Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 11.06.2020

Mitglieder stellen sehr gutes Zeugnis aus

Alle fünf Jahre befragt der Bauernbund seine Mitglieder zu Qualität und Umfang seiner Verbandsarbeit und seiner Dienstleistungen. Die Ergebnisse sind sehr gut ausgefallen und geben auch diesmal Anlass, Maßnahmen zu treffen. von Ulrich Höllrigl

Viel Einsparungspotential erhoffen sich die Mitglieder von einer besseren Vermittlung von landwirtschaftlichen Maschinen zum besten Preis.

Viel Einsparungspotential erhoffen sich die Mitglieder von einer besseren Vermittlung von landwirtschaftlichen Maschinen zum besten Preis.

Zwischen Dezember 2019 und Februar 2020 wurden die Mitglieder um ihre Meinung zur Arbeit des Bauernbundes gefragt. Damit ist die Befragung immer eine Momentaufnahme, die die Stimmung in der Landwirtschaft im Befragungszeitraum widerspiegelt. Die Befragten wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Die eingegangenen Antworten pro Bezirk entsprechen der Stärke der Bezirke. 2020 lief die Mitgliederumfrage erstmals auch online ab. Insgesamt wurden 4000 Online-Fragebögen und 1000 Papier-Fragebögen verschickt.

Beteiligung leicht gestiegen

Die Beteiligung an der Umfrage 2020 beträgt 28,2 Prozent und ist im Vergleich zur Umfrage 2015 leicht gestiegen. Zurückgeschickt wurden 1300 Fragebögen. Auffallend ist, dass es bei der Online-Umfrage mit 32,5 Prozent einen deutlich höheren Rücklauf gab als bei den Papier-Fragebögen mit elf Prozent.

Landesobmann Leo Tiefenthaler freut sich: „Im Allgemeinen wurden die Leistungen des Bauernbundes besser als 2015 und zum Teil auch besser als 2010 bewertet. Wir bewegen uns auf einem sehr hohen Zufriedenheitsniveau. Ein großes Dankeschön allen Mitgliedern, die den Fragebogen ausgefüllt haben.“ Direktor Siegfried Rinner ergänzt: „Die überaus positive Einschätzung unserer Mitglieder, für die sich Funktionäre und Mitarbeiter tagtäglich einsetzen, ist für uns Ansporn, uns weiter zu verbessern und an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen.“

Zufriedenheit gestiegen

Die Zufriedenheit mit den Dienstleistungen in den Bezirksbüros ist wie schon 2015 sehr hoch und in den meisten Bereichen sogar gestiegen. Spitzenreiter mit jeweils über 95 Prozent an sehr zufriedenen und zufriedenen Mitgliedern sind die Bezirkssekretariate und die Förderungen. Wie in den Bezirken verzeichnen auch die Fachabteilungen im Bauernbund-Hauptsitz in Bozen auf hohem Niveau einen Zuwachs an zufriedenen Mitgliedern. Spitzenreiter ist die Weiterbildungsgenossenschaft mit 96 Prozent an zufriedenen Mitgliedern, gefolgt vom Bäuerlichen Notstandsfonds mit knapp 95 Prozent.

Die Erreichbarkeit der Bauernbund-Mitarbeiter wird von den Mitgliedern als sehr gut eingeschätzt. Die Erreichbarkeit per E-Mail hat sich weiter verbessert, verschlechtert hat sich allerdings jene per Telefon. Die Zufriedenheit der Mitglieder mit der politischen Interessenvertretung ist im Vergleich zu 2015 in sämtlichen Bereichen leicht gestiegen und liegt zwischen 60 und 70 Prozent. Die Zufriedenheit mit dem Einsatz für die Bereiche Berglandwirtschaft sowie Obst- und Weinbau ist hingegen leicht gesunken.

