Innovation | 10.06.2021

Produktveredelung in Südtirol

Welche veredelten Produkte können sich Südtirols Bäuerinnen und Bauern künftig für ihre Betriebe vorstellen? Eine Produzentenumfrage der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie gibt Einblicke in die bäuerliche Produktveredelung in Südtirol. Und wie sie sich weiterentwickeln kann.

Die Umfrage zeigt, dass neben den klassischen Produkten wie Aufstrichen auch innovativere Produkte hoch im Kurs stehen. Foto: Shutterstock

Die Umfrage zeigt, dass neben den klassischen Produkten wie Aufstrichen auch innovativere Produkte hoch im Kurs stehen. Foto: Shutterstock

Südtirol ist weit mehr als nur Apfelsaft und Marillenmarmelade – in einer Umfrage der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie wurden an der Produktveredelung interessierte Landwirtinnen und Landwirte gefragt, was sie produzieren möchten und vor welchen Herausforderungen sie stehen. Vor allem die Antworten zu den möglichen Produktgruppen überraschten und waren sehr vielfältig.

Durch die idealen Standortbedingungen in Südtirol gibt es die Möglichkeit, verschiedenste Produkte anzubauen. Dies spiegelt sich auch in der Aussage der Produzentenumfrage wider. Fast ein Viertel der 262 befragten Landwirtinnen und Landwirte sind beispielsweise am Anbau von Kräutern interessiert oder bauen diese bereits an. Zudem sind 43 Prozent der Befragten im Apfel- oder Weinbau tätig. Aber auch die Rohmilch- und Gemüseproduktion setzt sich bei fast einem Drittel der Befragten durch.

Es muss nicht immer Apfelsaft sein

Die Umfrage zeigt, dass neben den klassischen Produkten wie Aufstrichen, Säften und Sirupen auch getrocknete und eingelegte Produkte hoch im Kurs stehen (siehe Grafik) Vor allem Betriebe, die keinen Zuerwerb betreiben und an der Verarbeitung interessiert sind, sind motiviert, innovative und neue Produkte auf den Markt zu bringen. Unkonventionelle Verarbeitungsmethoden wie das Autoklavieren und das Fermentieren bieten Raum für neue Produktideen. Vor allem fermentierte Produkte zeigen hier noch großes Potenzial für die Südtiroler Produktlandschaft. Diese sind aufgrund ihrer wertvollen Inhaltsstoffe und des einzigartigen Geschmacks bei den gesundheitsbewussten Konsumenten weltweit im Trend. 

Weg in die Direktvermarktung?

Produkte müssen nicht nur produziert, sondern auch verkauft werden. Für viele Produkte bietet sich dabei die Direktvermarktung an. Von den befragten Landwirtinnen und Landwirten ist die Hälfte bereits in der Direktvermarkung tätig, wobei 44 Prozent der Befragten nur unverarbeitete Produkte vermarkten. Bei den Neueinsteigern in die Direktvermarktung zeigt die Verteilung ein anderes Bild. Von den 36 Prozent der inte­ressierten Direktvermarkter sind 80 Prozent am Verkauf von verarbeiteten Produkten interessiert. Diese Gruppe interessiert sich auch für den Verkauf über den eigenen ­On­line­shop, während die etablierten Direktvermarkter den Lebensmitteleinzelhandel und den Bauernmarkt bevorzugen. Der große Überraschungssieger der Umfrage ist die Gastronomie: Fast die Hälfte der Befragten sieht in diesem Vermarktungsweg großes Potenzial. 

Herausforderungen auch im Organisatorischen

Auch bei den Herausforderungen gab es einige Überraschungen. Neben altbekannten, aber deshalb nicht weniger wichtigen Herausforderungen wie die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Veredelung gesellen sich auch Herausforderungen organisatorischer Natur. Dazu zählen beispielsweise die Arbeitszeit und die Verkaufsmöglichkeiten. Zudem ist die Preisfindung für das Produkt eine große Herausforderung für landwirtschaftliche Betriebe. 

Das Projekt hinter der Umfrage

Die Produzentenumfrage wurde im Rahmen des ELER-geförderten Projektes „INNO­Produkte“ durchgeführt und soll helfen, die Aktivitäten im Projekt auf die Bedürfnisse der Südtiroler Landwirtschaft abzustimmen. Im Projekt „INNOProdukte“ werden Landwirtinnen und Landwirte in der Veredelung hofeigener Rohstoffe unterstützt, wodurch die Wertschöpfung am Hof erhöht werden soll. Zu den wichtigsten Erkenntnissen aus der Umfrage werden in den kommenden Monaten Informationen in Form von Se­minaren und Merkblättern im Projekt er­arbeitet. Außerdem werden derzeit individuelle Hofberatungen kostenlos angeboten, zu denen man sich in der Abteilung Inno-vation & Energie bewerben kann. Mehr Infos sind unter folgendem Link zu finden: https://bit.ly/INNOProdukte-Hofberatungen

Für weitere Informationen stehen Ihnen Marion Götsch und Lukas Luggin der Bauernbund-Abteilung Innovation & Energie zur Verfügung. Diese können telefonisch unter 0471 999363 oder per E-Mail: innovation-­energie@sbb.it erreicht werden. 

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