Innovation, Produktion | 15.10.2020

Geflügelschlachtung in Mals

Seit Juli können Geflügelhalter im Vinschgau ihre Tiere in Mals schlachten lassen. Auf die entsprechende ­EU-Zulassung haben der Gemeindereferent von Mals, der Bauernbund-Bezirksobmann, der Pächter und der tierärztliche Dienst zweieinhalb Jahre hingearbeitet. von Marianne Kuntz

Der Schlachthof in Mals hat nun die EU-Zulassung und bietet – je nach Bedarf – Geflügelschlachtung an. Foto: Martina Waldner

Der Schlachthof in Mals hat nun die EU-Zulassung und bietet – je nach Bedarf – Geflügelschlachtung an. Foto: Martina Waldner

Die Schlachtung im Geflügelbereich ist durch die Salmonellengefahr eine besondere Herausforderung. Das Management der Geflügelschlachtung ist immer komplex, Ende 2017 gab es nur einen EU-zugelassenen Schlachthof für Geflügel in Südtirol: in Brixen. Für die Vinschger Geflügelhalter war die Transportzeit mit bis zu zwei Stunden sehr lang. Dadurch entstand die Idee zur Geflügelschlachtung in Mals. Die Idee kam aus dem oberen Vinschgau. 

Ziel war es, den Nebenerwerb durch die Geflügelhaltung zu unterstützen. Günther Wallnöfer als Gemeindereferent in Mals und Bauernbund-Bezirksobmann Raimund Prugger ergriffen im Jänner 2018 die Initiative und wandten sich an die Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie, welche durch das Projekt zu Mastgeflügel „INNOGeflügel“ die passende Unterstützung bieten konnte.

Wie wurde die Idee zur Realität?

Um den Bedarf zur Geflügelschlachtung in Südtirol zu erfassen, hat die Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie eine Umfrage unter Geflügelinteressierten in Südtirol durchgeführt. Diese Umfrage hat den Vinschgern bestätigt, dass sich das Engagement lohnen würde. Zu einer Informationsveranstaltung des Projekts INNOGeflügel erschienen in Mals daraufhin mehr als 30 Landwirtinnen und Landwirte. Dieser große Zuspruch bot eine gute Basis für Gespräche in der Gemeinde. Natürlich musste dann einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden, und das ziemlich neue Thema bedeutete für alle Beteiligten dazuzulernen. 

Hygiene als Herausforderung

Indem die Salmonellengefahr bei Geflügel immer besteht, war von Anfang an klar, dass Hygiene und Lebensmittelsicherheit oberste Priorität haben müssen. Dafür war der Malser Amtstierarzt Maurizio Giusti über die letzten zweieinhalb Jahre im Einsatz. 

Rot- und Weißfleisch trennen

So stand zunächst ein Neubau zur Debatte, um eine räumliche Trennung zwischen Rot- und Weißfleisch garantieren zu können. Die INNOGeflügel-Projektpartner und österreichischen Geflügelberater Anton Koller und Martin Mayringer rieten aber von einem Neubau ab. Es sei nicht ratsam, von Beginn an ein eigenes Schlachthaus zu errichten, denn mit einigen wenigen mobilen Maschinen sei eine Nutzung schnell und kostengünstig im bestehenden Gebäude zu bewerkstelligen. 

Nach dem Vorbild des Eisacktaler Schlachthofs wurde eine zeitliche Trennung der provisorische Kompromiss. Das bedeutet, dass die Geflügelschlachtung an einem separaten Tag stattfindet und nach Anmeldung geplant wird. Die Geräte werden in den Schlachtraum gerollt, vorher und nachher wird gründlich gereinigt und desinfiziert. Am nächsten Tag können wieder andere Tierarten sicher geschlachtet werden. Mittlerweile sind alle überzeugt – Geflügelschlachtung ist eine saubere Sache!

