Arbeitssicherheit, Südtiroler Landwirt | 06.08.2020

Lösung für aktive Betriebsquarantäne

In diesen Tagen beginnt die Erntezeit für die Obstbauern im Land. Zur mühevollen Arbeit kommen in diesem Jahr noch Hygiene- und Schutzmaßnahmen für Arbeiter aus bestimmten Ländern, um die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie bestmöglich einzudämmen. 

Wer Erntehelfer aus Rumänien, Bulgarien und anderen Ländern beschäftigt, muss wegen der Covid-19-Pandemie einige Regeln beachten.

Wer Erntehelfer aus Rumänien, Bulgarien und anderen Ländern beschäftigt, muss wegen der Covid-19-Pandemie einige Regeln beachten.

Weil abzusehen war, dass die Einreise Tausender Erntehelfer aus Mittel- und Osteuropa nach Südtirol sich in diesem Jahr aufgrund der Covid-19-Pandemie schwierig gestalten würde, hat der Südtiroler Bauernbund frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um bestmöglich auf die Situation vorbereitet zu sein. Ein erster Schritt war die Schaffung einer eigenen Plattform zur Online-Jobvermittlung unter der Adresse www.agrijobs.it – seit Mitte April können Bauern aus Südtirol hier schnell und unkompliziert Stellenangebote für Mitarbeiter aufgeben, die dringend am Hof benötigt werden. Einsteigen können die Bauern über das Online-Portal „mein SBB“. Mehrere Hundert Arbeiterinnen und Arbeiter konnten in der Zwischenzeit vermittelt werden, die meisten Stellenangebote sind nur für wenige Stunden online, weil in der Regel sehr rasch die passenden Arbeiter gefunden werden. Seit Mitte Juli ist die Plattform „AgriJobs“ nicht nur in deutscher und italienischer Sprache online, sondern steht auch auf Russisch, Englisch und Rumänisch zur Verfügung. 

Neben den sonstigen Unfallgefahren, die während der Ernte auftreten können, gilt es heuer auch, die Gefahr der Ansteckung und Verbreitung des neuartigen Corona-Virus (Sars-CoV-2) zu beachten. 

Für die landwirtschaftlichen Arbeitgeber ist es besonders während der Erntezeit wichtig, auf die strengen Hygienemaßnahmen zu achten, um dieses Risiko so gut wie nur möglich einzudämmen. Denn ein positiver Fall eines Arbeitnehmers mitten in der Ernte kann für den Betrieb einen Totalausfall zur Folge haben – zusätzlich natürlich zu den gesundheitlichen Risiken, denen man ausgesetzt ist. Auch dieser Herausforderung war sich der Südtiroler Bauernbund bereits frühzeitig bewusst und hat das Gespräch mit den zuständigen Stellen beim Südtiroler Sanitätsbetrieb gesucht (siehe dazu auch S. 27 in der Print-Ausgabe des "Südtiroler Landwirt").

Wichtige Links im Überblick

Aktive Quarantäne für Rumänen und Bulgaren

Schon bei der Einreise der Arbeitnehmer gilt es, einige Punkte zu beachten. Mit einer Verordnung des Gesundheitsministers wurde ab dem 24. Juli 2020 die Pflicht zur 14-tägigen häuslichen Isolation (Quarantäne) für Personen, welche aus Rumänien oder Bulgarien einreisen, eingeführt. Die Verordnung ist seit 24. Juli in Kraft und wurde mittlerweile verlängert. 

Betroffen sind Personen, die sich in den letzten 14 Tagen vor Einreise in Rumänien oder Bulgarien aufgehalten haben. Es zählt somit nicht die Staatsbürgerschaft, sondern der Aufenthaltsort. Rumänische oder bulgarische Arbeiter, die vor dem 24. Juli in Italien waren, sind von der Regelung nicht betroffen.  

Der Ablauf von der Einreise zur Quarantäne gestaltet sich folgendermaßen: Die Arbeiter können von der italienischen Grenze bis zum Betrieb fahren, auf dem sie untergebracht sind. Im Falle einer Kontrolle müssen sie klar die Auskunft geben können, dass sie eine Unterkunft haben, in der sie die vorgesehenen 14 Tage verbringen. 

