Bauernbund | 18.03.2021

Dieses Haus atmet Geschichte

Wenn sich Andreas Hofer „seinen“ Hatzeshof heute anschaut, ist er sich sicher: Ihn für sich und seine junge ­Familie zu sanieren, war die richtige Entscheidung. Dabei geholfen hat ihm die „Ideenwerkstatt Planen“, ­Vorläufer der Bauernhaus-Sanierungsberatung. von Renate Anna Rubner

Ein historischer Bauernhof der modernen Ansprüchen des Wohnens angepasst wurde: der Hatzeshof in Tschöfas/Lajen. Foto: Gustav Willeit

Ein historischer Bauernhof der modernen Ansprüchen des Wohnens angepasst wurde: der Hatzeshof in Tschöfas/Lajen. Foto: Gustav Willeit

Es wäre der leichtere und kostengünstigere Weg gewesen: Andreas Hofer und seine Frau Anita hätten den alten Hatzeshof in Tschöfas in Lajen einfach abreißen und sich stattdessen ein neues, komfortables Einfamilienhaus aufstellen können. Aber das kam für sie nicht in Frage, beide waren sich einig: Dieses Haus atmet Geschichte, das wollen wir für uns erhalten! Trotzdem brauchte es einen Anstoß von außen, um die Geschichte des Umbaus ins Rollen zu bringen: Und den gab der Wettbewerb „Ideenwerkstatt Planen“, im letzten Jahr ersetzt durch die Bauernhaus-Sanierungsberatung. 

Großer leer stehender Hof

Aber lassen Sie uns die Geschichte von vorne erzählen: Sie begann im Jahr 2015, als Alois Hofer und seine Frau Melitta überlegten, ihren Milchviehbetrieb mit etwa 30 Hektar Wald und 13 Hektar Mähwiesen an ihren Sohn Andreas zu übergeben. Damit stellte sich für sie automatisch auch die Frage, ob der Jungbauer neben dem landwirtschaftlichen Betrieb auch die Garni übernehmen würde. Die hatten sie im Jahr 1976 neben dem alten Hatzeshof neu gebaut und dort mit ihrer Familie gelebt, während die Oma im alten Gebäude wohnen geblieben war. Das alte Haus war zwar groß und bot für viele Jahre noch einem alten Knecht Wohnung, es gab aber keine Zentralheizung im Haus. Auch fließend Wasser gab es nur in der Küche. 

Deshalb stand der Hatzeshof schon seit Jahren leer, er hätte grundlegend saniert und renoviert werden müssen, um einen zeitgemäßen Wohnkomfort bieten zu können. Da stieß Melitta Hofer auf einen Beitrag und Aufruf im „Südtiroler Landwirt“: Bauern­familien, die einen sanierungsbedürftigen historischen Hof besitzen, sollten sich für „Ideenwerkstatt Planen“ melden. 

Kurz­ entschlossen rief man beim Südtiroler Bauernbund an und reichte dann Fotos und Unterlagen ein, die für die Teilnahme an dem Wettbewerb nötig waren. Bald darauf erhielt Familie Hofer in Tschöfas/Lajen einen Anruf, mit dem der Bauernbund einen Lokalaugenschein mit Architekten ankündigte. Der erste Schritt war schon getan.

Lokalaugenschein und Auswahl

Nach diesem ersten Lokalaugenschein gab es bald schon einige Sanierungsvorschläge, die es zu bewerten galt: Eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der Architekturstiftung Südtirol, des Südtiroler Bauernbundes, des Landesbeirats für Baukultur und verschiedener Landesämter entschieden gemeinsam mit Andreas Hofer als Besitzer, welches der Projekte den Wettbewerb gewinnen sollte. Damit fiel auch die Entscheidung für Andreas Hofer: Er und seine Frau Anita würden den Hof sanieren. Gemeinsam mit dem Architekturbüro „Raum 3 Architekten“ aus Brixen, das für das Siegerprojekt verantwortlich zeichnete.

Eine gute Entscheidung, wie sich Andreas und Anita sicher sind: „Felix Kasseroler, der unser Projekt betreut hat, hat sich als sehr kompetenter Bauleiter erwiesen. Er war immer da, wenn es Entscheidungen zu treffen galt.“ Und derer gab es einige! Schließlich war der Hatzeshof in Vorbereitung der Sanierung auch noch unter Denkmalschutz gestellt worden.

Baubeginn im März 2019

Im Jahr 2016 hatte Andreas die Landwirtschaft übernommen, seine Schwester führt seitdem die Garni, in der die Eltern leben. Im März 2019 wurde Baubeginn am Hatzeshof gemeldet. Es folgten anstrengende Zeiten für die jungen Bauersleute. Die beiden Kinder waren noch klein, der Umbau aufwendig: Die Außenmauern mussten saniert und das Dach erneuert werden, die Decken angeglichen, die Böden ausgetauscht. Das hat viel Geduld gekostet. Den Architekten, den beiden Bauherren, aber auch Alois und Melitta Hofer: Denn die sprangen immer ein, wo es sie brauchte – im Stall, bei der Hofarbeit und bei den Kindern. Viel Unterstützung erhielt die junge Familie auch von Anitas Mutter Maria. Endlich, im Juni 2020, wurde eingezogen. 

Wohnungen für Urlaub auf dem Bauernhof

Heute leben sie in der Parterrewohnung, in den Obergeschossen sind drei Ferienwohnungen für Urlaub auf dem Bauernhof eingerichtet. Die beiden haben lange überlegt, ob sie sich diesen Zuerwerb am Hof schaffen wollen. Beide sind nämlich Neueinsteiger bei der Gästebetreuung. Aber letztendlich entschieden sie sich dafür: „Die Kosten waren letztendlich nicht übermäßig höher, als wenn wir uns nur ein Eigenheim geschaffen hätten“, sagt Andreas Hofer. „Und so kommt zumindest auch etwas zusätzlich herein, auch wenn wir mit letztem Jahr kein besonders gutes Jahr für den Beginn erwischt haben“, meint er. Dafür ist der Keller vorerst so geblieben, wie er war. „Den nehmen wir uns in einem zweiten Moment vor, wenn wir wieder etwas auf die Seite gelegt haben, erklärt der junge Bauer. Nun ist er erst mal zufrieden: „Wenn ich mir das Ergebnis anschaue, weiß ich, dass sich die Mühe gelohnt hat“, sagt er, es sei aber eine sehr anstrengende, fordernde Zeit gewesen. Bereut habe er den Umbau aber nie. „Das Haus abzureißen, war für uns keine Option. Weil es einfach eine Geschichte hat. Und für mich auch viele Erinnerungen!“, sagt Andreas Hofer. 


Weitere Informationen zur individuellen Bauernhaus-Sanierungsberatung sowie die Unterlagen zur Anmeldung finden Sie unter https://www.sbb.it/home/projekte/bauernhaus-sanierungsberatung.