Sozialberatung | 30.10.2020

Arbeitsunfälle rechtzeitig melden

Für die Unfallmeldungen gilt die Meldepflicht von 48 Stunden ab Erhalt des ärztlichen Zeugnisses. Verunfallte Betriebsinhaber, die die Meldung zu spät einreichen, haben keinen Anspruch mehr auf INAIL-­Unfallleistungen.

Bei Unfällen bei der landwirtschaftlichen Arbeit ist es wichtig, diesen rasch zu melden. Foto: Kurtbecker, Pixabay

Bei Unfällen bei der landwirtschaftlichen Arbeit ist es wichtig, diesen rasch zu melden. Foto: Kurtbecker, Pixabay

Ist der Verunfallte der Betriebsinhaber selbst, und reicht die Meldung zu spät ein, so hat er im Nachhinein keinen Anspruch mehr auf das versäumte Tagegeld, und es kann sogar zur Ablehnung des Unfalls kommen. 

Im Klartext bedeutet dies: Entweder werden die gesetzlich vorgegebenen Fristen eingehalten, oder man erhält kein Tagegeld, also die tägliche Entschädigung für den Krankenstand aufgrund des Arbeitsunfalls, und hat keinen Anspruch auf eine Arbeitsinvalidität laut INAIL. Die Arbeitsinvalidität ist die prozentuelle Schadensbewertung des INAIL.

Praktisches Beispiel: Unfall mit verletzter Schulter

Ein praktisches Beispiel: Ein Landwirt fällt während der Arbeiten auf dem Hof auf seine Schulter. Er wendet sich an den Hausarzt und weist auf Schulterschmerzen hin, worauf er vom Hausarzt eine Spritze erhält. Ein offizielles INAIL-Unfallzeugnis wird nicht ausgefüllt. Wochen später leidet der Landwirt immer noch an Beschwerden und kann seiner Arbeit deshalb nicht nachgehen. Nachträglich wird der Unfall gemeldet, allerdings wird dieser vom INAIL nicht anerkannt.

Bei einer anschließenden Kontrolle der Ablehnung des Arbeitsunfalls beim Bauernbund-Patronatsarzt Massimiliano Rando stellt sich heraus, dass keine Anerkennung des Unfalls über das Patronat gefordert werden kann, da die Meldung und das Datum des Unfalls zu weit auseinanderliegen.

Unfall von Mitarbeitenden

Ist der Verunfallte ein mitarbeitendes Familienmitglied oder ein landwirtschaftlicher Arbeitnehmer, drohen bei verspäteter Meldung hohe Verwaltungsstrafen. Falls der Arbeitnehmer mehr als drei Tage zusätzlich des Unfalltages von der Arbeit fernbleibt, ist der Arbeitgeber bzw. Betriebsinhaber verpflichtet, die Unfallmeldung innerhalb von 48 Stunden ab Erhalt des ärztlichen Zeugnisses einzureichen. 

Zusätzlich müssen die Arbeitgeber Unfälle ab einem Tag Genesungsdauer an das Unfallversicherungsinstitut INAIL melden. Bei verspäteter Unfallmeldung drohen auch in diesem Fall hohe Verwaltungsstrafen. 

Praktisches Beispiel: Bäuerin meldet Unfall nicht unmittelbar

Ein weiteres Beispiel: Eine Bäuerin verletzt sich bei Arbeiten auf dem Feld. Sie wendet sich an das Krankenhaus und wird in der Ersten Hilfe versorgt, wobei sie nicht explizit angibt, dass der Unfall sich während einer Arbeitstätigkeit ereignet hat. Ein INAIL-­Unfallzeugnis wird nicht ausgefüllt. Wochen später erfährt sie davon und meldet den Unfall verspätet über den Hausarzt. Das INAIL erkennt den Unfall nicht an.

Ein Arbeitsunfall sollte zeitnah gemeldet werden, damit bei Anerkennung dessen alle INAIL-Unfallleistungen ausbezahlt werden. Außerdem sollte bei einem Arbeitsunfall beim Arzt darauf bestanden werden, dass ein INAIL-Unfallzeugnis ausgefüllt werden muss. Die Meldungen von Arbeitsunfällen für die selbstständigen Landwirte und deren mitarbeitenden Familienmitglieder können über das Bauernbund-Patronat ENAPA eingereicht werden.