Arbeitssicherheit | 30.04.2021

Sichere Arbeitsmittel am Hof

Das Arbeiten im landwirtschaftlichen Betrieb mit sicheren Arbeitsmitteln reduziert das Risiko eines Unfalles. Welche Schritte dabei zu beachten sind, beschreibt der folgende Beitrag. von Stephen Gallmetzer Kaufmann

Nur wenn bestimmte Arbeitsmittel am Hof regelmäßig überprüft werden, ist ihre Verwendung auch rechtlich abgesichert.

Nur wenn bestimmte Arbeitsmittel am Hof regelmäßig überprüft werden, ist ihre Verwendung auch rechtlich abgesichert.

Laut den geltenden Bestimmungen dürfen Arbeitsmittel nicht verwendet werden, wenn sie nicht den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Dies gilt sowohl für landwirtschaftliche Arbeitgeber als auch für selbstständige Landwirte bzw. Familienbetriebe – insbesondere dann, wenn die Arbeitsmittel von landwirtschaftlichen Arbeitnehmern benutzt werden, wie es zum Beispiel bei der Ernte der Fall sein kann.

CE-konforme Arbeitsmittel

Ein Arbeitsmittel gilt als sicher, wenn es keine oder nur geringe Gefahren birgt, die mit seiner Verwendung vereinbar und unter Wahrung eines hohen Schutzniveaus für die Gesundheit und Sicherheit von Personen vertretbar sind. Die Hersteller dürfen nur Arbeitsmittel in den Verkehr bringen, die die allgemeinen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Weiters müssen die Hersteller dem Benutzer Informationen zur Risikobeurteilung erteilen, wenn die Risiken nicht unmittelbar erkennbar sind. Diese Informationen sind in der Bedienungsanleitung des Arbeitsmittels enthalten.

Ein Arbeitsmittel, das der entsprechenden Produktrichtlinie (u. a. die Maschinenrichtlinie) entspricht, ist mit der CE-Kennzeichnung versehen. Die CE-Kennzeichnung zeigt, dass das Arbeitsmittel bestimmten Sicherheitsanforderungen – vor allem zum Schutz der Benutzer – gerecht wird. Diese grundlegenden Anforderungen werden von der jeweiligen Produktrichtlinie festgelegt. Hersteller dürfen auf Arbeitsmitteln, die nicht in einer Produktrichtlinie erfasst werden, keine CE-Kennzeichnung anbringen.

Daher beginnt die Sicherheit der Arbeitsmittel schon bei deren Anschaffung. Beim Kauf von Arbeitsmitteln geht es also darum, bestimmte Fragen zu klären: Ist das Arbeitsmittel für den vorgesehenen Einsatz im eigenen Betrieb tatsächlich geeignet? Ist es sicherheitskonform, bzw. sind keine offensichtlichen Mängel vorhanden? Sind negative Auswirkungen auf die Arbeitsumgebung zu erwarten (z. B. Lärm)? Ist es bedienungsfreundlich?

Der Hersteller oder Verkäufer (Inverkehrbringer) muss dem Käufer eines Arbeitsmittels folgende Dokumente aushändigen:

  • EG-Konformitätserklärung: In dieser Erklärung bescheinigt der Hersteller oder Inverkehrbringer, dass die Maschine allen einschlägigen Bestimmungen der Maschinenrichtlinie entspricht.
  • Betriebsanleitung: Zu den wichtigsten Angaben zählen die bestimmungsgemäße Verwendung und vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung, Sicherheits- und Warnhinweise, Restrisiken, die Bedienungsanweisung, die Störungsbehebung, Instandhaltung und Wartung.
  • Zusätzlich muss die CE-Kennzeichnung auf dem Arbeitsmittel angebracht sein und besteht aus den Buchstaben „CE“. Diese Plakette enthält weitere spezifische Angaben zum Arbeitsmittel (u. a. Baujahr, Modell, Seriennummer usw.).

