Innovation | 18.12.2020

Erste Schritte zum Mastgeflügelstall

Ob als Neben- oder Haupterwerb, die Grundlage der Geflügelmast bildet stets der Stall. Die Bauernbund-­Abteilung Innovation & Energie hat die wichtigsten Informationen zum Stallbau zusammengefasst.

Die Tiere müssen sich im Stall wohlfühlen. Foto: Anton Koller

Die Tiere müssen sich im Stall wohlfühlen. Foto: Anton Koller

Egal ob Hühner-, Truthahn- oder Gänsemast, der Stall muss an Tier und Betriebsgröße angepasst werden. Beim Bau eines Geflügelstalls sollten einige grundlegende Fragen zuerst beantwortet werden: Welche Geflügelart und Haltungsform wird gewählt? Welche Produktionsschritte sollen am Hof realisiert werden? Ist ein Neubau wirtschaftlich, oder kann das Altgebäude genutzt werden? Das sind nur einige Fragen, die sich Landwirtinnen und Landwirte in Südtirol stellen müssen, wenn sie in die Mastgeflügelhaltung einsteigen möchten.

Haltungsformen

Im ersten Schritt der Stallbauplanung sollte man sich für eine Geflügelart entscheiden, denn von einer Mischung verschiedener Geflügelarten raten Expertinnen und Experten stark ab. Maßgeblich für die Entscheidung sind hierbei die persönlichen Präferenzen, die vorhandenen Flächen und welche Art sich für den Betrieb gut eignet. Masthühner und Truthühner eignen sich zum Beispiel auch für die Haltung in Streuobstwiesen. Außerdem sollte man sich umhören, was die Kundinnen und Kunden von morgen bevorzugen.

Die Wahl der Haltungsform beeinflusst die maximale Anzahl der Tiere im Stall und im Auslauf. Generell wird für Südtirol eine exten-sive Mast empfohlen. Das bedeutet, dass eine ausreichend große, relativ ebene Auslauffläche neben dem Stallgebäude vorhanden sein muss. Die angeführte Tabelle zeigt am Beispiel der Gänsemast, wie groß die Unterschiede zwischen den Haltungsformen sein können. Wird eine Gans den Biorichtlinien entsprechend aufgezogen, benötigt sie mehr als dreimal so viel Auslauffläche wie eine Gans aus Freilandhaltung. Die Haltungsform kann – nach bewilligtem Ansuchen – bei der Vermarktung mitbeworben werden. Die Einhaltung der Bestimmungen wird durch die lokalen Behörden und Verbände kontrolliert. Bei der Planung eines Geflügelstalls müssen die Vorgaben des tierärztlichen Dienstes und andere rechtliche Vorgaben berücksichtigt werden. Eine Vertiefung hierzu finden Sie im Artikel des tierärztlichen Dienstes auf Seite 46 in der Printausgabe vom 11. Dezember. 

Produktionsschritte

Eine wichtige Entscheidung mit weitreichendem Einfluss auf die Stallplanung sind die Produktionsschritte (Brüterei, Voraufzucht und Mast) am Hof. Brut und Voraufzucht sind technisch aufwendig und hygienisch herausfordernd. Daher wird besonders von der Einbindung der Brüterei am Hof abgeraten. Für die Voraufzucht benötigt der Betrieb dann einen Stallbereich, der gut isoliert und leicht aufheizbar ist. Auch Belüftung und Luftfeuchtigkeit müssen regulierbar sein. 

Nur wer richtig kalkuliert, hat gut investiert!

Bevor die Landwirtin oder der Landwirt jedoch an die Stalleinrichtung denkt, empfiehlt es sich, die finanzielle Seite der Geflügelmast genauer zu betrachten. Der Neubau eines Stallgebäudes für die Geflügelhaltung kann mit hohen Investitionskosten verbunden sein, die je nach Lage und Größe stark variieren. Die Verwendung eines vorhandenen Gebäudes ist sinnvoll, da dadurch die Kosten erheblich sinken. In vielen Fällen sind nur kleine Umbauten für die Anpassung an die Geflügelmast notwendig. Zu den Stallkosten kommen noch die Kosten für die Einrichtung, Maschinen, Geräte (Tränken, Futtertröge) und den Auslauf.

Neben dem Bau des Wirtschaftsgebäudes sind weitere fixe (z. B. Buchhaltung, Versicherung) und variable Kosten (z. B. Tierarzt, Desinfektionsmittel, Futter) zu berücksichtigen, welche je nach Haltungsform variieren.

Stalleinrichtung

Für eine optimale Leistung in der Geflügelmast muss der Stall artgerecht eingerichtet sein. Das passende Fütterungs-, Tränke-, Lüftungs- und Beleuchtungsmanagement bilden die Basis für die Tiergesundheit und erfolgreiche Produktion von Geflügelfleisch. Auf der Webseite des Projekts INNOGeflügel findet sich eine Übersicht für die wichtigste Stalleinrichtung und auch die Systeme, die zur Verfügung stehen. 

Beratung im Bauernbund

Die Geflügelmast kann für Landwirtinnen und Landwirte ein attraktives und innovatives Standbein sein. Informationen zu den verschiedenen Geflügelarten, Wirtschaftlichkeitsrechner und vieles mehr sind auf der Projektseite veröffentlicht (http://bit.ly/sbb-geflügel). Das ELER-geförderte Projekt INNOGeflügel läuft noch bis Ende 2021, und Interessierte können sich bei der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie (Tel. 0471 999363, E-Mail: innovation-energie@sbb.it) melden. 

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