Im Bereich der Mitgliederinformation und der Medienarbeit ist die Zufriedenheit nach wie vor sehr hoch. Dies gilt für den „Südtiroler Landwirt“ genauso wie für die Medienpräsenz und für die Kampagnen „Dein Südtiroler Bauer“ und zum Wolf. Erstmals wurde 2020 die Zufriedenheit mit dem Dienstleistungsportal „mein SBB“ abgefragt: 92 Prozent der Mitglieder sind auf Anhieb mit dem Portal zufrieden. Erstmals bewertet wurde die Mitgliedschaft beim Bauernbund. Über 90 Prozent der Mitglieder geben an, dass die Landwirtschaft in Südtirol ohne den Bauernbund viel schlechter dastehen würde (siehe Grafik). Im Abschnitt „mögliche neue Leistungen“ wurde der Aufbau und die Stärkung der lokalen Kreisläufe am häufigsten genannt, gefolgt von der Vermittlung von landwirtschaftlichen Maschinen zum günstigsten Preis. Die Zufriedenheit der Mitglieder mit den Organen, Funktionären und Gremien des Bauernbundes ist im Vergleich zu 2015 gestiegen und bewegt sich zwischen 80 und 90 Prozent. Erfreulich ist, dass die Mitglieder mit der Arbeit der Bezirks- und Ortsbauernräte noch zufriedener als 2015 sind.

Mitgliederumfrage

Zukunftsentwicklungen

Die größte Zustimmung gibt es für die Entnahme von Wölfen und Bären. Eine überwältigende Mehrheit, nämlich 92 Prozent der Mitglieder sind der Meinung, dass diese möglich sein soll. 

Auch sprechen sich 83,5 Prozent der Mitglieder für Maßnahmen zur Stärkung der Nachhaltigkeit aus. Zwei Drittel der Mitglieder sind außerdem dafür, die Dienstleistungen des Bauernbundes und die Kommunikation mit dem Bauernbund in Zukunft möglichst digital abzuwickeln. „Bei der Umsetzung dieses Wunsches werden wir die weniger technikbegeisterten Mitglieder sicher nicht vergessen“, versichert Direktor Rinner. Etwas optimistischer als 2015 schätzen die Mitglieder die Zukunftsaussichten ihres Betriebes in den kommenden zehn Jahren ein. Knapp zwei Drittel der Befragten sehen sehr positiv bzw. positiv in die Zukunft. Betriebe mit UaB schätzen die Zukunftsaussichten deutlich positiver ein als reine Grünland- oder reine Obst- und Weinbaubetriebe. 

Landesbauernrat gibt Richtung vor

Der Landesbauernrat hat in seiner jüngsten Sitzung die Ergebnisse analysiert und die Richtung vorgegeben. Im Dienstleistungsbereich soll die Erreichbarkeit der Mitarbeiter per Telefon verbessert werden. Ebenso hat der Landesbauernrat die Entwicklung eines Konzepts zur Vermittlung von landwirtschaftlichen Maschinen in Auftrag gegeben. Hier sieht der Landesbauernrat für die kommenden Jahre echte Einsparungspotentiale, die sich direkt auf die Brieftasche der Bauern auswirken. 

Im Verbandsbereich soll das Thema der regionalen Kreisläufe auf allen Ebenen unter Einbeziehung der bäuerlichen politischen Vertreter angegangen werden: Die Palette reicht hier von der Umsetzung der Bauernbund-Direktvermarktungsoffensive über die konkrete Verbesserung der Landes-Vergaberichtlinien bis hin zu einem eigenen Gesetz zur Stärkung der regionalen Kreisläufe.

Auch das Thema „Verträglichkeit der Freizeitnutzungen auf landwirtschaftlichem Grund“ soll vertieft werden. Ebenso wird überlegt, wie man die kleinsten Bauernbund-Mitgliedsbetriebe unterstützen kann. Beim Thema Wolf wird der Bauernbund den Auftrag seiner Mitglieder ernst nehmen und bei der Forderung nach einem wolfsfreien Südtirol nicht locker lassen.

Parallel dazu wird der Südtiroler Bauernbund ab Herbst das neue Projekt „Strategie 2025“ in Angriff genommen, bei dem mehrjährige strategische Ziele und Maßnahmen entwickelt werden. Die Ergebnisse der Mitgliederbefragung sind dabei eine wichtige Grundlage.