Vorteile rechtskonformer Arbeitsmittel 

Die Anschaffung von rechtskonformen Arbeitsmitteln bietet daher wichtige Vorteile für den landwirtschaftlichen Betrieb:

  • Schutz der Benutzer: Egal ob selbststän­diger Landwirt, mitarbeitendes Familienmitglied oder Arbeitnehmer – mit der Anschaffung und Verwendung sicherer Arbeitsmittel sind Leben und Gesundheit aller Benutzer im Betrieb geschützt.
  • Keine kostspieligen Nachrüstungen: Wenn sich nach dem Kauf herausstellt, dass ein Arbeitsmittel nicht sicherheitskonform ist, sind oft kostspielige Nachrüstungen erforderlich, welche man sich ersparen kann.
  • Weniger Betriebsstörungen: An sicheren und reibungslos funktionierenden Arbeitsmitteln gibt es auch weniger Betriebsstörungen.
  • Rechtlich besser geschützt: Bei einer Kontrolle – z. B. nach einem Arbeitsunfall – sind Arbeitgeber bzw. selbstständige Landwirte besser abgesichert, wenn sie nachweisen können, dass sie sicherheitskonforme Arbeitsmittel eingesetzt haben. 

Wer schon bei der Anschaffung an die Sicherheit der Arbeitsmittel denkt, hat später weniger Probleme. Weiters sind auch die periodischen Wartungen der eigenen Maschinen und Geräte vorzunehmen, um spätere Probleme an den Maschinen zu vermeiden, die durch den natürlichen Verschleiß und dergleichen entstehen könnten. Dies hilft, die Gesetzeskonformität, den Wert und die Einsatzfähigkeit zu erhalten und zu verbessern.

Meldung und periodische Überprüfung

Zusätzlich müssen bestimmte Arbeitsmittel in ein Verzeichnis eingetragen werden, erhalten eine Matrikelnummer und sind periodisch von einem befähigten Sachverständigen zu überprüfen. Die Eintragung in ein Verzeichnis, das Zuweisen einer Matrikelnummer und die periodischen Überprüfungen haben den Zweck, den tatsächlichen Erhaltungszustand sowie die Funktionstüchtigkeit der Sicherheitsvorrichtungen und des Arbeitsmittels zu kontrollieren. 

Die Meldung der Inbetriebnahme (umgangssprachlich auch „Immatrikulierung“) erfolgt über die Landesdirektion Bozen des Nationalen Unfallinstitutes INAIL. Davon betroffen sind u. a. im landwirtschaftlichen Bereich Hebebühnen und Obsterntemaschinen, selbst fahrende Stapler mit Teleskoparm, Hebemittel mit einer Tragfähigkeit von mehr als 200 Kilogramm (nicht handbetrieben), mobil, bewegbar oder fix wie Heukräne, Lastwagen/Traktor mit Kran.

Die Überprüfungen dürfen nur von befähigten Sachverständigen vorgenommen werden. Jeder Arbeitgeber oder Benutzer kann selbst den befähigten Prüfer aussuchen. Beim Antrag für die erste periodische Überprüfung muss ein befähigter Sachverständiger aus dem Verzeichnis des INAIL der Region Trentino-Südtirol ausgesucht werden. Auch hierfür ist ein Antrag an die Landesdirektion Bozen des Nationalen Unfallinstitutes INAIL notwendig. Für die weiteren periodischen Überprüfungen muss sich der Arbeitgeber oder Benutzer direkt an die befähigten Sachverständigen aus dem entsprechenden Landesverzeichnis wenden. Die erste und die weiteren perio­dischen Überprüfungen sind kostenpflichtig, und die Kosten sind vom Arbeitgeber oder Benutzer zu tragen. Die befähigten Sachverständigen haben sich an die staatlich festgelegten Gebühren zu halten.

Weitere Informationen können Bauernbund-Mitglieder im Infoblatt „Periodische Überprüfungen der Arbeitsmittel“ nachlesen. Dieses sowie die Listen mit den befähigten Sachverständigen und die staatlichen Gebühren sind im Portal „mein SBB“ unter dem Menüpunkt „Arbeitssicherheit“ zu finden. 

Ein Interview mit Prüfer Mirko Bombonato finden Sie in der Ausgabe 8 des „Südtiroler Landwirt“ vom 30. April auf Seite 30 oder online auf „meinSBB“.