Marketing | 16.10.2020

„Mit Gästen Beziehung aufbauen“

Von vielen der großen Trends wird Urlaub auf dem Bauernhof profitieren, ist Zukunftsforscher Tristan Horx überzeugt. Ein Selbstläufer ist UaB aber trotzdem nicht. Worauf Bäuerinnen und Bauern jetzt achten müssen, um zu den „Trendgewinnern“ zu gehören, wird Tristan Horx bei der UaB-Tagung am 20. Oktober verraten.  von Michael Deltedesco

Jährlich liefern die Vortragenden auf der UaB-Tagung neue Inputs für die Bäuerinnen und Bauern. Foto: Roter Hahn

Jährlich liefern die Vortragenden auf der UaB-Tagung neue Inputs für die Bäuerinnen und Bauern. Foto: Roter Hahn

Südtiroler Landwirt: Herr Horx, Sie beschäftigen sich u. a. mit den großen Trends. Welche Trends sind für den Tourismus bzw. für Urlaub auf dem Bauernhof von Bedeutung?

Tristan Horx: Gerade aktuell ist es wichtig, nicht auf kurzfristige Entwicklungen zu setzen, sondern mit etwas Weitblick auf die Mega-
trends zu achten. Einer davon ist die Neo-Ökologie oder Nachhaltigkeit. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Auch der Resonanztourismus wird wichtiger. Schon länger ein starker Trend ist die Regionalität, weil „Nähe“. Hier hat UaB natürlich sehr gute Chancen, genauso wie beim Thema Natur. Der stärkste Megatrend derzeit ist aber die Gesundheit. Und nicht zuletzt ist die Digitalisierung ein Mega­trend, der auch bei UaB wichtig ist. Und nach jeder Krise gewinnen Sicherheit und Vertrauen an Bedeutung.

Sie sagen, Urlaub in der Nach-Corona-Zeit wird ein Beziehungsurlaub sein. Immer mehr Urlauber haben das Bedürfnis nach zwischenmenschlichen Begegnungen, nach nachhaltigen Beziehungserlebnissen. Sind hier kleine Strukturen, z.B. Bauernhöfe, im Vorteil?

Wir sprechen hier vom Resonanztourismus. Resonanz bedeutet, dass man ein System hat, das schwingt. Es ist nicht mehr so, dass der Gast kommt, um etwas zu konsumieren, sondern Gast und Gastgeber müssen miteinander schwingen, d. h. eine Beziehung aufbauen. Und das gelingt bei kleinen Strukturen in der Tat viel besser. Zudem werden die Themen Sicherheit und Vertrauen wichtiger. Gäste fühlen sich dort sicher, wo sie einen Bezugspunkt haben, wo sie bereits Beziehungen haben. Bei diesen Trends ist Urlaub auf dem Bauernhof vorne mit dabei. 

Auch Regionalität gewinnt stark an Bedeutung. Der Südtiroler Bauernbund spricht sich seit langem für mehr hofeigene Produkte und ein Frühstück am Bauernhof aus. Sind sie ein Muss? 

Klar, hofeigene Produkte, ein Frühstück usw. sind enorm wichtig. Regionalität beschränkt sich aber nicht auf das Essen und Trinken. Regionalität bedeutet auch, dass ein Gast die Region, die Natur und die Kultur kennenlernt. Der Gast will mit dem Umfeld und der Kultur vor Ort in Beziehung treten. Hier müssen Bäuerinnen und Bauern „Übersetzer“ sein, wie es die Reiseführer mal waren. Bei Essen und Trinken ist UaB bestens aufgestellt, bei der Vermittlung von Natur und Kultur gibt es noch Nachholbedarf. 

Ein weiterer Megatrend ist die Neo-Ökologie. Wie können UaB-Betriebe von diesem Trend profitieren? Und unterscheiden Gäste zwischen einem Biobetrieb und einem integriert arbeitenden Betrieb? 

Für Konsumenten ist das eigentlich nicht so wichtig. Wohl auch, weil die Standards in der Landwirtschaft in Südtirol im Vergleich zu Betrieben in anderen Regionen sehr hoch sind. Bedeutend ist die Neo-Ökologie auch deshalb, weil sie in enger Verbindung zur Regionalität steht. Was vor Ort angebaut und konsumiert wird, wird vom Gast schon als nachhaltig wahrgenommen. Klar ist Bio besser, aber wie gesagt, viele Gäste verknüpfen regional mit nachhaltig, unabhängig davon, wie ein Betrieb bewirtschaftet wird. 

Immer mehr Menschen wohnen in Städten. Gewinnen Erlebnisse in der Natur dadurch an Bedeutung? 

Sicher, die Corona-Krise hat die Schattenseiten der Urbanisierung aufgezeigt: wenig Platz, wenig Grün und Anonymität. Daher sehnt sich der Gast wieder nach der Natur, die er erleben und genießen möchte – und natürlich nach menschlichen Beziehungen. 

Horx_uab-Tagung
Tristan Horx: „UaB muss einen echten Kontrast zum Massentourismus bilden.“

Sie sprechen davon, dass Arbeit und Urlaub zunehmend verschmelzen. Was bedeutet das für das Urlaubsangebot? 

Wichtig dabei ist das schnelle Internet. Ein Gast am Bauernhof muss die Möglichkeit haben, auch mal kurz zu arbeiten, sich im Büro zu melden oder an einer Videokonferenz teilzunehmen. Und da braucht es eine gute Internetverbindung.

Wie wird sich die Kommunikation mit dem Gast verändern? 

Die Kommunikation muss so schnell und reibungslos wie möglich sein und persönlich. Ich könnte mir gut vorstellen, dass in Zukunft nicht mehr nur Mails geschrieben werden, sondern dass der Gast angerufen wird – gerne auch mit Video, damit er die Bäuerin oder den Bauern sieht. Das schafft Nähe und Vertrauen.

Wir haben jetzt von den Chancen für den UaB gesprochen. Welche Fehler dürfen UaB-Anbieter nicht machen? 

UaB muss einen echten Kontrast zum Massentourismus bilden. Das hat viel mit Authentizität zu tun. Das heißt, das Angebot bei UaB muss authentisch sein. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Authentizität immer von innen kommt.

Programm UaB-Tagung

Bereits zum 20. Mal jährt sich am Dienstag, dem 20. Oktober, die Fachtagung für alle Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betreiber in Südtirol. Austragungsort ist auch diesmal wieder das Kongresszentrum der Messe Bozen. Allerdings kann die Tagung heuer auch über einen Stream live im eigenen Zuhause verfolgt werden.

9 Uhr
Urlaub auf dem Bauernhof – erfolgreich mit Roter Hahn
Leo Tiefenthaler, SBB-Obmann 
Arnold Schuler, Landesrat 

9.30 Uhr
Trends im Tourismus – Chancen und Herausforderungen für Urlaub auf dem Bauernhof

Tristan Horx, Zukunftsforscher, Wien

10.20 Uhr
Entdeckt – gefühlt – erlebt: -Ideen, wie wir dem Außenbereich Kraft verleihen
Florian Hitthaler, Kohl & Partner, Bruneck

11.10 Uhr
Einblicke von Bäuerinnen und Bauern in ihren UaB-Betrieb
Gaby und Christian Thurner, Feldhof, Vilpian
Sonja und Hannes Thaler, Ober-gruberhof, Latzfons

11.40 Uhr Stark durch Krisen
Marc Wallert, Autor und Vortragsredner, Göttingen