Qualitätsanspruch ist uns beiden eigen, weshalb die sensorischen Eigenschaften bei der Auswahl stark ins Gewicht fallen. Weil der Geschmack darüber mitentscheidet, ob etwas gekauft wird. Deshalb waren wir auch schon bei Verkostungen der Marke „Roter Hahn“ dabei. 

Auch bei uns werden alle Produkte verkostet, aber nach anderen Kriterien als bei der Marke „Roter Hahn“. Denn wir müssen abwägen, ob ein zusätzliches Produkt den Umsatz anderer, vergleichbarer Produkte mindert. Es muss also, damit wir es für Pur Südtirol listen, einen Mehrwert haben, differenzierende Merkmale aufweisen. Das ist ein zusätzliches Kriterium, nach dem wir verkosten.

Welchen Stellenwert hat die Marke „Roter Hahn“ Ihrer Erfahrung nach bei Kundinnen und Kunden?

Das Sortiment der Marke steigt und damit auch ihre Präsenz – Schritt  für Schritt kriegt sie mehr Gewicht. Für uns und die Kunden ist angenehm, wie streng die Kriterien und wie rigoros die Kontrollen sind. Die Marke ist Garant für geprüfte Qualität. Sie ist voll und ganz verlässlich und bürgt dafür, dass wirklich drin ist, was draufsteht.