Produktion, Südtiroler Landwirt | 30.04.2021

Sensor, Funk und App: ein Service

Ist der Boden trocken? Oder ist er noch genügend feucht, um meine Apfelanlage im aktuellen Vegetations­stadium ausreichend mit Wasser zu versorgen? Smart Land kann diese Fragen beantworten. Und damit helfen, die Ressource Wasser zielgerecht einzusetzen. von Renate Anna Rubner

Bei der Entscheidung, ob eine Apfelanlage bewässert werden muss oder nicht, kann ein Sensor mit dazugehöriger App helfen.

Bei der Entscheidung, ob eine Apfelanlage bewässert werden muss oder nicht, kann ein Sensor mit dazugehöriger App helfen.

Sensoren messen die Bodenfeuchte, und eine App hilft dabei, die so erhaltenen Daten richtig zu interpretieren und entsprechend zu bewässern oder eben nicht. Smart Land, ein Gemeinschaftsprojekt von Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, Versuchszentrum Laimburg und Alperia ist ein Instrument zur Bodenfeuchtemessung in den Obstanlagen. Was Smart Land konkret kann und was für die Zukunft geplant ist, erklärt Raimund Frei. Er ist Produktmanager bei Alperia und begleitet seit zwei Jahren das Pilotprojekt Smart Land. 46 Bäuerinnen und Bauern haben den Prototyp getestet und zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Sensors beigetragen. Nun ist er auf dem Markt. 

Südtiroler Landwirt: Herr Frei, können Sie in kurzen Sätzen erklären, was Smart Land ist?

Raimund Frei: Smart Land ist ein Gemeinschaftsprojekt: Das Versuchszentrum Laimburg hat seine wissenschaftliche Expertise durch jahrelange Messungen und Beobachtungen eingebracht. Der Beratungsring hat bei der Entwicklung geholfen und stellt die App zur Verfügung. Und Alperia hat die Sensoren entwickeln lassen und sie zwei Jahre lang getestet. Alperia sammelt also die Rohdaten der Sensoren, gibt sie an den Server des Beratungsrings weiter, wo sie aufbereitet werden, sprich mit Daten über die jeweilige Sorte, das Vegetationsstadium, die Niederschlagsmenge und dergleichen aufgearbeitet werden. Daraus entsteht dann, ähnlich wie beim Frostschutz eine Empfehlung, ob die Anlage bewässert werden soll oder nicht. 

Wie ist Smart Land entstanden?

 Alperia hatte bereits ein Funknetz nach dem LoRaWan™-Standard installiert, um es für interne Zwecke (Zählerablesung, Park­sensoren, Öff. Beleuchtung) zu nutzen. Dafür haben wir neue Anwendungsgebiete gesucht und gesehen, dass die Landwirtschaft für dieses System prädestiniert ist. Denn Sensoren werden in der Landwirtschaft vielfältig eingesetzt, benötigen in der Regel eine externe Stromversorgung oder generieren höhere Kosten z. B. durch den Einsatz von SIM-Karten­ für die Übertragung. 

Also hat sich Alperia dazu entschieden, einen Sensor zu entwickeln, auf Anregung des Beratungsrings zunächst einen Bodenfeuchtemesser. Den es bisher noch nicht gab, denn im Obstbau braucht es andere Sensoren als zum Beispiel im Gemüseanbau, allein schon was die Bodentiefe anlangt, in der gemessen werden muss. Im Weinbau braucht es wieder andere Geräte, weil dort noch tiefer gemessen werden muss. Nun gibt es also einen Sensor, der über LoRaWan™ senden kann. 

Was sind die Vorteile des LoRaWan™-Funknetzes, mit dem Smart Land arbeitet? 

Das LoRaWan™-Funknetz ist im Aufbau wie ein Mobilfunknetz: Der Sensor schickt die Daten an eine Antenne im Umkreis von etwa zehn Kilometern. Eine Antenne kann bis zu 10.000 Sensoren verwalten. Zwischen Bozen und Meran ist beispielsweise mit drei bis vier Antennen der Talkessel schon abgedeckt. 

Die Antennen sind mit einem zentralen Server verbunden, der die Rohdaten verschlüsselt annimmt und an den Server des Beratungsrings weiterleitet. Dort werden die Rohdaten weiterverarbeitet. 

Im Gegensatz zum Mobilfunknetz ist LoRaWan™ auf extrem niedrigen Stromverbrauch und extrem niedrige Sendeleistung ausgelegt.  Deshalb reicht die Batterie für fünf bis acht Jahre. Sobald sie ausgetauscht werden muss, macht das Alperia. Das gehört zur Dienstleistung dazu. Weiterer Vorteil: Der Sensor kann auch im Winter in der Anlage bleiben. 

Die Antennen gibt es schon?

Ja, 96 Prozent der Obst- und Weinbaufläche Südtirols sind bereits damit abgedeckt. Auf unserer Webseite kann man die Abdeckung auch selber kontrollieren. Darin kann jede Bäuerin und jeder Bauer ihren/seinen Standort mithilfe der interaktiven Karte kontrollieren. 

Wie ist nun der aktuelle Stand?

Also, der Obstbausensor, das Tensiometer, ist inzwischen serienreif und auf dem Markt. Der Weinbausensor, der ganz anders sein wird, weil durch die Tiefe ein anderes Messverfahren angewandt werden muss, ist bereits am Ende der Testphase. Er wird ab nächster Saison verfügbar sein. 

Derzeit sind weitere Anwendungen in Entwicklung, teils aber noch in ganz frühem Stadium. Da gilt es noch zu entscheiden, in welche Richtung es künftig gehen soll. Langfristig wollen wir aber einen gewichtigen Beitrag dazu leisten, die Landwirtschaft zu digitalisieren: zum Beispiel durch Niederschlagsmessung direkt vor Ort oder sogar die Steuerung von Bewässerungsventilen. Laut Beratungsring sind das die Bedürfnisse, die die Landwirtschaft hat. Es ist aber noch ein langer Weg dorthin, weil diese Themen sehr komplex sind und viele Faktoren mit hineinspielen. 

Was bringt das Projekt für Bäuerinnen und Bauern?

Jede Bäuerin und jeder Bauer hat Erfahrungswerte und denkt, die eigenen Anlagen und die Bedingungen darin zu kennen. 

Durch die Feldversuche der letzten beiden Jahre mit insgesamt 150 Tensiometern haben wir aber interessante Rückmeldungen erhalten: nämlich dass Bäuerinnen und Bauern oft durch die exakte Messung gemerkt haben, dass ihre Erfahrungen und Einschätzungen oft auch nicht mit der Realität übereinstimmten. Was man exakt messen kann, gibt auch genaue Daten und führt so zu besseren Entscheidungen.



Das ganze Interview finden Sie in der Ausgabe 8 des „Südtiroler Landwirt“ vom 30April ab Seite 47 oder online auf „meinSBB“.