Südtiroler Landwirt, Produktion | 18.02.2021

Stein- und Beerenobstbautagung

Ein forderndes, aber gutes Beeren- und Steinobstjahr ist die Bilanz für 2020. Was Bäuerinnen und Bauern dieser Nischenkulturen für dieses Jahr erwartet, war Thema bei der 34. Stein- und Beerenobsttagung. Sie wurde heuer online abgehalten.

Der Anbau von Kirschen kann für Betriebe einen interessanten Zuerwerb darstellen. Foto: Beratungsring Obst- und Weinbau

Der Anbau von Kirschen kann für Betriebe einen interessanten Zuerwerb darstellen. Foto: Beratungsring Obst- und Weinbau

Während bei Kirschen im vergangenen Jahr mittlere Erträge erzielt wurden, waren sie bei den Marillen überdurchschnittlich. Eugen Tumler vom Beratungsring für Obst und Weinbau und Igor Schweiggl vom Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) berichteten anlässlich der diesjährigen Stein- und Beerenobsttagung: „Auch die Beerenobstbauern sprechen generell von einer guten Saison. Die Früchte guter Qualität, die an die Genossenschaften geliefert wurden, konnten zu angemessenen Preisen verkauft werden.“ 

Die Witterung stellte Bäuerinnen und Bauern aber vor Herausforderungen. Auch Schädlinge wie die Kirschessigfliege beschäftigten die Anbauer im letzten Jahr. Die Monitoring-Programme der beiden Beratungsorganisa­tionen helfen Anbauern und Beratern, die Befallssituationen besser beobachten und Maßnahmen rechtzeitig ergreifen zu können. 

Die 34. Stein- und Beerenobstbautagung fand heuer in Form eines Webinars statt. Organisiert und abgehalten wurde die Fachtagung vom Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING), dem Beratungsring für Obst- und Weinbau, dem Versuchszentrum Laimburg und den weiteren Akteuren der Fachgruppe Sonderkulturen, die im BRING organisiert sind: Bioland Südtirol, Egma Vilpian, die Fachschulen der land-, forst- und hauswirtschaftlichen Berufsbildung, der Südtiroler Bauernbund und der Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse (VIP).

Einsatz von Nützlingen 

Über den Einsatz von Nützlingen in der Praxis sprach Markus Hilgensloh von der NüPA GmbH aus Deutschland. Er betonte, dass für einen erfolgreichen Einsatz von Nützlingen die Ansprüche der jeweiligen Gegenspieler bekannt sein müssen. Bei der Bekämpfung von Spinnmilben beispielsweise erweist sich, vor allem im geschützten Anbau, der Einsatz von Raubmilben als Erfolg versprechend. Regelmäßige Kontrollen des Befalls, des Vegetationsstadiums sowie der Temperatur sind dabei unabdingbar, aber zeitintensiv. Bei Kirschen und im ungeschützten Freiland­anbau von Strauchbeeren beschränkt sich der Nützlingseinsatz derzeit noch auf einzelne Anstrengungen. 

Die notwendigen Temperaturen für die typischen Blattlausgegenspieler wie Schlupfwespen und die Tageslängen für räuberische Gallmücken werden im ungeheizten Anbau im zeitigen Frühjahr nicht erreicht. Hier kann zunächst mit Schwebfliegen, Florfliegen und Siebenpunkt-Marienkäfern eine Befallsminderung erwirkt werden. Auch das sei aber sehr witterungsabhängig, meinte der Experte aus Deutschland. In Beständen mit mehreren Blattlausarten oder bei Unkenntnis der Arten werden häufiger auch Schlupfwespenmixe eingesetzt. 

Der Einsatz von Nützlingen ist im Vergleich zum konventionellen Pflanzenschutz kostenintensiver. „Es ist, so Markus Hilgensloh, in Deutschland jedenfalls das Ziel, den vermehrten Einsatz von natürlichen Gegenspielern weiter zu etablieren.“ Durch das Auftreten verschiedener weiterer Schädlinge wie Thripse, Blütenstecher, diverse Gallmücken und vor allem die Kirschessigfliege kann eine Insektizid-Behandlung dennoch notwendig werden. Dann ist zu prüfen, ob die zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmittel eine möglichst hohe Wirkung auf den Schädling bei gleichzeitig geringer Wirkung auf die jeweiligen Nützlinge haben. Wenn dies nicht miteinander kombinierbar ist, sind die Produkte so zu wählen, dass zumindest eine möglichst kurze Karenzzeit einzuhalten ist, bis erneut natürliche Gegenspieler zum Einsatz kommen. Behandlungen von Befallsherden oder einzelner Pflanzenteile sollten ebenfalls in Erwägung gezogen werden, um etablierte Nützlinge so wenig wie möglich zu schädigen.


Den ganzen Bericht lesen Sie ab Freitag in der Ausgabe 3 des „Südtiroler Landwirt“ vom 19. Februar oder online auf „meinSBB“.