Technische Beratung | 17.09.2021

Neue Richtlinien für Holzlager

Die Landesregierung hat die technischen Richtlinien zum Bau von Holzlagerplätzen mit Flugdach und ­Holzhütten erlassen. Eine Errichtung ist aber erst dann möglich, wenn der jeweilige Landschaftsplan das ­Baurecht explizit vorsieht. von Hermann Stuppner und Reinhard Leitner

Die Errichtung von Holzlagerplätzen mit Flugdach ist nun an verschiedene Bedingungen geknüpft.

Die Errichtung von Holzlagerplätzen mit Flugdach ist nun an verschiedene Bedingungen geknüpft.

Am 10. August hat die Landesregierung die Richtlinien für die Errichtung von Holzlagerplätzen, Holzlagerplätzen mit Flugdach und Holzhütten genehmigt (Beschluss Nr. 693) und damit die Durchführungsbestimmung in Umsetzung des Artikel 37, Abs. 2/bis des Landesgesetzes für Raum und Landschaft (LG 9/2018). Bereits das alte Landesraumordnungsgesetz (LG 13/1997) mit den entsprechenden Durchführungsbestimmungen sah ein spezifisches Baurecht für Holzlagerplätze mit Flugdach und für Holzhütten vor. Mit Inkrafttreten des neuen Landesgesetzes für Raum und Landschaft am 1. Juli 2020 wurden diese Bestimmungen aufgehoben, wonach diese Baurechte nicht mehr gegeben waren. Der Südtiroler Bauernbund hat sich seither bemüht, diese wichtigen Bestimmungen wiedereinzuführen – auch wenn der schlussendlich gewählte Weg über die Landschaftspläne und die nun vorliegenden Detailbestimmungen nur zum Teil den unterbreiteten Vorschlägen entsprechen. Die neuen Richtlinien unterscheiden zwischen Holzlagerplätzen, Holzlagerplätzen mit Flugdach und Holzhütten. 

Holzlagerplätze

Holzlagerplätze sind Flächen, auf denen Holz in unbearbeiteter Form gelagert wird. Die Größe wird vom gebietsmäßig zuständigen Forstinspektorat festgelegt. Grundlage der Berechnung ist der jährliche Hiebsatz. Bauwerke dürfen nicht errichtet werden, und eine gewerbliche Nutzung ist untersagt. Für die Errichtung des Holzlagerplatzes ist generell weder eine landschaftsrechtliche noch eine baurechtliche Genehmigung erforderlich, sofern der hydrogeologische Haushalt nicht verändert wird. Aufrecht bleiben eventuelle Genehmigungen aufgrund anderer Landesbestimmungen.

Holzlagerplätze mit Flugdächern

Im Unterschied zur alten Regelung dürfen Holzlagerplätze mit Flugdach künftig nur noch für die Lagerung von Hackschnitzeln bzw. für Holz zur Verarbeitung zu Hackschnitzeln errichtet werden. Der Südtiroler Bauernbund und der Südtiroler Gemeindenverband hatten sich für die alte Bestimmung eingesetzt, wonach Holz in unbearbeiteter und bearbeiteter Form gelagert werden durfte. Dieser Änderungsvorschlag wurde von der Landesregierung nur teilweise übernommen.

Gemäß den neuen Richtlinien dürfen die Flugdächer nun maximal fünf Meter hoch gebaut werden, wobei mindestens eine Seite keinerlei Begrenzung oder Wand aufweisen darf. Die restlichen drei Begrenzungswände können komplett geschlossen werden, früher war eine maximale Höhe von zwei Metern vorgesehen. 

Die Seitenwände müssen aber auf jeden Fall in Holz ausgeführt werden. Die Stützen bzw. tragenden Elemente können auch in Metall gefertigt, die Fundamente können bis zur Höhe des natürlichen Geländes betoniert werden. Die maximale Fläche des Flugdaches ist wie im alten Beschluss mit 150 Quadratmetern festgelegt.

Um einen Holzlagerplatz mit Flugdach errichten zu dürfen, muss der Antragsteller mindestens drei Hektar Waldfläche im Eigentum aufweisen. Dabei kann die Waldfläche auch auf mehrere Gemeinden verteilt sein. Hat der Waldbauer in unterschiedlichen Gemeinden jeweils mehr als drei Hektar Waldfläche, so kann er in jeder dieser Gemeinden höchstens einen Holzlagerplatz mit Flugdach errichten.