Am Betrieb angekommen, müssen sich die Arbeiter beim Departement für Gesundheit und Prävention melden. Dies geschieht über ein Online-Formular, das unter https://siag.limequery.org/483785 abrufbar ist. Als Grund der Einreise in Italien ist „landwirtschaftlicher Arbeitnehmer“ bzw. „lavoratore agricolo“ einzugeben. Dies ist sehr wichtig, damit die Umwandlung in aktive Betriebsquarantäne funktioniert. Personen in häuslicher Isolation (Quarantäne) dürfen nicht arbeiten. 

Umwandlung in aktive Betriebsquarantäne

Will man diese Quarantäne in aktive Betriebsquarantäne umwandeln, gibt es dafür zwei Möglichkeiten. Die Umwandlung erfolgt grundsätzlich nur mit einem negativen Testergebnis. 

Möglichkeit eins: Der Arbeiter aus Rumänien oder Bulgarien bringt ein negatives PCR-Testergebnis aus seinem Land mit. Dieses darf nicht älter als vier Tage sein. Zugelassen sind nur zertifizierte Stellen laut veröffentlichten Listen. In diesem Falle unterschreibt der Arbeiter bei Ankunft eine Eigenerklärung (Vorlage auf www.sbb.it, sobald verfügbar) und kann ab diesem Moment in aktiver Betriebsquarantäne arbeiten. 

Möglichkeit zwei: Der Bauer meldet den Arbeiter über die E-Mail-Adresse coronatest@sbb.it für den ersten Test in Südtirol an. Er bekommt daraufhin einen Termin für den Test zugewiesen – und bei diesem dann den Code, um das Testergebnis auf der Webseite des Sanitätsbetriebes abrufen zu können. Sobald das Ergebnis vorliegt – was nach ca. zwei Tagen der Fall sein wird – und falls dieses negativ ausfällt, kann dieser Arbeiter in aktiver Betriebsquarantäne arbeiten. 

Dies bedeutet: Wer aus Rumänien oder Bulgarien mit negativem Testergebnis einreist, kann sofort mit der Arbeit beginnen. Das ist sicher die beste Variante. Wer ohne negatives Testergebnis einreist, muss sofort zum Test angemeldet werden und kann arbeiten, sobald er ein negatives Ergebnis in der Hand hat. 

Bei der „aktiven“ Quarantäne muss das Protokoll des Sanitätsbetriebes strikt eingehalten werden.

Der Sanitätsbetrieb plant für diese Arbeiter und für die anderen „Risikogruppen“ insgesamt drei Tests ein. Wer mit negativem Test­ergebnis anreist, spart sich den ersten Test in Südtirol.
Ebenso sind Tests für Arbeiter aus anderen Herkunftsländern vorgesehen. Für diese Arbeiter wird ein Test angeboten, der zeitnah nach deren Einreise durchgeführt werden sollte. Dies wird im Interesse des Betriebes empfohlen. 

Weiterhin aufrecht ist zudem das Einreiseverbot aus 16 Nicht-EU-Staaten, darunter Nordmazedonien (Exmazedonien), Serbien, Bosnien-Herzegowina, Moldawien, Monte­negro und Kosovo. 

Arbeiter in Gemeinschaften einteilen

Die Arbeiter, welche im Betrieb arbeiten, müssen während der Quarantäne in Gemeinschaften – sogenannte Nuklei – eingeteilt werden. Diese müssen dann für die gesamte Dauer der Quarantäne und möglichst während der gesamten Ernte zusammenbleiben. Diese Gemeinschaften können sich auf der Fahrt zum Betrieb oder in der Unterkunft bilden. In den Unterkünften muss gewährleistet sein, dass diese Gemeinschaften voneinander getrennt werden. 

Wichtig ist es, enge Kontakte zwischen den Gemeinschaften zu vermeiden – auch bei allen Freizeitaktivitäten (Einkauf in Supermärkten usw.), beim Transport zu den Wiesen, zum Arbeitsort und an den Arbeitsplätzen. Diese Einteilung in Arbeitsgruppen ist bis zum Ende der Ernte beizubehalten. Wenn es in einer Gemeinschaft dazu kommt, dass eine Person positiv getestet wird, kommt die ganze Gruppe in Quarantäne. Es ist deshalb wichtig, die Gruppen von anderen Gruppen zu trennen, damit eine andere nach wie vor arbeiten kann.

