Leben | 03.09.2021

Alles für die Katz?

Aber natürlich! Katzen sollten – wie alle Tiere auf einem Bauernhof – gut versorgt und gepflegt werden. Was dabei zu beachten ist, erklärt Verhaltensbiologin Giulia Morosetti. von Anna Pfeifer

Hofkatzen sollten regelmäßig und zu denselben Zeiten gefüttert werden – so bleiben sie zutraulich und verwildern nicht. Foto: Pixabay

Hofkatzen sollten regelmäßig und zu denselben Zeiten gefüttert werden – so bleiben sie zutraulich und verwildern nicht. Foto: Pixabay

Unauffällig sitzt sie auf dem Boden der Scheune und beobachtet ihre Umgebung. Eine Maus huscht in Richtung Futtermittellager – jedoch nicht unbemerkt. Die Katze hat sie schon längst im Blick. Sie schleicht sich an das Nagetier an, den Bauch ganz nah am Boden, und macht einen eleganten Satz. Schon hält die Katze die Maus im Maul und tötet sie mit einem gekonnten Nackenbiss. 

Verhaltensbiologin Giulia Morosetti erklärt: „Die Aufgaben von Hofkatzen haben sich über die letzten Jahrzehnte stark verändert. Früher waren sie unverzichtbar, um Ungeziefer am Hof in Grenzen zu halten. Heute gibt es weitreichende Vorschriften, was die Kontrolle von  Nagetieren betrifft. Deshalb spielen Katzen bei der Schädlingsbekämpfung mittlerweile eine untergeordnete Rolle, sind dafür aber als Gesellen der Menschen umso wichtiger geworden.“ Dementsprechend sollten die Tiere gut versorgt und gesund gehalten werden. 

Katzen sind reine Fleischfresser. Sie brauchen viel tierisches Eiweiß, das in Fleisch oder Fisch enthalten ist. Zwar kann eine Katze am Tag mehrere Kleintiere erbeuten – leider nicht nur Mäuse, sondern aus Singvögel, Eidechsen usw. – jedoch machen diese nicht den Hauptbestandteil ihrer Nahrung aus. Deshalb sollten Hofkatzen zusätzlich gefüttert werden. Im Handel gibt es verschiedenes Katzenfutter, das die Tiere gut versorgt. Auch können sie gelegentlich mit rohem Fleisch oder Fisch gefüttert werden. Zur Vorbeugung von Krankheitserregern sollte Fleisch mindestens 24 Stunden und Fisch mindestens eine Woche tiefgefroren werden. Rohes Schweinefleisch sollte den Tieren keinesfalls verfüttert werden. Es kann das für Katzen tödlichen Aujeszky-Virus enthalten. 

Hofkatzen sollte auf jeden Fall Trockenfutter und sauberes Wasser zur Verfügung stehen. Auch etwas Feuchtfutter tut den Tieren gut, da es dabei hilft, den Wasserhaushalt aufrechtzuerhalten. Bei der Gabe von Feuchtfutter ist besonders im Sommer darauf zu achten, dass keine Reste zurückbleiben, da diese schnell verderben und Fliegen ihre Eier darauf ablegen. Morosetti ergänzt: „Nicht geeignet für Katzen sind Essensreste und Brot. Auch Kuhmilch ist nicht ideal für die Tiere, da sie den hohen Laktosegehalt nicht vertragen und Durchfall bekommen. Katzen, die von klein auf an Kuhmilch gewöhnt wurden, vertragen diese zwar besser, trotzdem sollte man auf Milch bei der Fütterung verzichten.“ 

Katzen an Menschen gewöhnen

Bei der Frage, ob Hofkatzen auch ins Haus dürfen, scheiden sich die Geister. Hier muss jeder und jede eine Antwort für sich selbst finden. In den Wirtschaftsgebäuden sollten Katzen aus hygienischen Gründen zu gewissen Bereichen keinen Zugang haben. Kraftfuttersilos und Ähnliches müssen gut verschlossen sein, damit die Katzen das Futter nicht verunreinigen.

Um die Katzen am Hof besser handhaben zu können, sollten sie zutraulich sein. So können sie regelmäßig auf Krankheitssymptome kontrolliert werden und bei Bedarf auch gefangen und zum Tierarzt gebracht werden. Um Katzen an den Menschen zu gewöhnen, sollten sie täglich und immer zu denselben Zeiten gefüttert werden. Die Tiere dabei anzufassen und zu streicheln, hilft, Vertrauen aufzubauen. Katzen verwildern sehr schnell. Besonders bei jungen Kätzchen ist auf eine ausreichende Sozialisierung mit Menschen zu achten. Da die Mutterkatze ihre Jungen anfangs meist versteckt hält, bietet sich auch hier die Fütterung an, um Kontakt aufzubauen.­ 

