Politik | 27.11.2020

Bestand ressourcenschonend nutzen

Ein Online-Symposium von IDM, Plattform Land und Architektenkammer brachte vergangene Woche ­eine ­Reihe von Lösungsansätzen gegen Raumknappheit.

Ortskerne erhalten und doch weiterentwickeln – wie das geht, war Thema des Symposiums.

Ortskerne erhalten und doch weiterentwickeln – wie das geht, war Thema des Symposiums.

Wie sieht die Zukunft des Bauens in einem Land aus, in dem nur 5,5 Prozent der Fläche bebaubar sind? Sie dreht sich auf jeden Fall um die Frage, wie man die Landschaft sorgsam nutzen kann, damit Südtirol weiterhin ein attraktiver Lebensraum für Südtirolerinnen und Südtiroler, aber auch für Gäste bleibt. Und Konzepte wie Sanierung, Aufstockung und Leerstandsmanagement werden darin breiten Raum finden. Darüber waren sich die Experten einig, die zum Webinar „Symposium Innenentwicklung“, organisiert von IDM Südtirol, der Plattform Land und der Kammer der Architekten, geladen waren.

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde auch beim Bauen. Vera Leonardelli, Direktorin der Abteilung Business Development von IDM, erklärte: „Braun vor Grün ist eine von vielen Möglichkeiten, unsere Ressourcen mit großem Respekt zu behandeln. Wenn wir die bereits vorhandenen Bestände achtsam nutzen, indem wir sie renovieren, ausbauen und sinnvoll neu verwenden, sorgen wir dafür, dass unsere Dörfer und Städte attraktiv bleiben, und halten Flächen für Neubauten frei, wo diese notwendig sind.“ 

Vorwiegend Materialien aus der Region verwenden

Im Austausch mit den Vertretern der Baubranche sei der Bereich Aufstockungen, Anbauten und Sanierungen als eine Marktnische erkannt worden, die noch ungenutzte Chancen aufweist. So können etwa Dachaufstockungen ein Lösungsansatz sein für leistbares Wohnen ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Großes Augenmerk sollte dabei auf die Verwendung nachhaltiger regionaler Materialien wie etwa Holz gelegt werden, ihnen sollte der Vorzug gegeben werden gegenüber billiger Materialen aus dem globalen Markt, die eine schlechtere CO2-Bilanz aufweisen und bei denen es dann große Probleme mit der Entsorgung gibt.

Fokus auf Nachhaltigkeit heißt es auch bei der Plattform Land, die sich den Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raumes auf die Fahnen geheftet hat und dabei besonders die Balance zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im Auge hat. Plattform-Land-Geschäftsführer Ulrich Höllrigl erklärte: „Gerade im ländlichen Raum führt der Weg zu mehr Nachhaltigkeit über die Gemeinden. Denn auch wenn die Nachhaltigkeit ein globales Thema ist, müssen viele Probleme lokal gelöst werden, wie etwa das Thema Bauen bei Mangel an bebaubaren Flächen.“ Höllrigl stellte das Projekt vor, mit dem seit 2017 Leerstände in Südtiroler Gemeinden erhoben werden. Ziel ist es, den Gemeinden einen Überblick über diese Bauten zu geben, damit sie in einem zweiten Schritt wieder genutzt werden könnten.

Steuervorteile nutzen

Wie Dachaufstockung und Sanierung im städtischen Raum und bei denkmalgeschützten Gebäuden aussehen kann, erzählten die Architekten Sylvia Dell’Agnolo und Marco Sette an konkreten Beispielen. Besonders die Beratung der Bauherren durch die Architekten führe zu funktionalen Gebäuden, unter Berücksichtigung ihrer Geschichte. 

Sanierungen werden zudem derzeit auch vom Staat mit dem Dekret „Rilancio“ kräftig unterstützt: Architekt Manuel Benedikter erläuterte: „Privatpersonen können einen Steuerabzug von 110 Prozent auf energetische Sanierungen geltend machen, wenn sich die Energieklasse des Gebäudes um zwei Stufen erhöht.“ 

Welche Lösungen man andernorts für die Themen Leerstandsmanagement und Sanierung gefunden hat, wurde am Beispiel des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg gezeigt. Dort werden „Sanierungslotsen“ eingesetzt, die Besitzern von alten oder zu groß gewordenen Häusern dabei helfen, sie zu sanieren, statt sie leer stehen zu lassen. Das Projekt läuft seit Anfang 2019. Zwölf „Sanierungslotsen“ sind derzeit im Einsatz, allesamt ausgebildete Architekten und Architektinnen, die über 60 Projekte begleiten.