Bauernbund | 02.09.2020

Vorbilder für die Landwirtschaft

Der Raiffeisen-Jungbergbauernpreis wird jährlich an eine junge Bergbauernfamilie in Südtirol verliehen, die ­ihren Hof vorbildlich bewirtschaftet. Dieses Jahr geht er an Fabian Egger und seine Familie vom Mesnerhof in Laurein.

Die Träger des Raiffeisen-Jungbergbauernpreises: Fabian Egger und Daniela Kuen mit ihren Kindern Jonas und Nathalie vom Mesnerhof in Laurein.

Die Träger des Raiffeisen-Jungbergbauernpreises: Fabian Egger und Daniela Kuen mit ihren Kindern Jonas und Nathalie vom Mesnerhof in Laurein.

Nicht die Bedürftigkeit einer Familie, sondern der Einsatz für die Landwirtschaft ist ausschlaggebend für die Verleihung des Raiffeisen-Jungbergbauernpreises. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an Familie Egger vom Mesnerhof in Laurein. Der Preis wird vom Raiffeisenverband bereitgestellt und ist heuer zum ersten Mal auf 10.000 Euro dotiert – bisher waren es 8000 Euro. Verliehen wurde die Auszeichnung im Rahmen der Mitgliederversammlung der Südtiroler Bauernjugend.

Fabian Egger und Daniela Kuen bewirtschaften zusammen den Mesnerhof. Der Betrieb liegt in Laurein auf 1000 Meter Meereshöhe, circa 1,5 Kilometer vom Ortskern entfernt. Die 101 Erschwernispunkte zeugen davon, wie hart die Arbeit ist. 

Zum Hof gehören acht Hektar Wiesen, 400 Quadratmeter Acker, 27 Hektar Wald und ein halber Hektar Weide. 13 Kühe und sechs Kälber der Rasse Fleckvieh genießen aktuell ihr Leben auf dem Hof. Eine große Erleichterung stellt die neu eingebaute Absauganlage im Stall dar. Außerdem besitzt die junge Familie verschiedene Kleintiere wie mehrere Ziegen, Schweine, Hühner, Hasen, Katzen und einen Hund.

Tourismus als Nebenerwerb

Mit neuen Ideen setzen Egger und seine Familie alles daran, dem Mesnerhof eine Zukunft zu geben. Im Wohnhaus wurden drei Ferienwohnungen gebaut, um den Tourismus als Nebenerwerb zu nutzen. 

Fruchtaufstriche, Säfte, Butter und Eier werden den Hausgästen direkt ab Hof angeboten. Um auch das Grünland aufzuwerten, hat Egger zwei Wiesenwege planiert und einen Teil der Wiesen mit einer Bewässerungsanlage ausgestattet. Trotz der vielen Arbeit am Hof muss Egger auswärts als Maurer arbeiten.

Zwei Betriebe zusammengeschlossen

2009, mit gerade mal 19 Jahren, übernimmt Egger zuerst den einen, dann den anderen Hof seiner Onkel. Er schließt die beiden Höfe zu einem Betrieb zusammen. 

Eigentlich ist er gelernter Maurergeselle. Im Anschluss an diese erste Ausbildung beginnt Egger eine landwirtschaftliche Schule. Diese bricht er jedoch ab, um den beiden Onkeln bei der Arbeit auf den Höfen unter die Arme zu greifen. 

Inzwischen ist Egger 30 Jahre alt, genauso wie seine Frau Daniela Kuen. Die beiden sind seit 2012 ein Paar. 2017 haben sie sich dazu entschieden, ihren Lebensweg auch weiterhin gemeinsam zu gestalten, und haben geheiratet. Im selben Jahr konnte das Paar auch in das neu erbaute Wohnhaus einziehen. Ein Jahr später erblickt Söhnchen Jonas das Licht der Welt. Und seit letztem Sommer zählt auch seine kleine Schwester Nathalie zur Bergbauernfamilie. 

Daniela Kuen besuchte nach der Grund- und Mittelschule die Oberschule „Lewit“ in Meran, welche sie erfolgreich abschloss. Anschließend arbeitete sie in einer Arztpraxis in Meran, bis sie auf den Hof kam. Heute kümmert sie sich neben den Kindern besonders um die Gäste des Mesnerhofs – eine Aufgabe, die ihr Spaß macht.

Ehrenamt spielt für beide wichtige Rolle 

Egger und Kuen engagieren sich beide ehrenamtlich im Dorf. Fabian Egger ist Mitglied bei der Südtiroler Bauernjungend und zudem im Bauernbund-Ortsauschuss tätig. Daniela bringt sich bei den Südtiroler Bäuerinnen aktiv ins Dorfleben ein. 

Fabian ist auch Schätzer des Viehversiche­r­ungsvereins, Ausschussmitglied im Bodenverbesserungskonsortium sowie der ehemalige Obmannstellvertreter der Sennerei Rumo. 

Gemeinsam schwierigen Bedingungen trotzen 

„Egger und seine Familie stehen für Mut, Fleiß und Sauberkeit“, erklärt Petra Unterholzner, die Bezirksleiterin des Bezirks Meran, bei der Laudatio. „Sie sind ein leuchtendes Beispiel für viele junge bäuerliche Familien, die tagtäglich der Landwirtschaft eine Zukunft geben.“

Es ist beeindruckend, unter welch schwierigen Bedingungen und doch mit wieviel Freude und Zuversicht junge Menschen ihren Hof bewirtschaften. Familie Egger soll ein Vorbild sein und eine Möglichkeit aufzeigen, wie Bergbauernhöfe zukunftsorientiert und wirtschaftlich attraktiv bewirtschaftet werden können. Die Verleihung des Raiffeisen-­Jungbergbauernpreises ist Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für viele junge Bergbauernfamilien in Südtirol – denn sie halten das Berggebiet und somit das Land Südtirol lebendig.