Bauernbund | 23.12.2020

Trotz Pandemie gibt es Lichtblicke

Auch in der Landwirtschaft und für den Bauernbund war die Covid-19-Pandemie im zu Ende gehenden Jahr das bestimmende Thema. Trotzdem blicken die beiden Landesobmann-Stellvertreter auf ein insgesamt gutes Jahr zurück – auch wenn es so manchen dunklen Fleck gab. von Bernhard Christanell

Trotz Corona-Pandemie kann die Landwirtschaft auf ein Jahr mit vielen positiven Seiten zurück- und mit Optimismus nach vorne blicken. Foto: Marek Studzinski, Pixabay

Trotz Corona-Pandemie kann die Landwirtschaft auf ein Jahr mit vielen positiven Seiten zurück- und mit Optimismus nach vorne blicken. Foto: Marek Studzinski, Pixabay

Verschont blieb niemand vom Verlauf der Covid-19-Pandemie – auch nicht die Bäuerinnen und Bauern, obwohl sie in den Wochen des totalen Lockdown ihrer Arbeit auf Hof und Feld nachgehen konnten. Zu spüren bekam die Landwirtschaft die Folgen der Pandemie vor allem in zwei Bereichen: dem Ausbleiben der Touristen vor allem im Frühjahr und Spätherbst und – damit teilweise zusammenhängend – beim Absatz der landwirtschaftlichen Produkte.

Bauernbund-Obmannstellvertreter Bernhard Burger blickt zurück: „Für die UaB-­Betriebe war das Jahr eine Achterbahnfahrt: Im Frühjahr stand lange Zeit alles still, im Sommer lief es teilweise besser als erwartet, und im Herbst ging es dann mit dem Aufkommen der zweiten Infektionswelle wieder rapide zurück.“ 

Bevölkerung hat Wert heimischer Lebensmittel neu entdeckt

Unmut vonseiten der Bevölkerung darüber, dass die Bäuerinnen und Bauern in ihrer Arbeit weniger eingeschränkt waren, hat Burger persönlich gar nicht und auch sonst nur ganz am Rande gespürt: „Im Gegenteil, die Menschen waren froh, als sie wieder auf den Wegen durch unsere Wiesen spazieren durften. Und auch den Wert unserer hochwertigen Lebensmittel haben viele Südtirolerinnen und Südtiroler in diesem Jahr neu entdeckt und schätzen gelernt.“

Dieses neue Bewusstsein für heimische Produkte zeigt sich indirekt auch am Kopfschütteln, das zwei Umstände in diesem Jahr in weiten Teilen der Bevölkerung hervorgerufen haben: „Dass die Bauernmärkte während des Lockdowns im Frühjahr und vor allem jetzt im Herbst nicht öffnen durften, obwohl sie im Freien stattfinden und frische Lebensmittel verkaufen, haben ganz viele nicht verstanden. Und dafür, dass es nach wie vor schwierig bis unmöglich ist, heimischen Lebensmitteln in öffentlichen Einrichtungen den Vorzug zu geben, haben auch immer weniger Leute Verständnis – und zwar nicht nur wir Bäuerinnen und Bauern, sondern auch die restliche Bevölkerung!“

Obstbau: Hoffen auf gute Vermarktung

Zu den einzelnen Sektoren: Von einigen großflächigen Hagelschlägen abgesehen, war das Erntejahr im Obst- und Weinbau laut Bernhard Burger durchaus zufriedenstellend: „Dass die Erntemenge insgesamt geringer ausfällt als in den vergangenen Jahren, liegt vor allem an der Sorte Golden Delicious, bei der die Menge deutlich zurückging. Das neue Vermarktungsjahr ist mit der Gala-Ernte gut gestartet.“ Ebenso erfreulich wie unerwartet war die Tatsache, dass die Marmorierte Baumwanze wesentlich weniger Schäden anrichtete als befürchtet. „Woran das liegt, ist noch nicht ganz geklärt. Wir müssen jedoch auch im kommenden Jahr noch gut aufpassen und hoffen, dass die natürlichen Gegenspieler die erhoffte Wirkung zeigen“, sagt Burger.