Kastration empfehlenswert

Katzen werden im Alter von fünf bis sechs Monaten geschlechtsreif. Bis zu dreimal im Jahr kann eine Katze Junge bekommen. Dabei wirft sich meist zwischen drei und sechs Kätzchen. So kann sich die Zahl an Katzen auf einem Hof innerhalb kurzer Zeit stark erhöhen. Dadurch wiederum steigt der Infektionsdruck bei den Tieren und Krankheiten können sich schneller ausbreiten. Außerdem besteht die Gefahr, dass die vielen Katzen Schaden in der Natur anrichten, wie schon am Beginn des Artikels erwähnt. Damit es nicht zu einer für Mensch und Tier untragbaren Situation kommt, empfiehlt es sich, männliche wie weibliche Katzen kastrieren zu lassen. Bei der Kastration werden die Hoden bzw. Eierstöcke der Tiere entnommen. Eine Kastration kann in jeder privaten Tierarztpraxis durchgeführt werden. Morosetti erklärt: „Jeder und jede sollte sich hier eigenverantwortlich zeigen und die Tiere kastrieren lassen, damit sie nicht zu einer Belastung für die Umwelt werden.“

Durch die Kastration nimmt zudem der Wandertrieb bei weiblichen und männlichen Tieren ab und sie bleiben eher am Hof. Junge Kater neigen ansonsten dazu abzuwandern, da sie ihr Revier häufig nicht gegen ältere Artgenossen verteidigen können. Außerdem verlieren Katzen durch die Kastration ihr Sexualverhalten. Kater markieren ihr Revier (sprich den Bauernhof) nicht mehr mit ihrem stark riechenden Urin und es kommt zu weniger heftigen Revierkämpfen. 

Damit die Katzen am Hof auch gesund bleiben, sollten diese regelmäßig begutachtet werden. Verhaltensbiologin Morosetti erklärt, worauf Katzenhalter achten können: „Eine gesunde Katze hat klare Augen und saubere Ohren. Sie hat keinen Durchfall. Ihr Fell glänzt und es weist keine kahlen, verfilzten oder struppigen Stellen auf.“ Um Katzen vor gewissen Krankheiten zu schützen, sollten sie geimpft werden. Wenn sich die Tiere im Freien aufhalten, sind Impfungen gegen Leukose, Katzenschnupfen und Katzenseuche notwendig. Katzen können diese Krankheiten untereinander übertragen und bei schweren Verläufen daran sterben. In gewissen Fällen kann auch eine Impfung gegen Tollwut sinnvoll sein – dazu sollte man sich mit dem jeweiligen Tierarzt oder der Tierärztin absprechen. Ein weiteres Problem bei Katzen können Parasiten darstellen. Jedoch gibt es hier medizinische Präparate, die die Tiere zuverlässig von Würmern, Zecken und Flöhen befreien. Besonders wenn die Katzen ins Haus dürfen, muss zusätzlich auf Hygiene geachtet werden. Es empfiehlt sich, den Boden und die Kehrleisten regelmäßig zu säubern und Decken und Kissen zu waschen. Sowohl Entwurmungsmittel als auch Zecken- und Flohmittel können nach Absprache mit der Tierärztin bzw. dem Tierarzt verabreicht werden.  

Durch eine verantwortungsvolle Haltung von Katzen am Hof können Bäuerinnen und Bauern die Risiken für Krankheiten und Umweltschäden in Grenzen halten. Und ihre vierbeinigen Freunde können sich ganz ihren liebsten Aufgaben widmen: dem Erkunden, Kuscheln und Genießen. 


Katzen und Toxoplasmose

Toxoplasmose ist eine Parasitenerkrankung, die etwa 70 Prozent der Bevölkerung einmal im Leben durchmachen – meist merken die Betroffenen aber nichts davon. Nach einer Erstinfektion ist die betroffene Person immun. Problematisch ist eine Infektion nur für jene Frauen, die vor der Schwangerschaft niemals infiziert wurden. Bei einer Schwangerschaft kann der Erreger nämlich auf das ungeborene Kind übergehen. Die Folge sind Schäden am zentralen Nervensystem und den Organen des Kindes. Die Parasiteneier (Oozyten) sind unter anderem in der Erde, in rohem Fleisch (auch Speck- und Wurstwaren) und Katzenkot enthalten. Da es viele verschiedene Infektionsquellen gibt, muss die Katze bei einer Schwangerschaft den Hof nicht verlassen. Viel wichtiger ist es, einer Infektion durch einfache Hygienemaßnahmen vorzubeugen. Schwangere Frauen sollten kein rohes Fleisch oder rohen Fisch verzehren, den Kontakt mit Katzenkot meiden und Obst und Gemüse sauber abwaschen. Diese Hygienegrundregeln sollten alle am Hof arbeitenden Personen grundsätzlich beachten und sich nach der Arbeit im Stall und Garten gründlich die Hände waschen.