Politik | 06.08.2020

Chance zum Mitreden nutzen

Die Vorbereitungen auf die Gemeinderatswahlen am 20. und 21. September sind mittlerweile voll im Gange. Der „Südtiroler Landwirt“ hat mit mehreren bäuerlichen Gemeindevertretern im Land über ihre Erfahrungen in den vergangenen fünf Jahren und über ihre Pläne gesprochen. von Bernhard Christanell und Michael Deltedesco

Wie entwickelt sich die Landwirtschaft auf Gemeindeebene (im Bild Kurtatsch) weiter? Die Antwort haben die Bäuerinnen und Bauern in der Hand.

Wie entwickelt sich die Landwirtschaft auf Gemeindeebene (im Bild Kurtatsch) weiter? Die Antwort haben die Bäuerinnen und Bauern in der Hand.

Wenn im September die Gemeinderäte in den meisten Südtiroler Gemeinden neu gewählt werden, dann sind die Bäuerinnen und Bauern wieder sehr gefragt. Zum einen als Kandidatinnen und Kandidaten, die sich zur Wahl stellen – zum anderen als Wählerinnen und Wähler, die darüber mitentscheiden, wie die Landwirtschaft auf Gemeindeebene in den kommenden Jahren vertreten sein wird.

In der Zwischenzeit ist ein wichtiger Teil der Arbeit getan: Im Laufe der kommenden Woche müssen die Listen mit den Kandidaten eingereicht werden – ab diesem Zeitpunkt buhlen dann unter anderem auch die vielen bäuerlichen Vertreter im Land um die Gunst der Wähler. Mit einigen von ihnen hat der „Südtiroler Landwirt“ im Vorfeld gesprochen. 

Georg Reden: Müssen unsere Anliegen vertreten

Auf seine ersten fünf Jahre als Bürgermeister von Olang blickt Georg Reden zurück. Das Amt des Bürgermeisters bringe neben der vielen Verwaltungsarbeit auch viele positive Seiten mit sich: „Es ist von Vorteil, wenn man entscheidungsfreudig ist und sich von Anfang an bewusst ist, dass man nicht alle glücklich machen wird, weil nicht immer alles machbar ist.“ In den vergangenen fünf Jahren hat sich in Olang viel getan – und die gute bäuerliche Vertretung vor Ort hat sich bezahlt gemacht. 

Ob es um Bauprojekte, um Hofzufahrten oder um Fragen der Raumordnung geht – bei Diskussionen auf Gemeindeebene gehe es oft um die Interessen der Landwirtschaft. „Und hier zeigt sich oft, wie notwendig es ist, dass Bäuerinnen und Bauern in den entscheidenden Gremien vertreten sind. Niemand darf sich von anderen Gruppen erwarten, dass sie die Belange der Landwirtschaft vertreten, das müssen die Bäuerinnen und Bauern schon selbst tun“, unterstreicht Reden. Für die Zukunft in seiner Heimatgemeinde Olang ist Reden – der wieder als Bürgermeister antritt – optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, dass wir wieder eine gute bäuerliche Vertretung haben werden.“

Anna Holzner: Einblick in Abläufe gewinnen

Einen etwas ungewöhnlichen Weg hat Anna Holzner aus Lana in den vergangenen fünf Jahren hinter sich gebracht: Von den bäuerlichen Organisationen vor fünf Jahren nominiert, schaffte sie den Sprung in den Gemeinderat. Vor etwas mehr als einem Jahr kam dann die „Beförderung“ in den Gemeindeausschuss. 

Ihre Bilanz: Im Gemeindeausschuss gebe es einfach noch viel mehr Möglichkeiten, mitzuentscheiden und mitzugestalten. Dennoch kann Holzner auch die Erfahrung im Gemeinderat vor allem jungen Kandidatinnen und Kandidaten nur empfehlen: „Man versteht erst dann, warum in der Politik nicht immer alles so einfach geht, wie man sich das als Außenstehender oft vorstellt. Diese Abläufe kennenzulernen und nachvollziehen zu können ist eine tolle Erfahrung. Und die Chance zum Mitreden sollten alle nutzen!“ 

Negative Reaktionen aufgrund der Tatsache, dass sie erstens jung und zweitens weiblich ist, hat Holzner nicht erlebt: „Ich hatte immer das Gefühl, auf Augenhöhe mit den anderen zu diskutieren und ernst genommen zu werden – im Gemeinderat ebenso wie jetzt im Ausschuss.“ Bei den Wahlen im September tritt sie wieder an – und hofft auf eine weiterhin gute bäuerliche Vertretung in ihrer Heimatgemeinde Lana. 