Für die Errichtung eines Holzlagerplatzes mit Flugdach sind eine Baugenehmigung (ehemals Baukonzession), eine landschaftsrechtliche Genehmigung und – sofern vorgesehen – weitere Genehmigungen aufgrund anderer Landesbestimmungen notwendig. Davon betroffen sind nun auch Holzlagerplätze mit Flugdach bis zu einer Dachfläche von 50 Quadratmetern, für welche früher ein sogenannter Bagatelleingriff ausreichte. 

Die Unterbringung von Maschinen, Fahrzeugen, Geräten, Tieren und anderen Materia­lien aus Holz (z. B. Scheitholz) ist nicht gestattet. Ausgenommen von diesem Verbot sind lediglich Maschinen und Geräte, die zur Verarbeitung des Holzes benötigt werden. Außerdem ist eine gewerbliche Nutzung, eine Verpachtung oder eine Vermietung nicht gestattet. 

Das Forstgesetz wurde kürzlich dahin gehend ergänzt, dass nun Verwaltungsstrafen für Zweckentfremdungen von Holzlagerplätzen mit Flugdach vorgesehen sind. Bei einer gewerblichen Nutzung liegt die Strafe bei 1000 Euro. Sofern Maschinen, Fahrzeuge, Geräte oder andere Materialien als Holz gelagert oder Vieh untergebracht oder dieser Platz verpachtet oder vermietet wird, ist eine Strafe von 500 Euro vorgesehen.

Holzhütten

Auf der Zubehörsfläche von Wohngebäuden dürfen Holzhütten für die Lagerung von festem Heizmaterial (z. B. Scheitholz) errichtet werden. Die Größe wird durch die Wohnfläche des Gebäudes bestimmt: Je 15 Quadratmeter Wohnfläche darf ein Quadratmeter Holzhütte errichtet werden, wobei die maximale Höhe mit 2,5 Metern festgelegt ist. 

Für die Errichtung von Holzhütten ist eine Baugenehmigung notwendig. Landschaftsrechtlich ist es gemäß dem Landesgesetz für Raum und Landschaft (Anhang A-A19, ­Buchstabe d) ein freier Eingriff. Früher handelte es sich um einen sogenannten Bagatelleingriff.

Landschaftsplan muss Baurechte vorsehen

Im Gegensatz zum alten Raumordnungsgesetz muss die Möglichkeit für die Errichtung von Holzhütten und Holzlagerplätzen mit Flugdach nun ausdrücklich im Landschaftsplan der jeweiligen Gemeinde vorgesehen bzw. nicht in irgendeiner Form eingeschränkt oder untersagt werden. Entschieden werden muss folglich, in welchen Natur- und Agrargebieten (z. B. Landwirtschaftsgebiet, Wald) samt Schutzgebieten (z. B. landschaftliche Bannzonen) der Bau künftig erlaubt werden soll. Praktisch bedeutet dies, dass die genehmigten technischen Richtlinien allein nicht ausreichend sind, um ein solches Bauwerk zu errichten. 

Die Durchführungsbestimmungen zum Landschaftsplan werden aktuell an das neue Landesgesetz für Raum und Landschaft angepasst, in einigen Gemeinden fand diese Anpassung bereits statt. Dafür werden der­zeit die Bestimmungen aus dem Bauleitplan vom Amt für Landschaftsplanung in den Landschaftsplan übertragen. Das Verfahren ist dasselbe wie bei jeder Änderung des Landschaftsplanes. Der Südtiroler Bauernbund
hat hier schon mehrmals gefordert, dass das Baurecht für die Holzlager – zusammen mit weiteren Bestimmungen wie etwa den Bienenständen, das unterirdische Bauen auf der Zubehörfläche, die Grenz- und Gebäudeabstände – im Zuge dieser Anpassung in den  Landschaftsplan aufgenommen werden sollte. Diese Ergänzungen werden vom zuständigen Amt und der Landesregierung derzeit abgelehnt. Daher müssen alle notwendigen Ergänzungen in einem zweiten Verfahren zur Änderung des Landschaftsplanes ergänzt werden. Der Gemeindeausschuss kann zwar jederzeit eine Änderung des Landschaftsplanes einleiten, für den Südtiroler Bauernbund ist es aber absolut unverständlich, warum die Anpassung des Landschaftsplanes nicht in einem Aufwasch gemacht werden kann.