Weinbau: Gute Arbeit lohnt sich

Nachdem vor allem die Weinwirtschaft im Frühjahr mit enormen Absatzschwierigkeiten zu kämpfen hatte, stehen die Zeichen jetzt auf Optimismus. „Die Ernte war – bis auf einige hagelgeschädigte Gebiete – sowohl in der Menge als auch in der Qualität gut. Wer angesichts der teilweise hohen Niederschlagsmengen im Weinberg gut und sorgfältig gearbeitet hat, darf sich jetzt über die Früchte seiner Arbeit freuen“, erklärt Burger. 

Grünlandwirtschaft: Menge gut, Qualität mäßig

Die Niederschläge haben auch für die Berglandwirtschaft 2020 einige zusätzliche Mühen mit sich gebracht, wie Obmannstellvertreter Daniel Gasser zu berichten weiß: „Der erste Schnitt fiel vielerorts geringer aus als gewohnt, dafür machten in Sachen Menge die folgenden Schnitte einiges wett. Wer also mehrschnittige Wiesen hat, kann unterm Strich auf ausreichend Futter zurückgreifen.“ 

Allerdings habe unter den vielen und immer wieder vorkommenden Niederschlägen die Qualität gelitten. „Zum einen ist es natürlich schwieriger, das Futter einzubringen, wenn es immer wieder regnet, zum anderen wirkt sich das auch auf die Inhaltsstoffe des Futters aus“, unterstreicht Gasser.

Milch- und Viehvermarktung in Corona-Zeiten

Auch beim Absatz der Milchprodukte hat sich die Corona-Pandemie in diesem Jahr bemerkbar gemacht. „Vor allem verpackte Produkte sind gut gelaufen, bei Schnittkäse und generell bei allem, was an der Ladentheke verkauft wird, gab es hingegen massive Rückgänge“, berichtet Gasser. Der Markt habe sich 2020 stark von der Gastronomie in Richtung Einzelhandel verlagert. Für die Milchhöfe bedeute das, dass die Produktionsab­läufe zum Teil umgestellt werden mussten.

Bei der Viehvermarktung gab es dank rigoroser Regeln kaum Ausfälle bei den Versteigerungen. „Vor allem beim Zuchtvieh waren die Preise das ganze Jahr über bei allen Rassen recht gut – und es gab auch kaum Ausfälle“, blickt Gasser zurück. Schwieriger sei es bei der Vermarktung der Kälber über das Viehvermarktungskonsortium Kovieh. „Hier haben die Preise schon deutlich nachgegeben, und sie haben sich bis heute nicht wirklich erholt. Das liegt aber weniger an der Pandemie, sondern mehr an den international immer heftigeren Diskussionen über Kälbertransporte“, betont Gasser. 

Auf ein insgesamt gutes Jahr können die Gemüsebäuerinnen und -bauern zurückblicken, auch beim Beerenobst war das Jahr sowohl im Hinblick auf die Menge als auch auf die Qualität und den Absatz sehr zufriedenstellend. 

Wolf bleibt ein Problem

Doch auch für die Berglandwirtschaft gab es im Jahr 2020 einige Rückschläge. Zum einen ist dazu das Thema Wolf und Großraubwild zu zählen, wo es wenige Fortschritte gab. „Viele Bergbauern sind nach wie vor sehr verunsichert und machen sich Sorgen um die Zukunft der Almwirtschaft. Wenn es uns nicht erlaubt ist, endlich sensible Zonen auszuweisen, wo eine Entnahme der Raubtiere möglich ist, dann wird die Situation wirklich kritisch“, weiß Gasser.

Holzmarkt bleibt nach neuerlichen Schäden weiter am Boden

Weiter keine Aussicht auf Besserung gibt es auch für die Waldbesitzer, die ihr Holz auf dem Markt zu einem angemessenen Preis verkaufen möchten. „Anfang Dezember hat es bei den ergiebigen Schneefällen wieder große Schäden gegeben, erste Schätzungen gehen von weiteren 700.000 Kubikmeter Schadholz aus. Das ist nach dem Sturm Vaia im Herbst 2018 und dem Schneedruck im Herbst 2019 die dritte Katastrophe in drei Jahren“, unterstreicht Gasser. 

So könne sich der Holzmarkt auch mittel- bis langfristig nicht erholen, und die Preise bleiben trotz aller Bemühungen im Keller. „Viele Schäden werden daher erst gar nicht aufgeräumt. Das ist für die Entwicklung unserer Wälder sehr schlecht, aber aus Sicht der Waldbesitzer nachvollziehbar, weil es sich schlicht und einfach nicht rentiert“, zeigt Gasser Verständnis.