Dies gilt auch für den Betriebsinhaber und seine Familienmitglieder. Diese sollten auf jeden Fall vermeiden, engen Kontakt zu den Gemeinschaften der Arbeiter zu haben. Wichtig: Die Hygiene- und Schutzmaßnahmen müssen auch hier immer eingehalten werden!

Die Hygiene- und Schutzmaßnahmen (Abstandsregeln, Schutzmasken, usw.) müssen auch bei den Tests vor Ort eingehalten werden. Sollte der Bauer seine Arbeitnehmer zum Test fahren, muss er eine FFP2-Maske tragen. 

Eine Liste von Anbieter von FFP2-Masken ist auf der Bauernbund-Webseite unter https://bit.ly/covid-testreihe online. Auch in den Bauernbund-Bezirksbüros steht eine begrenzte Anzahl von FFP2-Masken zur Verfügung.Fahren nur die Arbeitnehmer zum Test, müssen sie zumindest eine chirurgische Maske tragen.

Gemeinsame Bereiche im Betrieb

Für die gemeinsamen Bereiche, in denen die einzelnen Arbeitsgruppen untergebracht sind, gelten folgende Regeln:

Der Zugang zu den gemeinsamen Bereichen wird eingeschränkt. Vorgesehen sind eine kontinuierliche Lüftung der Räume, ein zeitlich befristeter Aufenthalt in diesen Räumen und die Einhaltung des geltenden Sicherheitsabstandes zwischen den Personen.

Die Räumlichkeiten müssen so organisiert und die Umkleideräume hygienisch so gereinigt werden, dass die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen genügend Platz für die Aufbewahrung der Arbeitskleidung haben und ihnen angemessene hygienische sanitäre Bedingungen zur Verfügung stehen. 

In einem Mehrbettzimmer sollten nur Arbeitnehmer der gleichen Gruppe untergebracht werden. Die geltenden Sicherheitsabstände müssen eingehalten werden können, es muss eine regelmäßige Durchlüftung der Unterkünfte gewährleistet werden.

Die Unterkünfte und Sanitärräume sollten täglich gereinigt werden. Dabei müssen insbesondere Türgriffe, Wasserhähne, Toi­letten, Toilettenbürstengriffe, Lichtschalter und alle Gegenstände, die gemeinsam genutzt und angefasst werden, gereinigt bzw. desinfiziert werden. Es ist sicherzustellen, dass in Sanitär- und Küchenbereichen stets ausreichend
Seife und Einmalhandtücher zur Verfügung stehen. Es sollten auch ausreichend Desin­fektionsmittel zur Verfügung stehen.

Werden Bereiche in den Unterkünften von mehreren Gruppen gemeinsam genutzt (z. B.  Sanitärräume oder Küchen), so soll durch organisatorische Maßnahmen geregelt werden, dass Kontakte der einzelnen Beschäftigtengruppen untereinander unterbleiben. Eine mögliche Lösung wäre etwa, dass die einzelnen Gruppen zu im Voraus festgelegten unterschiedlichen Zeiten die jeweiligen Bereiche nutzen. Ansonsten müssen die Sicherheitsabstände eingehalten werden. Die Mindeststandards für Räumlichkeiten zur zeitweiligen Unterkunft von landwirtschaftlichen Saisonarbeitern und Saisonarbeiterinnen sind zu beachten. Weitere Details zur aktiven Betriebsquarantäne hat der Sanitätsbetrieb in einem eigenen Protokoll zusammengefasst, das unter https://bit.ly/protokoll-sabes einsehbar ist. 

