Bauernbund | 23.07.2020

„So hat das keine Zukunft mehr“

Sieben ihrer 17 Brillenschafe hat Bäuerin Hedwig Obwexer aus St. Magdalena in Villnöß in den vergangenen Wochen durch Wolfrisse verloren. Nun gibt die Bäuerin die Zucht der seltenen Schafrasse auf.

Sieben Brillenschafe waren in den vergangenen Wochen Opfer von Wolfrissen am Galreidhof in St. Magdalena in Villnöß.

Sieben Brillenschafe waren in den vergangenen Wochen Opfer von Wolfrissen am Galreidhof in St. Magdalena in Villnöß.

„Wir haben voriges Jahr bereits drei Schafe durch Wolfrisse verloren, aber heuer ist es besonders schlimm“, erzählt Obwexer. „Es ist einfach schlimm, wenn man sich ein totes Schaf anschauen muss, aber noch schlimmer ist es, wenn ein Tier angebissen ist und noch lebt.“ 

Ihre kleine Schafherde hielt die Bäuerin vom Galreidhof nicht auf einer entlegenen Alm, sondern auf einer Weide in St. Magdalena unweit von Häusern. Um die steile Weide verläuft ein Zaun. „Der Wolf hat Löcher gegraben und die Schafe unter den Zaun hindurch in flacheres Gelände gezogen.“

Jungbauer Patrick Obwexer fühlt sich hilflos: „Ich finde es nicht richtig, dass immer wieder ein Schaf fehlt und du nichts dagegen tun kannst, weil der Wolf geschützt ist.“

Für die Zukunft sieht der Jungbauer schwarz: „Wenn es nicht besser wird, macht es keinen Sinn den Hof weiterzuführen. So hat das keine Zukunft mehr für mich.“

Die Schafhaltung hat die Bauernfamilie mittlerweile aufgegeben. Die verbliebenen Tiere werden verkauft. 

„Es geht um ein regionales Produkt“

Das Villnösser Brillenschaf ist Südtirols älteste Schafrasse. Die Tiere mit der typischen schwarzen Augenpartie waren vom Aussterben bedroht. 2007 startete ein Projekt zum Wiederaufleben der Brillenschafzucht in Villnöß. Der Bestand stieg von 250 auf über 600 Muttertiere an. Rund um das Brillenschaf entstand eine Wertschöpfungskette im Tal, an dem örtliche Betriebe und vor allem Gastronomie und Tourismus beteiligt sind.  

Das Fleisch vom nachhaltig aufgezogenen Brillenschaf ist in der Gastronomie sehr gefragt. Das unterstreicht Michael Eisendle, Betreiber des Hotels Tyrol in St. Magdalena: „Für uns Touristiker ist es wichtig, dass Bauern die Schafzucht betreiben. Es geht um ein regionales Produkt und um das Wirtschaften in kleinen Kreisläufen.“

Mehr Wölfe als Brillenschafe

Eisendle unterstreicht auch den Wert autochthoner Nutztierrassen für die Biodiversität: „Es gibt in Italien mehr Wölfe als Brillenschafe.“