Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 13.05.2021

Durchfahrt nur für Mitglieder

Konsortialwege sind für alle, die in der Talsohle Wiesen bewirtschaften, eine notwendige Infrastruktur. Diskussionen über ihre Nutzung gab es immer wieder. Jetzt droht mit dem geplanten Ausbau des Radwegenetzes rund um Bozen erneut ein Konflikt. von Bernhard Christanell

Die Bäuerinnen und Bauern benötigen die Konsortialwege für die tägliche Arbeit auf ihren Wiesen und Feldern.

Die Bäuerinnen und Bauern benötigen die Konsortialwege für die tägliche Arbeit auf ihren Wiesen und Feldern.

Bereits seit Jahren gehen im Bozner Rathaus die Wogen hoch, wenn das Wort „Weingartenweg“ fällt. Seit November des vergangenen Jahres hat der Streit um die Nutzung des Konsortialweges im Grieser Grünkeil zwischen der Alten Mendelstrasse und dem Krankenhaus Bozen einen Höhepunkt erreicht. Seit dem Spätherbst ist der Weingartenweg nämlich auf der Seite der Alten Mendelstraße durch ein großes Tor versperrt. Zwei Jahre zuvor war bei der Zufahrt in den Weingartenweg direkt am Bozner Landeskrankenhaus ein ebensolches Tor errichtet worden. 

Jahrelang – und vermehrt seit Beginn der Corona-Pandemie – war der Weingartenweg ein beliebter Spazierweg für die Boznerinnen und Bozner und vor allem der schnellste Weg zum Krankenhaus für die dicht bevölkerten Stadtviertel Don Bosco und Europa-Neustift gewesen. 

Sehr emotionale Diskussion

Die Tatsache, dass diese Abkürzung für Tausende Bürger der Landeshauptstadt nun nicht mehr möglich sein soll, sorgte in der Landeshauptstadt für einen Sturm der Entrüstung, dessen Ausläufer bis in die Landespolitik reichten. Eine Unterschriftenaktion gegen die Absperrung des Weges kam ins Rollen, die Bozner Gemeindeverwaltung wurde aufgefordert, den Weingartenweg zu enteignen und ihn „den Boznerinnen und Boznern zurückzugeben“. Schließlich sei die Beleuchtung im Weingartenweg mit öffentlichen Steuergeldern finanziert worden, und öffentliche Dienste wie die Müllentsorgung würden dort auch planmäßig vorgenommen.

Der Weingartenweg im Grieser Grünkeil ist ein Feldweg – auf gut „Südtirolerisch“ Konsortialweg genannt – und gehört zum Einzugsgebiet des Bodenverbesserungskonsortiums „Leege-Fagen-Gries-Quirein“. Wie es für Konsortialwege so üblich ist, gehört der Weg den Mitgliedern des Konsortiums: den Betrieben, die dort landwirtschaftlichen Grund bewirtschaften, und den Privatpersonen, die dort wohnen.

Vor rund zwei Wochen hat das Konsortium das neue Tor geschlossen – und hat laut Obmann Anton Kaufmann nicht vor, dieses so schnell wieder zu öffnen: „Die Situation ist vor allem in den vergangenen Monaten für uns untragbar geworden, der Weingartenweg wurde vor allem an den Wochenenden von Spaziergängern geradezu überrannt. Wir sind jederzeit zu Gesprächen bereit, es muss aber klar sein, dass der Weg uns gehört und wir ihn für unsere Arbeit brauchen!“

Das Beispiel des Streits um den Weingartenweg in Bozen zeigt deutlich auf, womit Konsortien, deren Einzugsgebiet an die Ballungszentren im Land angrenzt, fast tagtäglich zu kämpfen haben. Sie versuchen laufend, sich gegen die Nutzung ihrer Wege durch Nichtberechtigte zu wehren. Dass das ein Kampf gegen Windmühlen ist, weiß auch Florian Prenner. Er ist Direktor des Bonifizierungskonsortiums Passer-Eisackmündung, zu dessen Einzugsgebiet grob gesagt die gesamte Talsohle des Etschtals zwischen den beiden größten Südtiroler Städten Meran und Bozen gehört. In der Nähe der Landeshauptstadt gehören dazu auch die Zonen Neufeld und Kaiserau. 

Auch hier komme es immer wieder vor, dass Konsortialwege von Personen genutzt werden, die dazu nicht berechtigt sind, berichtet Prenner: „Unsere Konsortialwege waren jahrelang eine beliebte Abkürzung, um auf die MeBo-Zufahrt von Eppan oder mit dem Fahrrad auf den öffentlichen Radweg am Etschdamm zu gelangen. Um zumindest den Durchzugsverkehr mit den Autos zu unterbinden, haben wir an den entsprechenden Zufahrten Schranken angebracht, damit nur die Mitglieder des Konsortiums diese passieren können.“ 

Nichtsdestotrotz komme es immer wieder vor, dass Radfahrer oder Fußgänger in den Konsortialwegen unterwegs sind, die dort eigentlich nichts verloren haben. „Dagegen helfen auch Verbotsschilder und sonstige Hinweise offenbar nichts“, betont Prenner resigniert. 


Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 9 des „Südtiroler Landwirt“ vom 13. Mai auf Seite 4 oder online auf „meinSBB“.