Regelmäßige Reinigung gewährleisten

Der Betrieb gewährleistet die tägliche ­Reinigung und die periodische hygienische Sanierung der Räumlichkeiten, der Arbeitsstätten, der Arbeitsplätze und der gemeinschaftlichen Zonen. Bei Anwesenheit einer mit Covid-19 infizierten Person in den Betriebsräumlichkeiten werden diese gemäß den Bestimmungen des Gesundheitsministeriums (Rundschreiben Nr. 5443 vom 22. Februar 2020) gereinigt, desinfiziert und gelüftet. Zudem sind die Reinigung und die hygienische Sanierung gemeinsam genutzter Arbeitsmittel mit angemessenen Reinigungsmitteln zu gewährleisten.

Information an die Arbeitnehmer

Die Arbeitnehmer müssen u. a. auch über die Gefahren bzgl. des Corona-Virus und über die hygienischen und sanitären Maßnahmen informiert werden. Dazu steht den Bauernbund-Mitgliedern online unter www.sbb.it/service/arbeitssicherheit/coronavirus ein Informationsblatt in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Außerdem können sie dort ein Poster mit der Anleitung zum richtigen Händewaschen und eine Anleitung zur korrekten Verwendung von chirurgischen Masken herunterladen. 

Diese Informationen können in der Risikobewertung des Südtiroler Bauernbundes (Abschnitt 10.8 Bestätigung der Arbeitnehmer – Anweisungen und Ausbildung) unter dem Abschnitt „Andere Hilfsmittel für die Anweisungen und Ausbildung“ festgehalten werden. Für Arbeitnehmer, die nicht mehr als 50 Tagschichten pro Jahr und Betrieb absolvieren, kann dies in der Ausbildungsbroschüre im Ausbildungsnachweis angemerkt werden.

Persönliche Vorsichtsmaßnahmen

Alle im Betrieb anwesenden Personen müssen alle hygienischen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, insbesondere jene für die Hände. Der Betrieb stellt auch angemessene Reinigungsmittel für die Hände zur Verfügung. Häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife und/oder mit Wasser-Alkohol-Lösungen ist sehr wichtig, um einer Verbreitung des Corona-Virus vorzubeugen.

Persönliche Schutzausrüstung

Sollte es aufgrund der Tätigkeiten erforderlich sein, in Abständen von weniger als einem Meter zu arbeiten und keine anderen organisatorischen Lösungen möglich sein, ist auf jeden Fall die Verwendung einer chirurgischen Maske und weiterer persönlicher Schutzausrüstungen (laut betrieblicher Risikobewertung, hängt von den ausgeübten Tätigkeiten ab) notwendig. 

Das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung ist von grundlegender Bedeutung, um die Ansteckungskette mit dem Corona-Virus einzudämmen.

Zusatzbewertung Corona-Virus 

Die Vorlage für die spezifische Risikobewertung in Bezug auf die Gefahr der Ansteckung und Verbreitung des Corona-Virus steht für Bauernbund-Mitglieder ebenfalls online unter www.sbb.it/service/arbeitssicherheit/coronavirus zur Verfügung. 

Dieses Dokument muss an die betriebliche Situation angepasst und der Risikobewertung beigelegt werden.

Wenn eine Person im Betrieb Symptome aufweist

Sollten bei einer im Betrieb anwesenden Person Fieber und Symptome einer Atemwegsinfektion wie Husten auftreten, so hat sie dies umgehend dem Arbeitgeber zu melden; die betroffene Person und die anderen anwesenden Personen werden gemäß den Vorschriften der Gesundheitsbehörde  isoliert, und der Betrieb verständigt umgehend die zuständigen Behörden sowie die Notrufnummern, welche die Region oder das Gesundheitsministerium vorgesehen haben. Der Betrieb muss im Ernstfall den Behörden helfen, eventuelle „enge Kontakte“ einer im Betrieb anwesenden Person, die beim Abstrich auf Covid-19 positiv getestet wurde, festzu­legen. 

Das soll es den Behörden ermöglichen, die erforderlichen und angemessenen Quarantänemaßnahmen anzuwenden. Während der Ermittlung kann der Betrieb von potenziellen engen Kontakten fordern, die Betriebsstätte vorsichtshalber zu verlassen, je nach Anweisung der Behörde. Der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin muss zum Zeitpunkt der Isolierung sofort mit chirurgischem Mundschutz ausgestattet werden, falls er/sie noch nicht darüber verfügt.