Wirtschaft | 12.02.2021

Milchwirtschaft fürchtet dramatisches Jahr 2021

Schon 2020 war ein für die Südtiroler Milchwirtschaft extrem schwieriges Jahr, das Jahr 2021 droht allerdings, ein dramatisches zu werden. Die Absatzmengen sind eingebrochen, der Trend des Milchpreises zeigt steil nach unten und ein Ende dieser Entwicklungen ist nicht in Sicht.

Der Sennereiverband schlägt Alarm: Die Pandemie hat verheerende Auswirkungen auf die Berglandwirtschaft. (Foto: Sennereiverband Südtirol)

Der Sennereiverband schlägt Alarm: Die Pandemie hat verheerende Auswirkungen auf die Berglandwirtschaft. (Foto: Sennereiverband Südtirol)

Die Milchwirtschaft stellt für rund 4500 Familien in Südtirol das wirtschaftliche Fundament dar. Weil die Betriebe meist klein sind, gehen viele Bauern einem Nebenerwerb nach. Und als zusätzliche Einnahmequelle wird auf vielen Höfen Urlaub am Bauernhof angeboten. „Auf diesen drei Säulen ruht die gesamte Berglandwirtschaft in unserem Land und alle drei leiden enorm unter den Folgen der Pandemie“, erklärt Reinalter. So liege mit dem Tourismus auch der Urlaub am Bauernhof auf Eis, zudem fänden viele Bauern in „normalen“ Jahren Beschäftigung in Gastbetrieben oder bei Liftbetreibern. „Diese Nebenerwerbsquellen gibt es bis auf Weiteres nicht mehr“, so der Obmann.

Wichtigste Säule der Berglandwirtschaft wackelt
Auch die wichtigste Säule der Berglandwirtschaft, die Milchwirtschaft, wackelt. „Das ist den meisten gar nicht bewusst, weil man glaubt, dass die Landwirtschaft normal weiterarbeiten könne“, erklärt Reinalter. „,Gegessen‘, so die allgemeine Meinung, ,wird schließlich immer.‘“ Die Realität schaue allerdings völlig anders aus. „Zum einen ist die Kaufkraft gesunken, weshalb die Konsumenten vorsichtiger einkaufen und Billigprodukte vorziehen“, erklärt der Obmann des Sennereiverbandes. „Zum anderen steht in ganz Europa seit Monaten die Gastronomie still, daher sind unsere Absatzmengen massiv zurückgegangen.“ Dies gelte für die Frischmilch genauso wie für veredelte Produkte, etwa Joghurt oder auch Käse. „Der wird zudem kaum noch an der Theke gekauft, sondern lieber verpackt“, weiß Reinalter. Das Problem ist: „Unsere hochqualitativen und daher auch hochpreisigen Käsesorten werden vorwiegend an der Theke gehandelt.“

Versandmilch muss zu Spottpreisen gehandelt werden
Weil Milch nun einmal nicht gelagert werden könne und die Käselager voll seien, könne ein großer Teil der angelieferten Milch nicht mehr veredelt werden. „Die Folge ist eine große Menge Versandmilch und die wird leider zu Spottpreisen gehandelt“, erklärt der Obmann. Während also die Kosten weiter steigen, sei der Handel nicht bereit, höhere Preise für die Milch zu zahlen. „Im Gegenteil: Der Handel zielt auf eine Deflation, also sinkende Preise“, sagt Reinalter. „Und ist der Milchpreis einmal im Keller, ist eine Erholung nicht nur sehr, sehr unwahrscheinlich, sondern würde auch lange Zeit in Anspruch nehmen.“

Wichtige Weichen werden gestellt
Das Jahr 2021 sei aus all diesen Gründen ein ebenso dramatisches wie wichtiges für die Südtiroler Milchwirtschaft. „In diesem Jahr werden Weichen dafür gestellt, ob und wie sich die Berglandwirtschaft in Südtirol entwickeln wird“, ist der Obmann des Sennereiverbandes überzeugt. „Es ist zudem ein Jahr, in dem sich zweierlei ganz deutlich zeigen wird“, ergänzt Reinalter. „Zum einen, ob die so oft betonte Bedeutung der Berglandwirtschaft für Südtirol, für seine Landschaft, die Wirtschaft und Gesellschaft ernst genommen wird. Und zum anderen, ob das so oft gehörte Bekenntnis der Politik zum Erhalt der Berglandwirtschaft sich auch in einer angemessenen Berücksichtigung der Milchwirtschaft im Rahmen des Corona-Hilfspaketes widerspiegelt.“