Sozialberatung | 04.09.2020

Sind Schmerzen „gewöhnlich“?

Das Bauernbund-Patronat ENAPA hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Berufskrankheiten in der ­Landwirtschaft aufzuklären. Eine häufig gestellte Frage in diesem Zusammenhang: Ist eine Berufskrankheit eine gewöhnliche ­Krankheit?

Auch die Vibrationen beim Mähen können der Wirbelsäule langfristig schaden.

Auch die Vibrationen beim Mähen können der Wirbelsäule langfristig schaden.

Das nationale Unfallversicherungsinstitut INAIL lehnt manchmal Arbeitsunfälle mit der Begründung „malattia commune“ (gewöhnliche Krankheit) ab. Dies bedeutet jedoch nicht in allen Fällen eine administrative Sackgasse. Wer die Symptome zu deuten vermag, sieht dahinter eine nicht gemeldete Berufskrankheit. Hier gilt es, das Arbeitsleben des Betroffenen genau zu rekonstruieren und zu betrachten. Arthrose – also ein Gelenkverschleiß, der das altersübliche Maß übersteigt – ist nicht gleich Arthrose, denn Abnützungserscheinungen verweisen teilweise auf degenerative, also altersbedingte Veränderungen und nicht auf eine Berufskrankheit. 

Dazu ein Beispiel: Ein 60-jähriger Landwirt, welcher sein gesamtes Leben sein Feld bewirtschaftet hat, weist starke, altersbedingte Abnützungserscheinungen seiner Schulter auf. Ein 40-jähriger Jungbauer, der das gleiche Maß an Arthrose aufweist, ist vermutlich an einer Berufskrankheit erkrankt. Eine vollständige diagnostische Abklärung ist unabdingbar. 

Ein typisches Körperteil in der Landwirtschaft, welches Indiz auf eine Berufskrankheit gibt, ist die Wirbelsäule, welche durch häufige, wiederholte, falsch ausgeführte Bewegungen belastet wird. Die in der Tabelle angeführten Krankheitsbilder sind charakteristisch für die Wirbelsäule, wobei die Arbeitsbelastung in Kurven, Abhängen, Steillagen usw. und je nach Bearbeitungsart (allein oder unter Mithilfe) und Alter der Maschinen zunimmt. Bestimmte Berufskrankheiten sind allgemein und greifen in verschiedenen Berufssparten, während einige spezifisch zuordenbar sind. 

Hausarzt füllt Formblatt für die Berufskrankheit aus

Für das Ansuchen um Berufskrankheit wird das Formblatt 5 SS-bis benötigt, dies wird vom Hausarzt auf Anfrage ausgefüllt. Das Patronat ENAPA ist beim Ansuchen behilflich. Im Gesuch werden die genauen Arbeitstätigkeiten, deren Dauer sowie der evtl. Einsatz diverser Maschinen genau beschrieben.

Wichtig zu wissen ist dabei: Wenn ein Selbstständiger in der Landwirtschaft oder ein bauernversichertes Familienmitglied eine Berufskrankheit meldet, drohen dem Betrieb keine Strafen oder Erhöhung der INAIL-­Prämie. Viele Berufskrankheiten sind vermeidbar, wenn die Arbeitssicherheitsbestimmungen eingehalten werden und auf maschinelle Bearbeitung mit neuen Maschinen zurückgegriffen wird. Dies ist allerdings nicht immer möglich.

Die neu gestaltete Broschüre „Arbeitsunfall und Berufskrankheit“ des Bauernbund-Patronats ENAPA bietet einen schnellen Überblick zum Thema und ist unter www.sbb.it/patronat/unfall-und-krankheit abrufbar. Die Mitarbeiter stehen für die kostenlose Beratung zur Verfügung.