Leben, Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 16.04.2021

„Letztes Wort kommt nicht von uns“

Welche Pflanzen sind gute Nachbarn? Woher bekommt man gutes Saatgut? Gabriela Preims Haas, Bäuerin am Märzengut in Riffian und Hof- und Gartenführerin, gibt Antwort auf diese Fragen. Sie erklärt auch, weshalb sie zum Umstechen keine Schaufel verwendet. von Magdalena Riegler, SBO

Hof- und Gartenführerin Gabriela Preims Haas in ihrem Mischkultur-Garten am Märzengut in Riffian. Foto: SBO, Armin Huber

Hof- und Gartenführerin Gabriela Preims Haas in ihrem Mischkultur-Garten am Märzengut in Riffian. Foto: SBO, Armin Huber

Sobald es warm wird im Frühjahr, beginnt die Saison im Gemüsegarten. Die Beete werden vorbereitet, es wird gesät und gepflanzt. Für Anfängerinnen hat Gabriela Preims Haas Tipps, damit der Gemüsegarten ein Erfolg wird. Die Hof- und Gartenführerin der Marke „Südtiroler Bäuerinnen. Aus unserer Hand“ beginnt ihr Gartenjahr am 17. März. Warum, erzählt sie im Interview mit dem „Südtiroler Landwirt“.

Südtiroler Landwirt: Frau Preims, wann beginnen Sie im Frühjahr damit, den Garten vorzubereiten?

Gabriela Preims Haas: Der 17. März ist der Heilige-Gertraud-Tag. Sie ist die Beschützerin des Gartens, damit ist dieser Stichtag der Auftakt des neuen Gartenjahres. Gerade ich als „Gartensüchtige“ muss mich in den warmen Märztagen zurückhalten, um der Natur nicht schon vorauszueilen, denn in der Geduld liegt die Kraft für das Neue. 

Ich beginne mit der Bodenbearbeitung, sobald die Erde nicht mehr an den Schuhen hängen bleibt, das heißt, sobald der Boden oberflächlich abgetrocknet ist. Bei uns in Südtirol sind aber die verschiedenen Höhenlagen zu bedenken: Wenn ich auf 600 Meter Meereshöhe schon den ersten Salat säe, heißt das noch nicht, dass das in allen Lagen möglich ist. Der Boden ist für mich etwas Kostbares, das ich schätze und gerne pflege. Denn er ist die Grundlage für gesundes Pflanzenwachstum, schließlich wachsen darauf unsere wertvollen Lebensmittel. 

Wie bearbeiten Sie Ihren Gemüsegarten, was beachten Sie dabei, und welche Werkzeuge sind notwendig?

Für die Bearbeitung nehme ich eine Grabgabel, um die Regenwürmer nicht zu verletzen, was mit einer Schaufel gerne passiert. Umstechen tue ich nur die oberste Schicht
(10 bis 20 cm Mutterboden), die lockere ich auf, damit die Erde gut belüftet und feinkrümelig wird. Das fördert nicht nur die Bodenerwärmung und die Bodenorganismen, auch das Wasser kann so besser gespeichert werden. Tiefer lockere ich nicht, denn gewisse Bodenorganismen braucht es in der Tiefe, und die sollen auch da bleiben. Ist der Boden eher verdichtet („gleim“), kann man Sand und Kompost einarbeiten. In einen sandigen Boden empfehle ich, Kompost oder gut verrotteten Stallmist einzuarbeiten, um den Boden zu beleben. 

Was können Sie als Düngung empfehlen?

Zur Bodenverbesserung (Düngung) verwende ich organische Mittel, zum Beispiel Mist, Stroh, Pflanzenreste oder Pflanzenjauche. Sie sind besser für die Umwelt, da sie ohnehin im Nährstoffkreislauf vorkommen. Auch über Schafwolle, die zerrupft bei der Pflanzung mit ins Pflanzloch gegeben wird, freuen sich Pflanze und Boden.

Gilt das für alle Pflanzen? 

