Politik | 27.05.2021

„Tierwohl ist unser ureigenes Ziel“

Das Thema Tierschutz und Tierwohl ist auch in Südtirol auf der Tagesordnung der öffentlichen Diskussion ­angekommen. Der „Südtiroler Landwirt“ hat sich mit dem Bauernbund-Obmannstellvertreter Daniel Gasser über diese Themen unterhalten. von Bernhard Christanell

Daniel Gasser (im Bild mit seiner Prachtkuh Sterna) ist selbst passionierter Tierzüchter.

Daniel Gasser (im Bild mit seiner Prachtkuh Sterna) ist selbst passionierter Tierzüchter.

Dass Tiere gut und ordentlich gehalten werden müssen, ist wohl jedem Tierhalter klar. Schließlich sind es ja die Tiere, die das Hauptkapital der Südtiroler Bergbauernhöfe darstellen. Ohne Tiere gibt es keine Produkte, die man an die Genossenschaft abliefern oder direkt verkaufen kann – und damit auch kein Einkommen, mit dem der Hof überleben kann. Dennoch hat sich das Thema Tierwohl und Tierschutz auch hierzulande breitgemacht, nachdem es in den vergangenen Jahren vor allem in Deutschland aufgekommen war. Daniel Gasser ist nicht nur Bauernbund-Funktionär, sondern auch Obmann des Beratungsringes Berglandwirtschaft BRING und selbst passionierter Tierzüchter. Im Gespräch mit dem „Südtiroler Landwirt“ nimmt er zu mehreren aktuellen Themen Stellung.

Südtiroler Landwirt: Herr Gasser, erst vor wenigen Tagen gingen Meldungen von Tiertransporten in Südtirol durch die Medien, bei denen die Tiere nicht artgerecht behandelt wurden. Was denken Sie, wenn Sie solche Meldungen hören?

Daniel Gasser: Ich war gleich in mehrfacher Hinsicht schockiert, als ich von diesen Fällen erfahren habe. Zum einen als Tierzüchter, weil es mir im Herzen wehtut, wenn ich höre, wie man mit den Tieren umgeht. Zum anderen aber auch als Vertreter des Bauernstandes: Wir heißen solche Fälle überhaupt nicht gut! Landauf, landab predigen wir immer wieder davon, wie sorgsam der allergrößte Teil unserer Bäuerinnen und Bauern mit seinen Tieren umgeht. Wenn dann solche Fälle bekannt werden und negative Schlagzeilen machen, dann ist das für unsere Berglandwirtschaft, aber auch für jeden einzelnen Bergbauern und jede Bergbäuerin ein großer Imageschaden. Jedem Transporteur muss klar sein, dass er nicht nur den Tieren schadet, wenn er sie nicht ordnungsgemäß liefert. Er bietet auch eine Angriffsfläche in einer Diskussion, die ohnehin schon sehr schwierig und kontrovers ist. 

Alle Transporteure von Tieren leiden unter solchen Schlagzeilen, auch wenn alle anderen in Ordnung sind. Und die ganze Berg­landwirtschaft wird in ein schlechtes Licht gerückt. Wir können als Bauernbund nur klar Position beziehen und sagen: So geht das nicht!

Die Diskussion rund um das Thema Tierwohl ist auch in Südtirol angekommen. Gibt es hier noch Nachholbedarf – oder sind die Tiere auf Südtirols Höfen wunschlos glücklich?

Ich denke, dem Großteil unserer Tiere geht es sehr gut bei uns – und wenn sie sprechen könnten, würden sie uns das bestätigen. Aber auch der Tierschutz entwickelt sich laufend weiter und bleibt nie stehen – so wie vieles andere in der Landwirtschaft. Es gibt neue Erkenntnisse, neue technische Möglichkeiten und neue Regeln, an die auch wir als Südtiroler Berglandwirtschaft uns anpassen müssen. Dass die Diskussion rund um das Tierwohl früher oder später von Deutschland zu uns nach Südtirol kommen würde, war zu erwarten. Wir sind uns vollkommen bewusst, dass wir uns auch in diesem Bereich noch verbessern können und müssen. 

Aber eines muss auch klar sein: Wir haben in Südtirol eine sehr klein strukturierte Landwirtschaft. Das hat Vor-, aber auch Nachteile. Vorteile, weil unser Land dadurch noch flächendeckend bewirtschaftet wird. Nachteile, weil kleine Höfe auch wenig Geld haben, um kostspielige Investitionen vorzunehmen. Das ist der Grund, warum Umstellungen bei uns einfach etwas länger dauern und schwieriger umsetzbar sind als anderswo – und nicht etwa, weil wir stur sind und keine Lust auf Veränderungen haben ...

Das ganze Interview finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 10 des „Südtiroler Landwirt“ vom 28. Mai auf Seite 6 oder online auf „meinSBB“.