Technische Beratung | 27.05.2021

Wo darf gebaut werden?

Im neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft ist auch geregelt, wo Bauen erlaubt ist und wo nicht. ­Grundsätzlich muss an der Hofstelle gebaut werden, in Ausnahmefällen kann man aber auch davon ­abweichen. von Reinhard Leitner, SBB-Betriebsberatung

Die Hofstelle ist dort, wo die zum Betrieb gehörenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude stehen.

Die Hofstelle ist dort, wo die zum Betrieb gehörenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude stehen.

Mit dem neuen Landesgesetz für Raum und Landschaft (LG 9/2018) wurden die Baumöglichkeiten in den Natur- und Agrargebieten und im Speziellen im Landwirtschaftsgebiet neu geregelt. Der Begriff „Hofstelle“ und die Bestimmungen im jeweiligen Landschaftsplan nehmen dabei eine wichtige Bedeutung ein. 

Definition der Hofstelle

Wesentlich für die Bautätigkeit landwirtschaftlicher Betriebe, sowohl für den geschlossenen Hof als auch für den nicht geschlossenen Hof, ist die Definition der Hofstelle (Dekret Landeshauptmann Nr. 17/2020). Als Hofstelle gilt der Ort, an dem die zum l­andwirtschaftlichen Betrieb gehörenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude stehen. Falls diese voneinander getrennt an verschiedenen Orten stehen oder nur das Wohngebäude vorhanden ist, gilt als Hofstelle der Ort, an dem das Wohngebäude steht.

Bauen an der Hofstelle

Neue Wohn- und auch Wirtschaftsgebäude müssen grundsätzlich an der Hofstelle errichtet werden. Wohngebäude sind dabei in einem Umkreis zu errichten, der eine organische und funktionelle Einheit bildet – unter Wahrung des herkömmlichen Landschaftsbildes. Im Gesetz selbst und auch in der Definition der Hofstelle ist nicht vorgesehen, dass zusätzliche Wohnbaumasse als Anbau oder Erweiterung eines bestehenden Gebäudes erfolgen muss. Die zuständige Gemeindekommission für Raum und Landschaft muss den jeweiligen Bauantrag jedoch nach den in der Bauordnung vorgesehenen Bewertungskriterien prüfen. Dazu gehören unter anderem Natur- und Landschaftsschutz, Baukultur und Ästhetik einschließlich der Eingliederung in das Orts- und Landschaftsbild, Vereinbarkeit des geplanten Bauwerkes mit dem baulichen und landschaftlichen Umfeld, Vermeidung von Zersiedelung und der Baustil der bestehenden Gebäude. 

Die maximale Entfernung zu einem be­stehenden Gebäude darf dabei nicht mehr als 40 Meter betragen. Davon absehen kann man in Ausnahmefällen aus Gründen des Denkmalschutzes, des Landschafts- und Ens­em­ble­schutzes, aber auch aus betriebstechnischen und raumplanerischen Überlegungen oder aufgrund von Gefahrensituationen. Die zuständige Fachabteilung des Landes muss bestätigen, dass eine Ausnahmesituation ­vorliegt.

Leichtkonstruktionen gelten als Bauwerke 

Als Bauwerke werden dabei nicht nur typische Wohn- und Wirtschaftsgebäude angesehen, sondern auch Leichtkonstruktionen oder Fertigbauten, die für einen dauerhaften Zweck ausgerichtet sind und folglich das Landschaftsbild verändern. Dementsprechend werden beispielsweise Flugdächer, Unterstände, Weidezelte oder auch mobile Hühnerställe als Neubaumaßnahmen eingestuft und bedürfen einer Baugenehmigung. Es ist ­hierbei nicht entscheidend, welche Materialien verwendet werden oder wie das Bauwerk im Boden verankert wird. Lediglich die vom Gesetz vorgesehenen freien Baumaßnahmen können als baurechtlich und landschaftsrechtlich freie Eingriffe errichtet werden (z. B. Wanderbienenstände für maximal 90 Tage).

Verlegung und Wiederaufbau

Werden bestehende Gebäude in den Natur- und Agrargebieten abgebrochen und ­wiedererrichtet, kann dies am selben Standort oder in einer Entfernung von höchstens 40 Metern erfolgen. Voraussetzung ist, dass die Nutzung nicht verändert wird. Außerdem gilt, dass die Gebäudeanzahl nicht erhöht werden darf, außer es liegen hygienisch-gesundheitliche Gründe vor. 

Der Wiederaufbau an einem Standort im Landwirtschaftsgebiet mit einer Entfernung von mehr als 40 Metern ist nur zulässig, wenn der ursprüngliche Standort mit einem Bauverbot aus Gründen des Landschaftsschutzes, wegen Naturgefahren oder aufgrund von Gefahrensituationen längs öffentlicher Infrastrukturen belegt ist. Die Verlegung kann nur innerhalb der Gemeinde und in nächstgelegener geeigneter Lage erfolgen. Dazu ist eine verbindliche Stellungnahme der Gemeindekommission für Raum und Landschaft in vollständiger Zusammensetzung notwendig. Für bestehende Gebäude im alpinen Grünland ist der Wiederaufbau nach den angeführten Bestimmungen auch an einem anderen Standort im alpinen Grünland zulässig.

Hofstellenverlegung beim geschlossenen Hof

Mit der Gesetzesänderung im Dezember 2020 wurden weitere Möglichkeiten zur Verlegung der Hofstelle eines geschlossenen Hofes wieder eingeführt. 

Liegt die Hofstelle im Landwirtschaftsgebiet, kann eine Verlegung an einen anderen Standort im Landwirtschaftsgebiet in derselben Gemeinde auch aus Gründen des Denkmalschutzes, des Landschafts- und Ensembleschutzes, aber auch aus betriebstechnischen und raumplanerischen Überlegungen oder aufgrund von Gefahrensituationen erfolgen. Voraussetzung ist eine Unbedenklichkeitserklärung der entsprechenden Fachkommission, die alte Hofstelle des geschlossenen Hofes muss abgebrochen werden.

Was bei der Wahl eines neuen Standortes zu beachten ist

Bei der Wahl eines neuen Standortes müssen nicht nur die urbanistischen Bestimmungen beachtet werden, sondern auch andere mögliche Bindungen. 

Von wesentlicher Bedeutung sind dabei sowohl der Landschafts- als auch der Gefahrenzonenplan, welche Bauverbotszonen vorsehen können. Aber auch Bestimmungen in den Bereichen Denkmal- und Naturschutz sowie Forstwesen können die Bautätigkeit beeinflussen.