Produktion | 06.08.2020

Grünlandwirtschaft – aktuelle Bilanz

Auf die Trockenperiode im Frühjahr folgten unbeständige Witterungsbedingungen im Sommer. Dennoch sind die Bäuerinnen und Bauern recht zufrieden mit den bisherigen Schnitten – nur im Süden ­Südtirols haben sie noch zu kämpfen. von Anna Pfeifer

Die Grünlandwirte sind im Großen und Ganzen zufrieden mit dem bisherigen Futterjahr, wenn auch das unbeständige Wetter die Ernte erschwert hat.

Die Grünlandwirte sind im Großen und Ganzen zufrieden mit dem bisherigen Futterjahr, wenn auch das unbeständige Wetter die Ernte erschwert hat.

Die aktuelle Situation zur Heuernte ist recht unterschiedlich im Land: Während mancherorts schon der dritte Schnitt eingebracht wird, gibt es noch einige Landwirte, die den ersten Schnitt erst vor Kurzem abschließen konnten. Dennoch ist die allgemeine Stimmung positiv. 

Der erste Schnitt ist im ganzen Land mengenmäßig etwas geringer ausgefallen als in anderen Jahren. Dies ist auf die Trockenperio­de im Frühjahr zurückzuführen. Im Bezirk Bozen und Unterland gab es teilweise erhebliche Probleme beim Einbringen des ersten Schnittes. Aufgrund des unbeständigen Wetters waren einzelne Landwirte Ende Juli immer noch mit dem ersten Schnitt beschäftigt.
Insbesondere Landwirte, die silofrei produzieren, litten unter den Witterungsbedingungen im Juni und Juli, da sie tendenziell später mit der Ernte beginnen. Im restlichen Land gab es laut Aussagen der Bauernvertreter genügend Schönwetterfenster, um die Heuernte rechtzeitig einzubringen. Dort, wo das Heu zeitig eingebacht werden konnte, sprechen die Landwirte von einer guten bis sehr guten Qualität. 

Situation in Bezirken unterschiedlich

Im Bezirk Unterland war die Qualität des ersten Schnittes in diesem Jahr sehr unterschiedlich. Markus Franzelin, Bezirksobmannstellvertreter im Unterland, erklärt: „Jene Bauern, die vor dem 25. Mai gemäht haben, hatten Glück. Die Menge war aufgrund der Trockenheit um Ostern zwar etwas geringer – teilweise fehlte bis zu einem Drittel – aber immerhin konnten diese Bauern alles trocken einbringen. Alle, die erst später mit der Ernte beginnen konnten, wurden vom unbeständigen Wetter eingebremst. Das Heu war dann überreif, um nicht zu sagen alt. Betroffen waren besonders Heumilchproduzenten.“
So kommt es auch, dass in sehr schattigen Wiesen Ende Juli der erste Schnitt noch ausstand. In tieferen Lagen sei teilweise der zweite Schnitt schon eingebracht worden. „Der zweite Schnitt war mengenmäßig gut, und auch mit der Qualität sind wir zufrieden. Der viele Regen lässt auch in höheren Lagen auf angemessene Futtermenge hoffen. Nur muss dann bei der Ernte auch das Wetter mitspielen“, sagt Franzelin.

Ähnlich ist die Situation im Bezirk Bozen. Aufgrund der eher kühlen Monate Mai und Juni sei die Menge beim ersten Schnitt etwas geringer, aber immer noch im grünen Bereich. Bauernbund-Bezirksobmann Oswald Karbon erläutert die Situation: „Bei uns waren die tieferen Lagen – also zwischen 800 und 1100 Metern Meereshöhe – etwas im Nachteil. Denn jene Bauern, die nicht frühzeitig gemäht haben, wurde dann von der Schlechtwetterperiode Anfang Juni überrascht. Sie konnten nur noch das überreife Heu einbringen.“ Positiv hingegen blickt Karbon auf den zweiten Schnitt. Der regelmäßige Regen wirke sich gut auf den Aufwuchs aus, und auch die Mengen dürften stimmen. 

Burggräfler und Vinschger zufrieden

Raimund Prugger, Bauernbund-Obmann im Bezirk Vinschgau, zieht eine im Großen und Ganzen positive Bilanz. Zwar sei das Frühjahr zu Beginn etwas trocken gewesen, aber das Wetter bei der Ernte stabil. Er erklärt: „Die Menge des ersten Schnitts ist nicht ganz zufriedenstellend, dafür ist aber die Qualität sehr gut. 

In tieferen Lagen wurde auch schon der zweite Schnitt eingebracht – dabei stimmen sowohl Menge als auch Qualität. In den höheren Lagen ist zu hoffen, dass sich das Wetter beim zweiten Schnitt stabilisiert.“ 

Auch Alberich Hofer, Bergbauernvertreter im Landesbauernrat, schildert eine ähnliche Situation im Burggrafenamt: „Der Frühling war etwas trocken, weshalb der erste Schnitt in tieferen Lagen mengenmäßig nicht ganz den Erwartungen der Bäuerinnen und Bauern entsprach. Dafür war die Qualität aber sehr gut. Bei der Ernte in etwas höheren Lagen gab es immer wieder Schönwetterperioden, die die Landwirte zum Mähen nutzen konnten.“

Auf den Bergmähdern werde der erste Schnitt gerade eingebracht, berichtet Hofer. Die Qualität sei gut, aber an Menge fehle es. Hofer ergänzt: „In tieferen Lagen ist schon mit dem zweiten und dritten Schnitt begonnen worden. Hier die Bilanz: Qualität und Menge passen."

Eisacktal: genügend Zeitfenster für Ernte

Daniel Gasser, Bauernbund-Bezirksobmann im Eisacktal, berichtet über ein relativ gutes Grünlandjahr. Die Qualität der Schnitte sei sehr gut gewesen, wenn auch der erste Schnitt mengenmäßig aufgrund der Trockenheit im Frühjahr etwas mager ausgefallen sei.

Gasser ergänzt: „Beim zweiten Schnitt sind wir sowohl mit Menge als auch Qualität zufrieden. Der Regen hat das Wachstum gefördert, und es gab ausreichend Zeitfenster zum Ernten.“ Bis 1100 Meter Meereshöhe sei der zweite Schnitt schon fertig und manche Landwirte hätten schon mit dem dritten Schnitt begonnen. Gasser sagt: „Bisher sieht es gut aus.“

Anton Tschurtschenthaler, Bauernbund-Bezirksobmann im Pustertal, spricht ebenfalls von einem grundsätzlich guten Jahr für die Grünlandwirtschaft. Menge und Qualität hätten bisher gepasst, nur die Wetterkapriolen hätten es den Bäuerinnen und Bauern nicht ganz einfach gemacht. „Die Zeitfenster mit gutem Wetter waren kurz, was das Einbringen der Ernte erschwert hat. Viele haben im Vergleich zu anderen Jahren wesentlich länger gebraucht, um das Heu einzubringen. Auch hat sich der viele Regen auf die Qualität des Futters eher negativ ausgewirkt, aber es ist noch in Ordnung“, sagt Bezirksobmann Tschurtschenthaler. Im Brunecker Raum sei der zweite Schnitt schon eingebracht worden, im Oberpustertal müssten sich die Landwirte noch etwas gedulden, wenn auch der optimale Erntezeitpunkt schon vor rund einer Woche gewesen sei. 

Tschurtschenthaler sagt: „Im Großen und Ganzen sind wir bisher zufrieden. Dennoch muss man bedenken, dass die Rechnung erst am Ende des Jahres gemacht werden kann.“