Leben | 16.10.2020

Wein, Weib und Gespräche

Es steht eine Couch mitten in den St. Magdalener Weinbergen. Darauf nehmen Platz: sechs Frauen aus vier ­Generationen. Sie erzählen ihre ganz persönliche Geschichte mit der St. Magdalenerin. Denn dieser Wein ist in Wahrheit ­eine moderne Dame: elegant, vielseitig und bittersüß … von Renate Anna Rubner

Eine Couch mitten in den Weinbergen. Was es damit wohl auf sich hat?

Eine Couch mitten in den Weinbergen. Was es damit wohl auf sich hat?

Aus der Sorte Vernatsch mit einem kleinen Anteil Lagrein wird der St. Magdalener gekeltert. Seit Generationen schon wird er in der klar definierten Lage rund um den St. Magdalener Hügel angebaut. Über ihn und seine 50 Produzentinnen und Produzenten wacht das St. Magdalener Schutzkonsortium. Bereits seit 100 Jahren. 

Nun ist es erstmals gelungen, zwei Frauen in den Vorstand des Schutzkonsortiums zu wählen: Margareth Pfeifer vom Pfannenstielhof in Rentsch und Kathrin Werth von der Klosterkellerei Muri-Gries werden künftig die Männerriege im Schutzkonsortium farblich abrunden. Präsident Josephus Mair, Unterganzner, ist glücklich darüber. Denn „Frauen bestimmen heute mit und haben überall ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Im Weinberg draußen, aber auch im Marketing und im Verkauf haben oft sie das Sagen. Zu Recht und Gott sei Dank.“ 

Zwar noch ganz frisch im Vorstand, haben sich die beiden Frauen gleich auf den Weg gemacht, um den St. Magdalener stärker ins Rampenlicht zu rücken, und haben ihre, also die weibliche Sichtweise auf diesen traditionsreichen Bozner Wein zum Thema einer Gesprächsrunde gemacht. Sie haben dafür an einem der sonnigen Herbsttage dieser Wochen in die Weinberge am Ansitz Waldgries geladen: Auf eine Couch …

Sechs Frauen aus vier Generationen nahmen darauf Platz und gaben in einer von Kathrin Werth moderierten Gesprächsrunde nicht nur Einblick in ihren Arbeitsalltag am Weinhof, sondern erklärten auch, wieso dieser Wein ihnen so sehr am Herzen liegt, weshalb sie ihn lieber trinken und kredenzen als andere Weine und welche Attribute ihnen spontan zu diesem Wein einfallen: Als vielseitig und modern wurde er beschrieben, als elegante Dame mit einem Duft von bittersüßer Mandel. Von wegen St. Magdalener? Diese Beschreibungen passen wohl eher zu einer St. Magdalenerin!

Und so erzählen die Frauen auf der Couch, die den Blick auf Bozen und den St. Magdalener Hügel freigibt, ihren Zugang zum Wein, und speziell zu ihrer St. Magdalenerin …

Drei Generationen am Hof

Astrid Ramoser hat vor etwa dreißig Jahren auf den Fliederhof in St. Magdalena geheiratet. Bis dahin hatte sie nicht viel am Hut mit der Landwirtschaft. Heute führt sie den landwirtschaftlichen Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schwiegervater und dem Sohn.

Sie selber kümmert sich dort vor allem um den Verkauf und das Marketing. Am liebsten aber ist sie draußen und arbeitet in den Weinbergen. Gerade wurde die Ernte eingebracht, die Traubenqualität ist auch heuer wieder sehr gut. Bald werden die Einsaaten gemacht, und nach dem winterlichen Rebschnitt beginnen die Arbeiten im Weinberg dann wieder im zeitigen Frühjahr: Zunächst werden die sogenannten „Rugatten“ eingesammelt, die Raupen kommen vor allem nachts aus ihren Verstecken und können so abgesammelt werden. Das sei zwar mühsam, aber diese Methode erspare eine chemische Behandlung. Dann folgen das Rebenbinden, die Laubarbeiten (das sogenannte „Schabigen“) und das Ausdünnen. „Wir haben zwar immer viel Arbeit übers Jahr, aber wenn alle am Hof gut zusammenspielen, macht es auch Freude“, sagt Astrid Ramoser. Immerhin bewirtschaften drei Generationen gemeinsam den Fliederhof: „Mit Respekt und gegenseitiger Wertschätzung kann das gelingen“, ist Astrid Ramoser überzeugt. 

