Internationales, Politik | 18.01.2021

„Green Deal“: Umweltwirkungen fraglich

Wissenschafter, u. a. vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), zeigen im Journal "Nature" auf, dass der „Green Deal“ ein schlechter Kompromiss für den Planeten sein könnte, wenn die EU durch einen höheren Import von Agrargütern und Lebensmitteln Umweltauswirkungen in Länder außerhalb der EU verlagere. von AIZ

Kritik an den Plänen der EU-Kommission für den „Green Deal“ kommt jetzt auch von der Wissenschaft. (Foto: EC - Audiovisual Service)

Kritik an den Plänen der EU-Kommission für den „Green Deal“ kommt jetzt auch von der Wissenschaft. (Foto: EC - Audiovisual Service)

Konkret will die EU-Kommission mit dem Green Deal die europäische Landwirtschaft stark verändern und Europa bis zum Jahr 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent machen. EU-weit soll bis zum Jahr 2030 ein Viertel der landwirtschaftlichen Flächen nach den Grundsätzen des Biolandbaus bewirtschaftet werden. Weiters sollen bis dahin in der EU-Landwirtschaft 50 Prozent der Pflanzenschutzmittel und 20 Prozent der Düngemittel eingespart werden.

Verlagerung in Importländer würde Gesamtbilanz verschlechtern
Der Wissenschafter Richard Fuchs vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT gibt zu bedenken, dass mit dem „Green Deal“ negative Umweltwirkungen der Agrar- und Lebensmittelproduktion nur nach außen verlagert und vielfach wesentlich verstärkt würden. EU-Agrar- und Lebensmittelimporte kommen vor allem aus Ländern, deren Umweltgesetze weit weniger streng sind als die in Europa. „Die Handelspartner der EU verwenden außerdem im Durchschnitt mehr als doppelt so viel Düngemittel wie wir. Auch der Pflanzenschutzmitteleinsatz hat in den meisten Exportländern zugenommen“, erklärt Fuchs. Auch der emeritierte Agrarökonom Michael Schmitz von der deutschen Universität Gießen warnt davor, dass sich mit agrarischen Produktionsverlagerungen an emissionsintensivere Standorte außerhalb der EU globale Umwelt- und Klimabilanzen weiter verschlechtern würden. Die mit dem „Green Deal“ einhergehenden Eingriffe aus Brüssel würden zudem zulasten der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der EU-Landwirtschaft gehen.

Green Deal nur mit Klimazöllen und EU-Importstandards
Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich-Präsidentin Michaela Langer-Weninger kritisiert: „Der von der EU vorgeschlagene Green Deal und das geplante EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Ländern stehen in einem diametralen Widerspruch. Wenn es die EU mit dem Umwelt- und Klimaschutz sowie den Interessen einer bäuerlichen Landwirtschaft ernst meint, dann bedarf es rasch einer grundlegenden Korrektur der EU-Handelspolitik.“ Die EU könne ihre Agrar- und Lebensmittelstandards zwar nicht anderswo durchsetzen, aber verlangen, dass Agrargüter und Lebensmittel, die auf den europäischen Markt kommen, auch den europäischen Produktionsstandards entsprechen. „Höhere Standards in der EU-Landwirtschaft sind wirtschaftlich nur dann machbar, wenn man die heimischen Bäuerinnen und Bauern mit höheren Abgaben auf Importe im Agrar- und Lebensmittelbereich schützt“, macht Langer-Weninger deutlich.