Südtiroler Bauernjugend | 16.10.2020

Restart nach dem Shutdown

„Restart nach dem Shutdown – Die Landwirtschaft geht gestärkt aus der Krise hervor.“ So lautet das Motto der diesjährigen Fachtagung der Südtiroler Bauernjugend. Sie wurde aufgrund der geltenden Bestimmungen abegsagt.

„Die Landwirtschaft geht gestärkt aus der Krise hervor." So lautet das  Motto der Fachtagung der Südtiroler Bauernjugend. Foto: Dan Fador, Pixabay

„Die Landwirtschaft geht gestärkt aus der Krise hervor." So lautet das Motto der Fachtagung der Südtiroler Bauernjugend. Foto: Dan Fador, Pixabay

Zur diesjährigen Fachtagung der Südtiroler Bauernjugend sind drei Hauptreferenten geladen: Gerald Grosz, Politikkommentator und Autor, Florian Pedron vom Raiffeisenverband Südtirol und Hannes Knollseisen von der Abteilung Marketing im Südtiroler Bauernbund. Ihnen hat die Südtiroler Bauernjugend bereits vorab je eine Frage zu „Restart nach dem Shutdown“ gestellt. 

Südtiroler Landwirt: Herr Grosz, ein Virus wie Corona und vor allem die Konsequenzen, die er mit sich gezogen hat, waren für uns alle Neuland. Was können wir aus solchen Erfahrungen lernen?

Gerald Grosz: Aus Angst vor dem nahen Corona-Tod wurde kollektiver Selbstmord begangen, dem Globus der Stecker gezogen. War es anfangs der wissenschaftlichen Unkenntnis gegenüber diesem neuartigen Virus geschuldet, dass weltweit Lockdowns verordnet wurden, ist die Fortsetzung des Regimes aus Angst und Panik nur mehr einer politischen Willkür geschuldet. Wir wissen heute, dass die Maßnahmen gegen diese Pandemie einen weit größeren Schaden anrichten, als das Virus selbst imstande gewesen wäre. Unsere Realwirtschaft wird zerstört, Arbeitsplätze werden vernichtet, Betriebspleiten provoziert, und die Gesellschaft wird gespalten. Bei Corona handelt es sich zweifelsohne um den größten Fehlalarm der Menschheitsgeschichte! Die wenig überraschende Lehre ist, dass die Globalisierung eben auch ihre Schattenseiten hat!

Südtiroler Landwirt: Herr Pedron, in Krisenzeiten ist es wichtig, nicht auf sich allein gestellt zu sein. Hat die Corona-Krise den Wert einer funktionierenden Genossenschaft verdeutlicht?

Florian Pedron: Der Mehrwert einer Genossenschaft zeigt sich besonders stark in Krisensituationen und dort besonders in der Landwirtschaft. Mit Ausnahme des Sektors Wein, dessen Markt in der Krise eingebrochen ist, haben die landwirtschaftlichen Genossenschaften den Betrieb trotz erschwerter Rahmenbedingungen weitergeführt und die Nachfrage nach Lebensmitteln erfüllen können. Priorität hatte dabei immer der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Qualität und Sicherheit des Produkts. Das hat Mitgliedern und Beschäftigten der Genossenschaften, aber auch den Kundinnen und Kunden Sicherheit gegeben. Unsere landwirtschaftlichen Genossenschaften sind auch gut kapitalisiert, sodass sie durch die Krise nicht unmittelbar in Schieflage geraten sind. Diese Sicherheit ist der Mehrwert, der die landwirtschaftlichen Genossenschaften in Südtirol auszeichnet.

Südtiroler Landwirt: Herr Knollseisen, wie sind Direktvermarkter und UaB-Betriebe mit der Situation umgegangen, und welche Perspektiven haben sich dabei für sie eröffnet?

Hannes Knollseisen: Die Realitäten vor Ort sind sehr unterschiedlich, und entsprech­end unterschiedlich waren auch die ersten Reaktionen. Zwischen Zuversicht und großer Sorge war alles dabei. Aufgefallen ist aber, dass sofort die Ärmel hochgekrempelt wurden und die Bäuerinnen und Bauern versucht haben, das Beste aus der Situation zu machen. Einige haben auch die Gelegenheit genutzt, Dinge anzugehen, die sie schon länger vor sich hergeschoben haben. Wie zum Beispiel eine intensivere Auseinandersetzung mit den digitalen Möglichkeiten und den sozialen Medien. 

Zugegebenermaßen taten sich einige Sparten auch leichter. Bei Produkten des täglichen Bedarfs wie Freilandeiern, Gemüse und teilweise auch Milchprodukten stieg der Absatz sogar. Für andere Produkte bzw. Angebote brach die Nachfrage von einem Tag auf den anderen völlig ein. Hier waren kreative Ideen und neue Partner im Absatz gefragt. 

Die Fachtagung der Südtiroler Bauernjugend wurde aufgrund der geltenden Bestimmungen abgesagt.