Weinbau hat Zukunft

Auch Katharina Martini ist Bäuerin und „St. Magdalener“-Botschafterin aus Überzeugung: „Wir trinken diesen Wein selber sehr gerne und bieten ihn mit Vorliebe auch Freunden und Bekannten an, wenn sie zu Besuch kommen. Er passt zu uns, nicht nur weil unser Hof mitten in diesem Anbaugebiet liegt.“ 

Die Agarwissenschaftlerin und Obstbauberaterin lebt gemeinsam mit ihrem Mann und den drei noch kleinen Kindern (der Jüngste ist gerade mal ein Jahr alt) am Falserhof in Rentsch: Der Hof lebt vor allem vom Weinbau, ein gutes und zukunftsträchtiges Standbein, ist Katharina Martini überzeugt. Vor allem im Hinblick auf die Entwicklungen der letzten Jahre ist sie zuversichtlich: Zum einen was die Qualität anlangt, tue sich gerade viel. Und zwar vor allem in der Produktionsqualität: „Wir sind in ständigem Dialog mit der Pflanze und dem Umfeld“, sagt die junge Bäuerin. Auch in Richtung Nachhaltigkeit sei viel Dynamik drin: „Und zwar meine ich mit Nachhaltigkeit nicht eine bestimmte Produktionsweise, sondern den verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen, damit unsere Flächen und Höfe für unsere Kinder und Kindeskinder erhalten und zukunftstauglich bleiben.“

Frisch mit Alterungspotenzial

Zunächst lediglich als Ferienhof für sich und ihre Familie hat Gertrud Vogel den Premstallerhof in St. Magdalena genutzt. Bewirtschaftet wurde er von Familie Hafner, die bis heute eng mit Familie Vogel und deren Hof verwoben ist: Zur Erntezeit kocht immer noch Mutter Hafner, und einer der Söhne, Stefan, ist bis heute Betriebsleiter, „das Rückgrat“, wie ihn Gertrud Vogel nennt. 

Die Trauben werden der Kellerei Rottensteiner geliefert, wo sie zum St. Magdalener Premstallerhof gekeltert werden. Seitdem ihre Kinder aus dem Haus sind, also bereits seit 19 Jahren, verbringt Gertrud Vogel mehr Zeit am Hof: Jedes Jahr zum 13. März – das ist der Geburtstag von Mutter Hafner – verlegt sie ihren Lebensmittelpunkt von Zürich nach St. Magdalena und bearbeitet den Hof bis nach der Ernte Ende Oktober mit. Sie hat ihn auch auf biodynamische Wirtschaftsweise umgestellt und ist überzeugt, dass der St. Magdalener zwar ein frischer Wein ist, trotzdem aber Alterungspotential hat. „Früher hieß es immer, man solle den St. Magdalener im Jahr seiner Weinwerdung trinken. Dabei kann man ihn wunderbar auch gereift trinken. Die Frucht bleibt erhalten.“ Das sei das Spannende an diesem Wein.

Expertise und neue Sichtweisen

Am Gleifnerhof in St. Magdalena hat im Jahr 2018 Maria Romaner das Ruder von ihrem Vater übernommen. Der Hof wird im Nebenerwerb geführt, Maria hat Politik- und Wirtschaftswissenschaften studiert. Die Zusammenarbeit mit ihrem Vater empfindet sie als sehr bereichernd: „Er ist der Experte, und ich kann sehr viel von ihm lernen. Andererseits kann ich meine – neue – Sichtweise sehr gut einbringen. Das ergänzt sich wunderbar.“ Auch in ihrer Rolle als Frau am Hof fühlt sie sich wohl, die weibliche Sicht und Herangehenswrise sei nicht unbedingt von Nachteil, meint sie. Sie findet den St. Magdalener einen traditionsreichen und trotzdem sehr modernen und vielseitigen Wein. 

Als Jüngste im Bunde erzählte schließlich Miriam Plattner ihren Bezug zum St. Magdalener: Die Sechzehnjährige ist am Ansitz Waldgries aufgewachsen, also eng verknüpft mit dem Weinbau. Sie findet es spannend, wie jedes Jahr aufs Neue die Reben austreiben und wachsen, geerntet und gekeltert wird. „Seit zwei Jahren helfe ich im Sommer immer mit. Draußen in den Weinbergen wie drinnen im Keller. Diese Mischung ist perfekt“, sagt Miriam Plattner.