Südtiroler Landwirt, Produktion | 26.11.2020

Das Dreimaldrei der Nachhaltigkeit

Klare Visionen und große Ziele hat sich das Südtiroler Apfelkonsortium für seine Nachhaltig­keitsstrategie ­gesetzt: Beim diesjährigen digitalen Interpoma-Kongress wurden deshalb drei ­Aktionsbereiche und je drei plus eine, also zehn Maßnahmen vorgestellt. von Renate Anna Rubner

Mit einer ambitionierten Nachhaltigkeitsstrategie will Südtirols Obstwirtschaft in die Zukunft gehen. Foto: Südtiroler Apfelkonsortium

Mit einer ambitionierten Nachhaltigkeitsstrategie will Südtirols Obstwirtschaft in die Zukunft gehen. Foto: Südtiroler Apfelkonsortium

Wo steht der Südtiroler Obstbau heute, und wohin soll er sich entwickeln? Diese Frage beschäftigte alle Player der ­Südtiroler Obstwirtschaft unter der Leitung von Alfred Strigl, Nachhaltigkeitsexperte und Geschäftsführer der Plenum GmbH, die ­letzten anderthalb Jahre. Frucht dieser Diskussionen und Workshops sind klar definierte Wegmarken, die unter dem Namen ­„Sustainapple“ als Nachhaltigkeitsstrategie beim diesjährigen Interpoma-Kongress vorgestellt wurde. Von einem über Video aus Österreich zugeschalteten, teils sehr emotionalen Alfred Strigl. 

Georg Kössler führte den Referenten in einer Videobotschaft ein: Laut Studie der Weltgesundheitsorganisation (FAO) habe die Südtiroler Apfelproduktion Modellcharakter, sagte Kössler. Trotzdem sei man sich bewusst, dass sie weiterentwickelt werden muss. Aus diesem Bewusstsein heraus habe man Maßnahmen entwickelt, die den Apfelanbau Schritt für Schritt in eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Zukunft führen sollen.

Alfred Strigl stellte dann das „Dreimaldrei“ der Nachhaltigkeit vor: „Der Apfelanbau hat in Südtirol eine große Tradition. Allerdings warten auch große Herausforderungen auf Produzentinnen und Produzenten, auf die Vermarktungsorganisationen, die Beratung, die Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, das Forschungs- und Versuchswesen.“ Nach hartem Ringen und langen Diskussionen habe man sich nun auf drei große Aktionsbereiche mit je drei Maßnahmenbündeln und einer zusätzlichen zehnten Maßnahme geeinigt, erklärte Strigl.

Der Südtiroler Apfel als weltweites Erfolgsmodell

Der erste Aktionsbereich stellt den Südtiroler Apfel als weltweites Erfolgsmodell in den Vordergrund. „Südtirol ist eine der fünf Modellregionen des Apfels, hier wird professionell gewirtschaftet und mit nachhaltiger Innovationskraft“, stellte Strigl klar und unterstrich, dass dies selbstbewusst kommuniziert werden müsse. 

Um dieser Vorreiterrolle aber auch weiterhin gerecht zu werden, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden: So wolle man im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie eine überregionale Kreislaufwirtschaft in der Makroregion Alpen entwickeln: „Organische und technische Ressourcen müssen in diesen Kreislauf einfließen oder im Mehrwegsystem genutzt werden“, erklärte Alfred Strigl. Hier müsse die Obstwirtschaft eine Vorreiterrolle einnehmen, forderte Strigl. 

Auch die Innovationskraft der Branche sei verstärkt zu nutzen und entsprechend zu kommunizieren: „Diversität und Attraktivität im Obstbau müssen durch Sortenzüchtung und Prüfungsprogramme erhalten und aufgebaut werden.“

Wir ernähren die Menschen gesund

Als zweiten Aktionsbereich für die nächsten Jahre sieht Strigl die Botschaft, wie gesund und hochwertig der Südtiroler Apfel ist, und postulierte den in der Nachhaltigkeitsstrategie definierten Leitsatz „Wir ernähren die Menschen gesund“. Es sei eine Schande, dass die Weltbevölkerung zu einem Großteil an Fettleibigkeit leide. Vor diesem Hintergrund forderte er, dass in allen Altersklassen und rund um die Welt das Bewusstsein gefestigt werden müsse, dass der Südtiroler Apfel einen massiven Beitrag zur täglichen gesunden Ernährung leisten kann. 

„Der Apfel erhält die Gesundheit, die Vitalität, er ist hochwertig und wächst, umsorgt von Hunderten von Bauernfamilien, in der Südtiroler Sonne.“ Diese Familienbetriebe seien das Herz des Südtiroler Obstbaus, sagte Strigl, das müsse den Menschen klargemacht werden. Das sei Nachhaltigkeit auch im Sinne von Betriebsnachfolge innerhalb der Familie: „Kultur, Tradition und Erbe, das ist das Zentrum der Südtiroler Landwirtschaft“, sagte Strigl.

Die Natur als Partnerin

„Die Natur als Partnerin“ definierte Strigl als dritten Aktionsbereich in der Nachhaltigkeitsstrategie. So habe man sich ein hohes Ziel im Hinblick auf den CO2-Fußabdruck gesetzt: Bis 2030 klimapositiv zu werden sprich weniger Kohlendioxid zu produzieren, als Äpfel und Bäume binden. „Das ist schwierig“, gab Strigl zu, aber mit einem progressiven Klimaschutzprogramm könne man Leuchtturmfunktion, also eine echte Vorreiterrolle einnehmen. Alfred Strigl unterstrich: „Diese Nachhaltigkeitsstrategie ist keine Studie, sie ist vielmehr eine Agenda, ein steiler Weg mit Meilensteinen“, da müsse man schon die Ärmel hochkrempeln. Er verglich diese Agenda mit einer Bergtour, die zwar schwierig ist und dadurch fordert, aber die gerade durch das hochgesteckte Ziel motivieren könne und ein Erfolgserlebnis bedingt, wenn der Gipfel geschafft ist.

Auch das Thema Pflanzengesundheit müsse in der Nachhaltigkeitsstrategie angegangen werden. Besonders über zwei Maßnahmen: So seien Dialogserien zu diesem Thema geplant, in denen beispielsweise exemplarische Musterbetriebe zeigen, wie die Pflanzengesundheit gestärkt und erhalten werden kann. Was die natürlichen Ressourcen Boden und Wasser anlangt, so müssen die Gesundheit der Obstbauflächen gestärkt und die Vitalität des Wassers erhalten werden. 

Biodiversität im Auge behalten

Und zu guter Letzt müsse die Biodiversität im Auge behalten werden: Dabei sei eine kontinuierliche Standortbestimmung notwendig, über die in einem zweiten Schritt
konkrete Verbesserungen gemacht werden. Auch das Thema Monokultur sei zu thematisieren, meinte Strigl: „Was ist schlecht an einer Monokultur?“, fragte er, „wenn dazwischen Natur gepflegt wird. Denn in diesem System von Monokultur und Natur ernähren wir die Welt!“, sagte Strigl und rief alle dazu auf, sich mit auf die Gipfeltour der Nachhaltigkeitsstrategie zu machen. „Wir haben neun spannende Jahre vor uns“, sagte er, „und ich bin mir sicher, dass wir diese gemeinsame Bergtour schaffen!“