Christoph Matzneller: Bürgernähe von Vorteil

Durchwegs positive Erfahrungen als Bürgermeister in Aldein hat Christoph Matzneller in den vergangenen fünf Jahren gemacht: „Als Bürgermeister muss man einen spannenden Spagat schaffen – den größten gemeinsamen Nenner im Interesse möglichst Vieler finden und die Anliegen des Einzelnen dennoch ernst nehmen.“ Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung hat Matzneller als sehr fruchtbringend erlebt. 

Der Vorteil, den Bäuerinnen und Bauern haben, ist: „Sie sind von Natur aus nahe bei den Leuten und haben ein gutes Alltagsverständnis.“ Diese Bürgernähe sei vor allem für ein Amt wie jenes des Bürgermeisters von Vorteil. Für die Gemeinderatswahlen sieht Matzneller die Landwirtschaft auf Ortsebene gut gerüstet: „Es ist zwar allgemein schwieriger geworden, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Wir haben aber – trotz einiger personeller Veränderungen – wieder ein gutes Team beisammen.“ 

Werner Prosch: Auch Stadt braucht gute Bauern-Vertretung

Nochmals der Wahl stellt sich auch der Bauernbund-Ortsobmann von Brixen, Werner Prosch. Er war bereits Stadtrat und in den letzten fünf Jahren Gemeinderat. Für Prosch ist eine starke bäuerliche Vertretung gerade in einer Stadtgemeinde wie Brixen wichtig. 

In den letzten fünf Jahren ist in Brixen viel umgesetzt worden. „Die Zusammenarbeit in der Fraktion und im Gemeinderat war gut, besonders mit dem Bürgermeister Peter Brunner“, blickt Prosch zurück. 

Intensiv wurde in den letzten Jahren über die Freizeitnutzung auf bäuerlichem Grund diskutiert – ein Thema, das vielen Bäuerinnen und Bauern ein großes Anliegen ist. „Hier braucht es in der neuen Amtsperiode eine definitive Regelung, besonders im Hinblick auf das Radfahren auf dem Ploseberg.“ Zudem werden die bäuerlichen Vertreter für eine sinnvolle Umsetzung des neuen Landesgesetzes für Raum und Landschaft eintreten.

Erich Rottensteiner: Bürokratie abwenden 

Auch Erich Rottensteiner tritt am 20. und 21. September wieder zur Gemeinderatswahl an. Rottensteiner war im Rittner Gemeindeausschuss für die Landwirtschaft, das Straßennetz, den Bauhof, die Schneeräumung und auch für das Trinkwasser zuständig. Ein besonderes Anliegen in den letzten Jahren waren die Erreichbarkeit der Höfe und sichere Zufahrten. Nach Unwettern konnten die Zufahrten wieder schnell und mit öffentlichen Mitteln hergestellt werden. Eine große Herausforderung in der nächsten Amtsperiode wird die Umsetzung des neuen Gesetzes für Raum und Landschaft. Die bäuerlichen Vertreter werden sich dafür einsetzen, dass nicht mehr Bürokratie und Kosten auf die bäuerlichen Betriebe zukommen. Zudem braucht es auch auf dem letzten Hof ein schnelles Internet.

Andreas Hauser: Wichtige Projekte umgesetzt

Der Vizebürgermeister von Schluderns und Bauernbund-Ortsobmann Andreas Hauser tritt im September als Bürgermeister-Kandidat bei der Gemeinderatswahl an. Einerseits will er bereits initiierte Arbeiten weiterführen und andererseits neue Projekte starten.

In den letzten Jahren wurden einige wichtige Vorhaben für die Landwirtschaft und die Bürger umgesetzt. Das Projekt zum Umbau der bestehenden Milchviehalm „Upi-Alm“ konnte auf den Weg gebracht werden. Ein Schwerpunkt der Amtsperiode war die Instandhaltung von Hofzufahrten und Güterwege. Ein wichtiges Projekt für Schluderns ist das Beregnungsprojekt Schludernser Ebene in Kombination mit dem E-Werk der Gemeinde. Das Besondere daran ist, dass durch dieses Vorhaben gleichzeitig das Biotop Schludernser Au aufgewertet wird, indem die Au mit mehr Wasser versorgt werden könnte.