Produktion, Südtiroler Landwirt | 02.09.2021

Apfelernte 2021: später Start, gute Menge

Trotz verbreiteter Spätfröste und Hagelschläge stellte die Prognosfruit Anfang August eine ­durchschnittliche Apfelernte in Aussicht. Polen baut seine Führungsposition aus. Der Druck auf die Märkte wird hoch. Der Anteil an Clubsorten und Bioäpfeln steigt weiter.  von Renate Anna Rubner

Die Apfelernte 2021 hat begonnen: etwas später als im Durchschnitt der letzten Jahre, aber mit guten Qualitäten und Mengen.

Die Apfelernte 2021 hat begonnen: etwas später als im Durchschnitt der letzten Jahre, aber mit guten Qualitäten und Mengen.

Mit einer für Europa auf 11.735.000 Tonnen geschätzten Erntemenge an Äpfeln ging am 5. August die diesjährige Prognosfruit zu Ende. Der Kongress, der alljährlich von der World Appel and Pear Association (WAPA) organisiert wird, um die erwarteten Erntemengen zu sammeln und einen ersten Ausblick in die neue Vermarktungssaison zu wagen, fand – wie bereits 2020 – online statt. 

Nach den geringen Erntemengen des Vor­jahres reiht sich die diesjährige Apfelernte – trotz verbreiteter Spätfröste und Hagelschläge – also wieder ein: Im Vergleich zum Vorjahr werden rund zehn Prozent mehr an Erntevolumen erwartet, im Vergleich der letzten drei Jahre liegt die Erntemenge aber im Durchschnitt. Die Fruchtgrößen werden in diesem Jahr voraussichtlich etwas kleiner ausfallen als im Jahr 2020, liegen aber im langjährigen Mittel, hieß es bei der Prognosfruit.

Polen baut Führung aus

Hauptproduzent bleibt Polen mit geschätzten 4.170.000 Tonnen Äpfeln, was einem Plus von 22 Prozent gegenüber 2020 entspricht. Auf Platz zwei der europäischen Apfelproduzenten behauptet sich Italien mit einer Erntemenge, die mit 2.046.000 aber um vier Prozent unter der des Vorjahres liegt. Es folgen Frankreich mit 1.375.000 Tonnen (3 % mehr als 2020) und Deutschland mit 1.080.000 Tonnen (6 % mehr) geschätztem Erntevolumen. Auch andere Länder melden höhere Erntemengen als im Vorjahr: das sind vor allem Ungarn (520.000 Tonnen und 49 % mehr), Spanien (543.000 und 28 % mehr) oder Kroatien (65.000 Tonnen und 18 % mehr).

Empfindliche Ertragseinbußen müssen dagegen Länder wie Slowenien (–59 %) und Griechenland (–28 %) oder nordeuropäische Produzenten wie Lettland (–47 %), Litauen (–14 %) oder Dänemark (–25 %) hinnehmen

Golden stabil, Gala und Clubsorten steigen

Im Sortenspektrum ergeben sich keine großen Veränderungen: Der Golden Delicious übernimmt mit 2.120.000 Tonnen wieder die mengenmäßige Führung, was ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. ­Insgesamt bleibt die Menge aber auf stabilem Niveau, während die Sorte Gala mengenmäßig zulegt: Man erwartet eine europaweite Rekordernte von 1.563.000 Tonnen, um acht Prozent mehr als 2020. Es folgen die Sorten Idared (685.000 Tonnen), Red Delicious (640.000 Tonnen) und Jonagold (418.000 Tonnen). 

Deutlich steigt auch der Anteil der sogenannten Club­sorten („neue Sorten) an der gesamten Erntemenge: Mit einem Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr schätzt man die diesjährigen Erträge auf 375.000 Tonnen. Die Sorte Cripps Pink wird in diesem Jahr eine Ernte von 241.000 Tonnen einfahren, das entspricht einem Minus von zwölf Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Italien bleibt Führer bei Bio

Die italienische Ernteschätzung geht von 2.045.611 Tonnen Äpfeln für 2021 aus. Das entspricht einem Minus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dafür steigt der Anteil an italienischer Bioware: mit einem Zuwachs von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einer gesamten Erntemenge von 203.487 Tonnen. Damit geht der Anteil an Bioäpfeln auf rund zehn Prozent an der gesamten Erntemenge, Italien behauptet sich damit als größter Bioproduzent am europäischen Apfelmarkt. 

Innerhalb Italiens bleibt Südtirol mit 945.782 Tonnen und schätzungsweise fünf Prozent mehr Äpfeln als 2020 unangefochten größter Apfelproduzent, gefolgt vom Trentino mit 493.545 Tonnen (–7 %) und dem Piemont mit 177.768 Tonnen (–19 %). Was die Sorten anlangt, liegen Golden Delicious mit 729.286 Tonnen und Gala mit 378.089 Tonnen im italienischen Sortenspiegel mengenmäßig stabil vorne, während bei Red Delicious (194.238 Tonnen), Granny Smith (115.594 Tonnen) und Fuji (152.242 Tonnen) mit Einbußen von respektive 18, 31 und 19 Prozent gerechnet wird. 

Auch die Erntemenge von Cripps Pink wird deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr und mit 84.079 Tonnen um 15 Prozent einbrechen. Wie für Europa zeichnet sich auch bei der italienischen Apfelernte ein deutliches Plus bei den neuen (Club)Sorten ab: 139.246 Tonnen lautet die Schätzung, die bei der Prognosfruit Anfang August veröffentlicht wurde. Das bedeutet einen Zuwachs dieser Sorten um 37 Prozent im Vergleich zur Ernte 2020. Tendenz weiter steigend. 



Ergänzende Informationen sowie ein Interview mit Martin Pinzger und Walter Pardatscher
 finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 15 des „Südtiroler Landwirt“ vom 3September auf Seite 44 oder online auf „meinSBB“.