Produktion | 26.11.2020

Wolf unter Dauer-Beobachtung

Auch in diesem Winter läuft in Südtirol ein breit angelegtes Wolfmonitoring. Bei der Umsetzung kommen unter anderem auch Foto- und Videofallen zum Einsatz, aufgestellt werden diese nur mit vorhergehendem Einverständnis der Grundbesitzer.

Die Verbreitung des Wolfes nimmt der  Südtiroler Forstdienst unter die Lupe. Foto: Sharon Ang, Pixabay

Die Verbreitung des Wolfes nimmt der Südtiroler Forstdienst unter die Lupe. Foto: Sharon Ang, Pixabay

Das Wolfmonitoring hat eine längere Vorgeschichte: Umweltminister Sergio Costa kündigte im Dezember 2018 in einem offiziellen Treffen mit den Vertretern aller Regionen an, über einen Zeitraum von drei Jahren ein vollständiges Monitoring des Wolfes in allen Regionen zu organisieren.

Die nationale Wildbeobachtungsstelle ­ISPRA wurde beauftragt, dieses Monitoring zu koordinieren, und hat diesbezüglich ein Handlungsprotokoll erarbeitet, das grundsätzlich ähnlich wie in Slowenien, in der Schweiz und in Frankreich praktiziert wird.

Da der Staat diesbezüglich keine Finanzierung für die Regionen vorgesehen hat, werden für das Monitoring in den anderen Regionen freiwillige Mitarbeiter eingesetzt. Diese kommen in erster Linie vom italienischen Alpenverein CAI (auf der Grundlage einer Vereinbarung von CAI und ISPRA) und werden von ISPRA-Beauftragten an Ort und Stelle koordiniert.

Ziel sind amtliche Daten über die Ausbreitung des Wolfes 

Südtirol hat entschieden, diese Tätigkeit behördlich durchzuführen, um am Ende des Monitorings amtliche Daten zu haben: Die Erhebungen werden vom Südtiroler Forstdienst unter der Koordination des Landesamtes für Jagd und Fischerei vorgenommen. Das ISPRA-Protokoll wird dabei streng eingehalten. Die Vereinbarung CAI-ISPRA gilt auch in Südtirol, weshalb einige Freiwillige des CAI Südtirol eingesetzt werden, welche die Arbeit des Südtiroler Forstdienstes unterstützen.

Ein Monitoring ist eine notwendige Voraussetzung für jede Art eines Wildmanagements. Günther Unterthiner, Direktor der Landesabteilung Forstwirtschaft, erklärt: „Ohne Monitoringdaten wird es vonseiten des ISPRA wohl kein Einverständnis zu Vergrämungs- bzw. Entnahmemaßnahmen geben.“

Wie das Monitoring abläuft

Der Plan für das Wolfmonitoring in Südtirol sieht mehrere Schritte vor: Südtirol wird kartografisch in zehn mal zehn Kilometer große Quadranten aufgeteilt, die in regelmäßigen Begehungen überprüft werden. Insgesamt gibt es rund 80 solcher Quadranten. 

Im Zuge des „Snowtracking“ werden in jedem Quadranten, in dem die Präsenz einzelner Wölfe bestätigt wurde – derzeit in Südtirol rund 16 – jeweils einmal im Monat zwei Begehungen von November bis Februar vorgenommen. Für dieses intensive Monitoring sollten zwei Fotofallen pro Quadrant aufgestellt werden. In jedem Quadranten, in dem das Vorhandensein von Wolfrudeln bestätigt wurde – derzeit in Südtirol rund 13 – werden von Oktober bis März jeweils durchschnittlich drei Begehungen einmal im Monat wiederholt. Für dieses intensive Monitoring sind bis zu sieben Fotofallen pro Quadrant vorgesehen. Ziel des „Wolf-Howling“ ist es zu eruieren, ob Nachwuchs geboren ist oder nicht. In jedem Quadranten geschieht dies zweimal in den Sommermonaten von Juli bis September. Auch DNA-Proben werden gesammelt.

Ein wichtiges Beweismittel, um Bewegungen der vorhandenen Wölfe zu dokumentieren, sind Fotos von Fotofallen. Das Aufstellen der Fotofallen wurde im letzten Jahr eingestellt, weil es zu Protesten der Grundbesitzer kam. „Wir holen nun für jede Fotofalle im Vorfeld schriftlich das Einverständnis des Grundeigentümers ein. Zusätzlich werden unter Einhaltung der Privacy-Regelung Hinweistafeln aufgestellt, um die Bevölkerung auf diese videoüberwachte Zone hinzuweisen“, erklärt Abteilungsdirektor Unterthiner.

Das diesjährige Wolfmonitoring ist Ende Oktober gestartet, die ersten Begehungen wurden bereits gemacht. Erste Zwischenergebnisse werden erst im nächsten Frühjahr vorliegen.