Seniorenvereinigung, Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 01.08.2020

Über den eigenen Schatten springen

Hilfe von außen holen, ein wohltuendes Gespräch annehmen, Erwartungen herunterschrauben, die Lebensberatung für die bäuerliche Familie anrufen – auch für die älteren Menschen am Hof ein guter Weg.

Für Senioren ist es oft schwierig, sich Hilfe von außen zu holen. Foto: SBO, Armin Huber

Für Senioren ist es oft schwierig, sich Hilfe von außen zu holen. Foto: SBO, Armin Huber

Theresia Agreiter Larcher, die stellvertretende Landespräsidentin der Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund, spricht aus Erfahrung: Die älteren Menschen haben unter dem Lockdown im Frühjahr sehr gelitten. Larcher griff in dieser Zeit oft zum Telefon, rief ältere Menschen an und merkte, wie wohltuend ein Gespräch sein kann. Larcher spricht von Hemmschwellen, von alltäglichen Problemen, von Ängsten und von unerfüllten Erwartungen und Vorstellungen der älteren Menschen an ihre Kinder und Schwiegerkinder und umgekehrt, die oft zu unausgesprochenen Konflikten führen. 

Die Beratungsgespräche der Lebensberatung für die bäuerliche Familie bieten die Möglichkeit über diese Themen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, mit dem Ziel das Leben und Arbeiten am Hof für alle erfreulich zu gestalten. Die Lebensberatung wurde vor elf Jahren von der Südtiroler Bäuerinnenorganisation ins Leben gerufen Landesbäuerin Antonia Egger erklärt: „Sie ist inzwischen zu einer wichtigen Anlaufstelle für den Menschen am Hof geworden, die in einer Konfliktsituation geraten sind. Gut, dass die Beratungsgespräche jetzt nach Corona wieder angeboten werden dürfen.“

Lebensberatung auch für Senioren da

„Wir haben nicht gelernt über Persönliches zu reden, Probleme werden nicht nach außen getragen,“ weiß Theresia Larcher. Die Senioren hätten das Bedürfnis zu reden, doch trauen sich nicht. Lieber seien sie still und dies führe zur Vereinsamung. „Ich ermutige ältere Menschen, die Lebensberatung in Anspruch zu nehmen. Bereits ein Gespräch hat eine positive Wirkung und bringt so manches in Bewegung. Der Blick auf die Dinge ändert sich bereits durch Reden und dann wird vieles einfacher,“ ruft die stellvertretende Präsidentin der Seniorenvereinigung auf. Früher gab es solche Hilfen nicht, man hat sich sozusagen selbst geholfen oder auch nicht. Theresia Larcher wünscht sich, dass die Senioren lernen, Hilfe zu suchen und anzunehmen, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und zu schauen, dass es ihnen gut geht. 

„Gott sei Dank ist mittlerweile die jüngere Generation offen und hat keine Scheu die Telefonnummer 0471 999400 zu wählen, wenn mal der Schuh drückt. Für die ältere Generation ist dieser Schritt noch schwierig,“ sagt Landesbäuerin Antonia Egger. Ein gemeinsamer Appell mit der Seniorenvereinigung kann aufklären: „Unsere gemeinsame Botschaft: Über den Schatten springen, anrufen und miteinander reden: Das hilft!“

Lebensberatung für die bäuerliche Familie:
Tel. 0471 999400, 9–12 Uhr, 14–18 Uhr