Südtiroler Landwirt, Produktion | 18.02.2021

Neue Tierwohlkriterien im Stallbau

Mit zwei Beschlüssen der Landesregierung wurden die Förderkriterien für den Neu- und Umbau von Ställen für Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde neu aufgelegt. In folgendem Beitrag sind die Kernpunkte in Bezug auf die Anforderungen an Tierwohl und -schutz zusammengefasst. von Hannes Klocker, Bring

Künftig werden Neubauten für Anbindeställe nicht mehr gefördert, Verbesserungen im Sinne des Tierwohls dagegen schon. Foto: A. Bertagnoll

Künftig werden Neubauten für Anbindeställe nicht mehr gefördert, Verbesserungen im Sinne des Tierwohls dagegen schon. Foto: A. Bertagnoll

Die Beschlüsse der Landesregierung Nr. 90 vom 11.2.2020 und Nr. 940 vom 24.11.2020 regeln die Voraussetzungen zur Förderung des Neu- und Umbaus von Wirtschaftsgebäuden zur Unterbringung des Viehs samt Nebenräumen, Futterbergeräumen und Lagerstätten für Wirtschaftsdünger. So ist ein Projekt künftig nur förderfähig, wenn dabei die Anforderungen an das Tierwohl und den Tierschutz erfüllt sind. Für ein Projekt müssen demnach auch zwei Stellungnahmen einer anerkannten Beratungsorganisation eingeholt werden. Die erste Stellungnahme kann ab der Genehmigung des Einreichprojektes erstellt und muss dem Beitragsansuchen beigelegt werden. Die zweite Stellungnahme entspricht einer Abnahme der umgesetzten Bauarbeiten vor Ort. Bei kleineren Ställen bis zu zehn Großvieheinheiten kann diese auch ein befähigter Freiberufler ausstellen (Agronom, Forstwirt, diplomierter Agrartechniker, Tierärztekammer).

Vier Bewertungsblöcke

Der Bewertung liegen die vier Bewertungsblöcke Raum und Ruhe, Futter und Wasser sowie Licht und Luft zugrunde. Diese entsprechen im Wesentlichen den Grundfreiheiten jeder Nutztierart. Die Bewertungsblöcke bestehen aus sogenannten Pflicht- und Standard­kriterien. Wie die Bezeichnung Pflichtkri­terium schon sagt, müssen diese Kriterien zwingend erfüllt werden, um in den Genuss einer Förderung zu kommen. Unter diese Pflichtkriterien fallen z. B. im Rinderlaufstall im Bewertungsblock Raum und Ruhe das Vorhandensein einer Abkalbebox mit einer Mindestgröße von 10,5 Quadratmetern. Ebenfalls ein Pflichtkriterium stellt bei Neubauten die Mindestdeckenhöhe von drei Metern ab Futtertisch dar. Die sogenannten Standard­kriterien werden mittels Punktesystem bewertet. Für jeden Bewertungsblock müssen die Pflichtkriterien und insgesamt mindestens 55 Prozent der Punktezahl erreicht werden, damit eine positive Stellungnahme ausgestellt werden kann. 

In der Berechnung der Gesamtpunktezahl werden die Bewertungsblöcke unterschiedlich stark gewichtet: der Bereich Raum und Ruhe mit 40 Prozent, der Bereich Futter und Wasser sowie die Bereiche Licht und Luft jeweils mit 20 Prozent. 

Die jeweiligen Kriterien wurden durch das Dekret des Abteilungsdirektors vom 9. März 2020, Nr. 4319, veröffentlicht. Interessierte Landwirte oder Techniker können übersichtlich gestaltete Kriterientabellen beim Beratungsring Berglandwirtschaft BRING erhalten.

Verbesserung bestehender Anbindeställe 

Für den Neubau von Anbindeställen gibt es mit der neuen Förderperiode keine Förderung mehr. Es werden jedoch Verbesserungen von bestehenden Anbindeställen gefördert. Hier ist im Bereich Raum und Ruhe ein separater Block mit Sonderbereichen vorgesehen, welche 45 Prozent der Punktezahl ausmachen. Unter diese besonderen Bereiche fallen Abkalbebox, Auslauf oder ein Laufstallabteil für Trockensteher. Die Realisierung dieser Bereiche ist zwar nicht verpflichtend, es wird aber empfohlen, zumindest einen der Bereiche einzuplanen, damit die Mindestpunktezahl von 55 Prozent erreicht werden kann. Ein wichtiges Pflichtkriterium beim Umbau von Anbindeställen ist die Mindestfensterfläche von zehn Prozent der Stallgrundfläche. Die Fensterfläche bei alten Anbindeställen liegt in vielen Fällen darunter und es müssen größere Fenster eingeplant werden.

Neben der Einhaltung des Tierwohls, müssen ab nun auch bei allen Um- und Neubauten die vom Gewässerschutz vorgeschriebenen Wirtschaftsdüngerlager nachgewiesen werden.

Der BRING gehört zu den anerkannten Beratungsorganisationen, welche die Stellungnahmen ausarbeiten. Die Berater für Bauwesen kennen die Vorgaben und arbeiten in der Erstellung von Stallkonzepten nach den Prinzipien der Grundfreiheiten der Tiere, deshalb wird es sich für den Landwirt auszahlen, bereits früh den BRING zur Planung eines neuen Wirtschaftsgebäudes hinzuzuziehen.  

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Kontakt zum BRING

Beratungsring Berglandwirtschaft
Galvanistraße 38, Bozen, Tel. 0471 063890
E-Mail: info@bring.bz.it, www.bring.bz.it