Arbeitssicherheit | 22.07.2021

Gesundheitsgefahren im Freien

Für Landwirte und deren Arbeitnehmer, die im Sommer im Freien arbeiten, können hohe Außentemperaturen zu einem Gesundheitsproblem werden. Mit einfachen Tipps und Schutzmaßnahmen lässt sich solchen ­Gefahren vorbeugen.

Ausreichend trinken ist vor allem bei Hitze sehr wichtig. Foto: Hartmut910, Pixelio.de

Ausreichend trinken ist vor allem bei Hitze sehr wichtig. Foto: Hartmut910, Pixelio.de

Kommt es bei der Arbeit im Freien zu körperlicher Anstrengung und kommt dazu auch noch die Sommerhitze, kann die Körpertemperatur schnell übermäßig ansteigen. Für Landwirte und deren Arbeitnehmer kann es im schlimmsten Fall zur Hitzeerschöpfung, einem Hitzekollaps oder zum Hitzeschlag mit Organversagen kommen. Hitze bedeutet harte Arbeit für den Körper. Der Körper versucht ständig, eine Körperinnentemperatur von rund 37 Grad aufrechtzuerhalten. Wenn die Außentemperaturen aber höher sind, wird es kritisch. Durch vermehrtes Schwitzen und erhöhte Blutzirkulation läuft unsere innere Klimaanlage auf Hochtouren. Leidet der Körper unter Flüssigkeitsverlust und Wärmestau, fühlen sich Betroffene erschöpft und klagen über Konzentrationsschwierigkeiten. Die Arbeitsleistung sinkt spürbar. Ist man nicht mehr so konzentriert, kann auch das Unfallrisiko steigen. Um sich vor diesen Folgen zu schützen, sollten Landwirte und Arbeitnehmer rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. Allein mit einer vorausschauenden Arbeitsorganisation kann man Gefahren aus dem Weg gehen.

Sonnenschutz

Im gesunden Maß hat die Sonne eine positive Wirkung auf den Menschen. Ist man aber arbeitsbedingt der Sonne ausgesetzt, wird das gesunde Maß oft überschritten. Zu beachten ist, dass jeder Mensch unterschiedlich viel Sonne verträgt. Hier ist besonders auf den Hauttyp zu achten. Die Schutzmaßnahmen vor UV-Strahlung lassen sich in technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen unterteilen (siehe Infokasten).

Hitze und regelmäßiges Trinken

Man sollte gleichmäßig über den Tag verteilt mindestens eineinhalb bis zwei Liter Wasser trinken. Wer schwer arbeiten muss, braucht noch mehr, denn wer schwer arbeitet oder stark schwitzt, braucht auch mehr Flüssigkeit. Das sollten alle von vornherein berücksichtigen und an Tagen, die körperlich fordernd sind, entsprechend mehr trinken. Spätestens wenn Symptome eines Flüssigkeitsmangels auftreten, wird es höchste Zeit, eine Pause zu machen und die Reserven aufzufüllen. Dann braucht der Körper erst einmal Zeit, um sich zu regenerieren. Unwohlsein aufgrund von Flüssigkeitsmangel lässt sich nicht innerhalb weniger Minuten durch „Nachtrinken“ einer größeren Flüssigkeitsmenge rückgängig machen. Die zugeführte Flüssigkeit muss erst im Körper verarbeitet werden. Es wird empfohlen, bereits rechtzeitig vor Arbeitsaufnahme reichlich Flüssigkeit zuzuführen. Da bei der Arbeit immer die Gefahr besteht, dass man den Signalen des Körpers unter Umständen wenig Beachtung schenkt, sollten zudem häufige kurze Trinkpausen eingeplant werden. Gut geeignet sind Mineralwasser zum Ausgleich von Salzverlusten sowie Leitungswasser, das mit Gurkenscheiben, frischer Minze oder Beeren aromatisiert werden kann. Bei verdünnten Fruchtsäften werden Saft und Wasser im Verhältnis eins zu drei gemischt. Für Abwechslung sorgen milde, ungesüßte Früchte- und Kräutertees. Um sich noch mehr zu erfrischen, greifen viele zu eisgekühlten Getränken. Das kann ­allerdings zu Magenkrämpfen führen und die Flüssigkeitsaufnahme negativ beeinträchtigen. In vielen heißen Ländern wird daher traditionell warmer Tee bevorzugt. Absolut zu vermeiden ist Alkohol!

Bei Arbeiten in der Hitze ist es sehr wichtig, dass alle aufeinander achten. Klagt eine Person über Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder unklare Beschwerden, gilt es, schnell zu reagieren. Die betroffene Person sollte sofort in den Schatten gebracht werden. Wenn diese liegen möchte, ist dafür zu sorgen, dass sie den Oberkörper etwas erhöht ablegen kann. 

Die betroffene Person sollte ausreichend zum Trinken erhalten, feuchte Tücher dienen der Kühlung. Bewusstlose sind sofort in die stabile Seitenlage zu bringen, der Rettungsdienst unter der Rufnummer 112 ist umgehend zu verständigen.

Risikobewertung

Die Arbeitgeber müssen auch in ihrer Risikobewertung die mikroklimatischen Gefahren bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen treffen und umsetzen (siehe Vorlage zur Risikobewertung des Südtiroler Bauernbundes unter Abschnitt 05.4 Mikroklima – Hitze im Sommer).

Sonnenschutz in der Praxis

Technische Maßnahmen

  • Unterstellmöglichkeiten (auch für Pausen) jederzeit zur Verfügung stellen
  • Arbeitsbereiche mit ausreichend großen Sonnenschirmen, Sonnensegeln, Sonnenplanen und Überdachungen ausstatten

Organisatorische Maßnahmen

  • Arbeitnehmer über die möglichen Gefahren durch die Sonneneinstrahlung und über Schutzmaßnahmen informieren
  • Tätigkeiten möglichst im Schatten ausführen
  • Den Aufenthalt in der Sonne (insbesondere zwischen 11 und 15 Uhr) nach den Möglichkeiten der Arbeitsorganisation zeitlich beschränken, da in dieser Zeit die Sonneneinstrahlung besonders intensiv ist
  • Art und Umfang der Pausen (selbstverständlich im Schatten) an die Tageszeit anpassen

Personenbezogene Maßnahmen

  • Körperbedeckende Bekleidung zum Beispiel aus Baumwollmaterialien tragen
  • Kopfbedeckung tragen: Durch eine geeignete Kopfbedeckung (z. B. Hut oder Tücher) wird ein ausreichender Schutz vor UV-Strahlung erreicht. Dabei ist besonders auf den Nacken und Ohrenschutz zu achten.
  • UV-Schutzmittel für die von der Kleidung nicht bedeckten Körperteile (z. B. Gesicht, Hände) benutzen: Das UV-Schutzmittel (z. B. Creme, Spray) muss einen ausreichend hohen Lichtschutzfaktor besitzen und sollte schweißfest sein.