Nein, denn jede Pflanze hat verschiedene Bedürfnisse. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Starkzehrer, wie z. B. Kohl, Zucchini, Kürbis oder Paradeiser, sich über eine zweite Düngergabe freuen, da die Fruchtbildung für die Pflanze sehr energieaufwändig ist. Minzen und Zitronenmelisse gehören auch dazu, die kriegen nach jedem Schnitt verdünnte Brennnesseljauche. Mit meiner selbst angesetzten Brennnesseljauche habe ich im Garten sehr gute Erfahrungen gemacht, sie belebt nicht nur den Boden, sondern wirkt auch pflanzenstärkend. 

Mittelzehrer wie Salat, Karotten oder Zwiebeln kriegen bei mir außer im Frühjahr Kompost oder alten Mist, keine Düngergabe mehr. Die meisten mediterranen Kräuter sind Schwachzehrer, da können zu viele Nährstoffe schaden. Etwas Gesteinsmehl zur Bodenverbesserung im Frühjahr reicht ihnen.

Welche Tipps haben Sie für Garten-Neueinsteigerinnen? Wie startet man sozusagen von null, und was gibt es beim Anlegen eines Beetes zu beachten?

Sollte jemand einen Garten neu anlegen, wäre eine sonnige bis halbschattige, luftige Lage von Vorteil. Unabhängig von der Größe des Gartens empfehle ich, eine Skizze anzufertigen, sich Gedanken darüber zu machen, was im Garten wachsen soll, und zu bedenken, dass klein Angepflanztes größer wird und mit der Zeit entsprechend mehr Platz braucht. Für die Beetbreite würde ich 1,20 Meter einrechnen und für die Gehwege sind 30 Zentimeter ausreichend. Ein Gartenzaun kann nicht nur schön sein, er hält auch ungebetene Gäste fern und ist die perfekte Stütze für Himbeeren und Dahlien. Bevor ein neuer Gemüsegarten angelegt wird, kann man im Herbst vorher eine Gründüngung einsäen, z. B. Winterroggen im September in den grob umgearbeiteten Boden einsäen, mit dem Eisenrechen leicht einarbeiten und zur schnellen Keimung kräftig angießen. Im Frühjahr wird die oberirdische Pflanzenmasse abgemäht und zerkleinert. Auch das Wurzelwerk wird beim Umstechen mit in den Boden eingearbeitet. Das ist für die fleißigen Bodenlebewesen die beste Grundlage zur Humusbildung. 

Und dann kann man mit dem Pflanzen loslegen?

Nun kann man entscheiden, ob man den Garten in Mischkultur oder nach Fruchtfolge anbauen möchte. Während es bei der Mischkultur um die Frage geht, welche Pflanzen als Nachbarn voneinander profitieren, geht es bei der Fruchtfolge um die Kulturen auf einem Beet über Jahre hinweg (Felderwirtschaft). Bei mir im Garten „regiert“ die Mischkultur. Ich finde, je größer die Vielfalt im Garten, desto gesünder bleibt er. Bunt gemischt mit essbaren Blütenpflanzen, Kräutern und Gemüse, die ich für die Verarbeitung, zum Beispiel zu Sirup und Kräutersalze, verwende, bringe ich eine große Vielfalt auch für Bienen und andere Nützlinge in den Garten. Der richtige Beet-Partner kann vor Krankheiten und Schädlingen schützen. Eine gute Nachbarschaft bildet z. B. Knoblauch zwischen den Erdbeeren, der beugt Pilzkrankheiten vor. Bohnenkraut zwischen Bohnen wirkt gegen die Schwarze Bohnenlaus, und die Wurzelausscheidungen der Ringelblume helfen gegen Drahtwürmer.  Zwiebeln und Karotten sowie Gurken und Basilikum vertragen sich sehr gut. Es ist einfach ein Geben und Nehmen!

Den ganzen Bericht lesen Sie in der Ausgabe 7 des „Südtiroler Landwirt“ vom 16. April auf Seite 25 oder online auf „meinSBB“.