Sozialberatung | 23.07.2020

Die verkannte Krankheit

Rund um das Thema Berufskrankheiten ranken sich viele Mythen und Legenden. Warum diese meist nicht stimmen und was eine Berufskrankheit eigentlich ausmacht, schildert der folgende Beitrag.

Auch die Arbeit im Wald kann Schultern bzw. Ellenbogen besonders belasten und eine Berufskrankheit zur Folge haben. Foto: www.agrarfoto.at

Auch die Arbeit im Wald kann Schultern bzw. Ellenbogen besonders belasten und eine Berufskrankheit zur Folge haben. Foto: www.agrarfoto.at

Wenn ich um Berufskrankheit ansuche, haftet ein Makel an mir. Ich habe Probleme, einen Job zu finden, weil mich niemand mehr nehmen wird. Warum sollte ich mich als nicht arbeitsfähig einstufen lassen? Berufskrankheit, das ist doch nur was für Leute mit Problemen! Das ist ein Arbeitsunfall und keine Krankheit! Warum sollte ich eine Berufskrankheit melden, dann bekommt mein Arbeitgeber nur Probleme.

Diese und ähnliche Aussagen fallen oft, wenn sich ein Gespräch um das Thema Berufskrankheit dreht. Doch was ist eigentlich eine Berufskrankheit? Unter einer Berufskrankheit versteht man einen krankhaften Zustand des Betroffenen, welcher durch langsame Ursache und dauerhaften Kontakt mit einer krankhaften Arbeitsaktivität über einen längeren Zeitraum verursacht wird. 

Anders gesagt: Wenn man jahrelang immer eine unnatürliche Bewegung wie das Tragen von schweren Lasten ausführt, kann es irgendwann zu Problemen aufgrund dieser ständigen Bewegung kommen.

Die Liste der Vorurteile zu Berufskrankheiten ist lang, und Falschinformationen sind hierzulande weit verbreitet. So drohen einem Betrieb – anders, als oft befürchtet – keine Strafen und auch keine Erhöhung der INAIL-Prämie, wenn ein Selbstständiger in der
Landwirtschaft oder ein bauernversichertes Familienmitglied eine Berufskrankheit meldet.

Viele scheuen den langwierigen Weg

Tatsache ist, dass in Südtirol viel weniger Berufskrankheiten als beispielsweise im Trentino gemeldet werden. Der Grund: Viele Menschen wissen die Zeichen nicht zu deuten, drängen nicht auf eine Meldung, oder der administrative Weg ist ihnen zu langwierig. Denn um das Ansuchen um Berufskrankheit zu stellen, muss man zuerst einen Termin beim Hausarzt vereinbaren, der das Zeugnis „5 SSB-bis“ ausfüllen muss. Dann steht der Besuch beim Patronat an, um den Antrag einzureichen.

Grundsätzlich gilt: Je genauer die verschiedenen Arbeitstätigkeiten und der Einsatz diverser Maschinen beschrieben und die Beschwerden mit ärztlicher Dokumentation untermauert werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein Ansuchen genehmigt wird.

Der „Südtiroler Landwirt“ möchte – beginnend mit dieser Ausgabe – das Thema Berufskrankheiten regelmäßig aufwerfen und damit die Leserinnen und Leser ermutigen, die Scheu vor dem bürokratischen Aufwand und dem erschreckenden Klang des Begriffs „Krankheit“ abzulegen. 

In den Beiträgen zu diesem Themenschwerpunkt sollen häufige Ausprägungen von Berufskrankheiten anhand von verschiedenen Teilen des menschlichen Körpers aufgezeigt werden. 

Den Anfang machen die Schulter und der Ellenbogen. Typische Berufskrankheiten entstehen hier in der Landwirtschaft durch häufige, wiederholte, falsch ausgeführte Bewegungen. In unserer Printausgabe finden Sie eine Tabelle mit typischen Berufskrankheiten. Die in der Tabelle zusammengefassten Krankheitsbilder sind charakteristisch, wobei die Arbeitsbelastung in Kurven, Abhängen, Steillagen usw. und je nach Bearbeitungsart (allein oder mit Hilfe) und Alter der Maschinen zunimmt. 

Broschüre des Bauernbundes liefert mehr Infos

Die Bezeichnung „Krankheit“ ist auf den ersten Blick irreführend, da es sich nicht um einen Schnupfen oder eine Grippe handelt. Oft ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, ob es sich bei einem Fall um eine Berufskrankheit handelt, die Übergänge zum Arbeitsunfall sind teilweise fließend. Viele Berufskrankheiten sind vermeidbar, wenn die gängigen Arbeitssicherheitsbestimmungen eingehalten werden. 

Die neu gestaltete Broschüre „Arbeitsunfall und Berufskrankheit“ des Bauernbund-Patronats ENAPA bietet einen schnellen Überblick und ist unter www.sbb.it/patronat/unfall-und-krankheit online abrufbar. Die Mitarbeiter des Patronats in den Bauernbund-Bezirksbüros stehen für eine kostenlose Beratung zur Verfügung.