Produktion | 11.06.2020

Feuerbrand: Jetzt Augen auf!

Vor knapp zwei Wochen ist der erste Feuerbrand-Fall in einer Neuanlage aufgetreten. Es folgten Meldungen vor allem aus dem Gebiet südlich von Bozen und aus dem Etschtal. Um das Problem unter Kontrolle zu halten, ist jetzt die Mitarbeit jedes und jeder Einzelnen gefragt. von Bernhard Christanell

Der Beratungsring geht von einem hohen Befallsdruck in den Apfelanlagen aus, daher ist höchste Vorsicht geboten. Foto: Matthias Matscher

Der Beratungsring geht von einem hohen Befallsdruck in den Apfelanlagen aus, daher ist höchste Vorsicht geboten. Foto: Matthias Matscher

Bei Konrad Mair vom Pflanzenschutzdienst in Bozen laufen derzeit die Telefone heiß. Vor allem in den ersten Tagen, nachdem die ersten Fälle von Feuerbrand-Infektionen im Raum Leifers aufgetreten waren, trafen laufend neue Meldungen ein. Mair ruft die Obstbauern auf, auch weiterhin die Augen offen zu halten: „Nur wenn jeder in seinen Anlagen genau kontrolliert und mögliche Verdachtsfälle sofort meldet, können wir einen guten Überblick über die Lage bekommen. Und nur wenn die betroffenen Anlagen schnell und gründlich saniert oder gerodet werden, können wir die weitere Ausbreitung eindämmen.“

Die aktuelle Lage sei kein Grund zur Panik, aber durchaus ein Anlass, Vorsicht walten zu lassen und genau zu kontrollieren. Bei Redaktionsschluss waren laut Angaben des Pflanzenschutzdienstes 90 neue Fälle im ganzen Land bekannt. 

Drei von vier Bäumen standen in Junganlagen

Über die Hälfte davon (52) wurde aus Leifers gemeldet, es folgen mit einigem Abstand die Gemeinden Lana (23) und Pfatten (10). Die restlichen Fälle verteilen sich auf die Gemeinden Laas, Gargazon, Burgstall, Eppan und Bozen-Grutzen (Stand: 5.6.2020).

Betroffen sind nach aktuellem Stand 72 Grundbesitzer, und fast ausschließlich Apfelbäume. Der Großteil der betroffenen Bäume sind Exemplare der Sorte Cripps Pink/Rosy Glow, und in rund drei Viertel der Fälle sind Apfel-Junganlagen oder nachgepflanzte Bäume vom Feuerbrand befallen. Aber auch Ertragsanlagen sind gegen die Gefahr nicht gefeit, immer jeder fünfte bislang befallene Baum stand in einer Ertragsanlage. Mehrere
Apfel-Neuanlagen mussten bisher aufgrund des starken Befalles vollständig gerodet werden, insegsamt waren es bislang rund 2600 Bäume. Konrad Mair hofft, dass sich das Problem in Grenzen hält: „In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Meldungen bereits spürbar zurückgegangen. Vielleicht kommen wir heuer mit einem blauen Auge davon.“

Beratungsring geht von hohem Befallsdruck aus

Auch der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau beobachtet die Entwicklung sehr aufmerksam und informiert seine Mitglieder über seine Rundschreiben. Bisher  seien ausschließlich Blüteninfektionen diagnostiziert worden, heißt es dort, und die Zahl der erkrankten Bäume sei von Anlage zu Anlage unterschiedlich. Das Befallsausmaß   reiche von einigen wenigen bis zu mehreren Hundert Bäumen pro Anlage. „Bei den Kontrollen   werden immer wieder Bäume mit mehreren Infektionsstellen am Baum gefunden. Deshalb ist von einem hohen Befallsdruck auszugehen. Auch Schleimbildung an den Befallsstellen konnte beobachtet werden“, schreibt der Beratungsring. 

Auch der Beratungsring rät den Bauern, die Sache ernst zu nehmen und alle Anlagen genau zu kontrollieren. „Wird ein Feuerbrandbefall beispielsweise in Neuanlagen zu spät erkannt, sind die befallenen Bäume erfahrungsgemäß kaum mehr zu retten. Wichtig ist es auch, genügend Zeit für diese Kontrollen einzuplanen“, betont der Beratungsring in einem Rundschreiben. Sollte ein Befall gefunden werden, ist die Anlage jeden zweiten Tag zu kontrollieren. Später können die Intervalle verlängert werden. Bäume mit Feuerbrandbefall bzw. Feuerbrandverdacht sollten sofort mit einem Markierungsband   gekennzeichnet und saniert werden. „Das Markieren ist unbedingt erforderlich, um bei einer Nachkontrolle die bereits befallenen Bäume leichter zu erkennen“, schreibt der Beratungsring. Die Rodung von Apfelbäumen wird von den Beamten des Landespflanzenschutzdienstes nur angeordnet, wenn das Sanieren aussichtslos ist (z. B. bei starkem Befall). Die Kontrolle und Sanierung erfolgen in einem Schritt und sollten bei trockenem Wetter durchgeführt werden. 

Befall umgehend melden

Der wichtigste Schritt ist aber, bei Verdachtsfällen umgehend den zuständigen Berater oder den Pflanzenschutzdienst in Bozen (Tel. 0471 415140) zu verständigen.