Kosten durften nicht explodieren

Die Finanzierung wurde immer wieder diskutiert und hat den Gemeindereferenten Günther Wallnöfer auf Trab gehalten. Die Geräte wie Brühkessel und Rupfmaschine wurden schließlich angekauft, aber die Anschaffung einer Kühlzelle stellte sich als deutlich teurer heraus als erwartet. Auch dafür konnte gemeinsam mit der Metzgerei Mair, die den Schlachthof Mals derzeit führt, eine Lösung gefunden werden: Bis zum geplanten Umbau im Jahr 2022 kann ein mobiles Kühlfahrzeug genutzt werden, um die Kühlung für das frisch geschlachtete Geflügel zu garantieren. 

Zusammenarbeit ist der Schlüssel

Ausdauer und gute Kooperation waren nötig. Bauernbund-Bezirksobmann Raimund Prugger gab allen Beteiligten hin und wieder einen Anstoß, an dem Thema dranzubleiben. Jetzt sind er und der Gemeindereferent als Initiatoren allen dankbar, die zur Umsetzung des Projekts beigetragen haben. Vonseiten der Amtstierärzte, der pachtenden Metzgerei und der Gemeinde wurde sehr lösungsorientiert zusammengearbeitet. Auch die Unterstützung durch die Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie und das Projekt INNOGeflügel schätzen sie sehr. Alle Engagierten konnten sich hinter den zwei Zielen des Projektes vereinen: Tiertransporte zu verkürzen und so das Tierwohl zu steigern und natürlich auch die lokale Kreislaufwirtschaft zu fördern.

„Viech wegschmeißen tut man als Bauer nicht!“

Profitieren tun jetzt die sich etablierenden Mastgeflügelbetriebe, aber auch die Legehennenbetriebe. Üblicherweise werden die alten Legehennen, deren Legeleistung zurückgeht, entsorgt. Für Vinschger Betriebe wie die Bioeier-Genossenschaft Tschenglsberg und die neu gegründete „Obervinschger Wanderhenne“ passt das absolut nicht zur Betriebsphilosophie. Deshalb sind sie begeistert von der neuen Möglichkeit, ihre alten Legehennen lokal schlachten zu lassen. Diese werden dann als Suppenhühner vermarktet. 

Die ersten zwei Geflügelschlachttage sind im Schlachthof Mals bereits reibungslos über die Bühne gegangen. Jetzt wird geschaut, wie sich die Nachfrage nach der Schlachtung entwickelt. Ab 2022 soll ein Umbau im Schlachthof folgen, um die Geflügelschlachtung endgültig räumlich getrennt, sprich in einem separaten Bereich, durchzuführen. Aber ein Anfang ist nun gemacht, Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter haben gute Aussichten in Südtirol.

Voraussetzungen zur Schlachtung 

Wer im Malser Schlachthof Hühner oder Truthühner schlachten lassen möchte, sollte zunächst einen Termin mit dem Metzger vereinbaren und mindestens zehn Tage vorher den Amtstierarzt Maurizio Giusti informieren. Sind die Voraussetzungen der Registrierung des Betriebs in der nationalen Geflügeldatenbank gegeben und die nicht älter als drei Wochen alten Salmonellenproben negativ, kann der Amtstierarzt das elektronische Model 4 für den Schlachthof erstellen. Details sind auch in der letzten Ausgabe vom Südtiroler Landwirt (Ausgabe vom 18. September) beschrieben. 

Im Südtiroler ELER-geförderten Projekt INNOGeflügel geht es darum, die Chancen, die in nachhaltiger, kleinstrukturierter Ge­flügelhaltung liegen, nutzbar zu machen. Es ist eine Zusammenarbeit der Bauernbund-­Abteilung Innovation & Energie mit dem BRING, der Universität Bozen, dem Ver­suchszentrum Laimburg, dem Metzger Alexander Holzner, der österreichischen ARGE Huhn und den Landwirten des Moserhofs und des Hintersteurerhofs. Weitere Informationen zum Herunterladen sind auf der Projektseite veröffentlicht (http://bit.ly/sbb-geflügel). 

Wer Interesse am Thema hat, kann sich bei der Abteilung für Innovation & Energie telefonisch unter 0471 999363 oder per E-Mail:  innovation-energie@sbb.it melden.