Südtiroler Landwirt, Südtiroler Bauernjugend | 14.10.2021

Auf die drei Plätze, fertig, ­voten!

Die Jury hat sich für drei Projekte entschieden. Nun liegt es am Publikum, das Siegerprojekt für den SBJ-Innovationspreis IM.PULS zu küren: Ab 25. Oktober kann man für einen Bauernladen in Meran, für „Microgreens“ oder für stressfreie Tierschlachtung online voten.

Ab 25. Oktober wird es spannend: Wer gewinnt den diesjährigen Innovationspreis der Südtiroler Bauernjugend? Foto: Marco Parisi

Ab 25. Oktober wird es spannend: Wer gewinnt den diesjährigen Innovationspreis der Südtiroler Bauernjugend? Foto: Marco Parisi

Sich auf drei von fünf innovativen Projekten festzulegen, war für die Jury nicht einfach. Nun stehen die drei Südtiroler Jungbäuerinnen und Jungbauern aber fest: Sie und ihre Ideen können beim Online-Voting des Bauernjugend-Innovationspreises IM.PULS ausgewählt werden. Wer am meisten Stimmen bekommt, ist Siegerin/Sieger. Von 25. Oktober bis 11. November können alle unter www.sbj.it/impuls mitmachen und ihre Stimme abgeben: Für einen Bauernladen in Meran, der die Produkte von über 40 Südtiroler Bauernfamilien listet, für Bio-Minikräuter, die in einer Vertical Farm gezogen und für die gesunde Küche verwendet werden können, oder für eine in Gsies entwickelte Schlachtbox, die Bauern und Tieren eine stressfreie und tiergerechte Schlachtung ermöglicht.

Um eine Entscheidungshilfe zu bieten, werden hier die drei Projekte und die junge Bäuerin/die jungen Bauern dahinter vorgestellt:

Bauernladen Meran: direkt und hochwertig

Sieben Jahre lang hat Elisabeth Innerhofer, Jahrgang 1993, an ihrem Traum gearbeitet: Heute betreibt sie mit ihrer Familie nicht nur den Finkhof in Untermais, sondern auch den neuen Bauernladen Meran am Kreisverkehr Meran-Schenna. Ihr Konzept ist so einfach wie einleuchtend: von Acker, Obstwiese und Stall ohne Umwege und Zwischenhändler direkt in den Laden und damit zu den Kunden. 

Der Finkhof wurde in den letzten 30 Jahren von Viehwirtschaft und Obstbau ganz auf Weinbau umgestellt. Die Weine werden von Familie Innerhofer selbst gekeltert und direkt vermarktet. Da sich die Hofstelle dafür nicht wirklich eignet, haben Elisabeths Eltern das Grundstück am Kreisverkehr Meran-Schenna durch Tausch erworben. An diesem verkehrstechnisch günstigen Standort hat die Familie dann den Bauernladen Meran realisiert, verkauft die eigenen Weine und 500 weitere Lebensmittel von über 40 Bäuerinnen und Bauern aus der Umgebung: Speck, Käse, Brot, Obst und Gemüse.

Zunächst hat Familie Innerhofer mit einem mobilen Kiosk aus Holz begonnen, erst später bekam sie die Möglichkeit, einen neuen Bauernladen zu bauen: unter der Voraussetzung, dass er eine moderne und einladende Architektur bekommen sollte. So ist ein kühler, dunkel gehaltener Raum entstanden, der sich gut für die Lagerung von Produkten eignet und den Kundinnen und Kunden zusätzlich den Eindruck vermittelt, als würden sie bei einem Bauern in den Keller gehen, wo es dunkel ist und nur die Produkte im Licht zu sehen sind.

Elisabeth ist überzeugt: „Der Bauernladen Meran kann ein Vorbild für andere landwirtschaftliche Betriebe sein, denn die Vermarktung der eigenen Produkte ist meiner Meinung nach gleich wichtig wie die Produktion.“

Microgreens: gesund und rundum nachhaltig 

Bio-Minikräuter, sogenannte „Microgreens“ produzieren Ulrich Kager und Patrick Sanin, beide Jahrgang 1999, in St. Pauls. Dafür haben sie eine Vertical Farm entwickelt, ein Produktionssystem, mit dem es ihnen gelingt, 100 Prozent regional, frisch und biologisch zu produzieren – und zwar das ganze Jahr über.

Microgreens sind nicht nur sehr gesund, sondern auch geschmacklich variantenreich: „Der ,sinnliche Senfkohl‘ beispielsweise ist mit seinem hellgrünen Stängel und den rot-grün-gelben Blättern ein wahrer Hingucker und überrascht mit seinem intensiven Senfgeschmack“, erklärt Ulrich werbewirksam. „Der ,feinfühlige Fenchel‘ dagegen eignet sich mit seinem hellen Stiel, den braunen Samen am Kopf und dem Anisgeschmack perfekt zum Anrichten und Würzen vieler Gerichte.“

Die Idee zu dem Projekt ist Ulrich vor zwei Jahren gekommen. Damals hat der Agrartechniker und Wirtschaftsstudent erstmals von Microgreens gehört und gleich selber Versuche gemacht, im geschlossenen Raum aus Samen kleine Pflänzchen zu ziehen. „Ich war überrascht vom Geschmack dieser Minikräuter, von ihrer Farben- und Formenvielfalt“, erzählt Ulrich. Besonders habe ihn aber die Möglichkeit gereizt, Landwirtschaft in einem geschlossenen Raum zu betreiben. 

Nach Gesprächen mit dem Innovationsschalter des Südtiroler Bauernbundes, dem NOI Techpark, Dozenten der Freien Universität Bozen und Köchen entwickelte Ulrich einen Prototyp einer Vertical Farm und machte damit erste Erfahrungen. Auch das Südtiroler Schafwoll-Wachstumssubstrat lernte er dadurch kennen. Noch heute arbeitet er damit. Vielmehr arbeiten er und Patrick Sanin  heute noch damit. Denn vor knapp einem Jahr ist Patrick in den Betrieb eingestiegen. Er studiert Maschinenbau und bringt damit technisches Know-how mit, während sich Ulrich auf die landwirtschaftliche Produktion und die wirtschaftlichen Themen versteht.  

Beide hoffen, „mit dieser Innovation einen Startschuss für Microgreens und vor allem für Vertical Farming in Südtirol gesetzt zu haben“. Denn der Einsatzbereich des Systems geht weit über die Produktion von Minikräutern hinaus, es können auch Schnittsalate, Beeren und andere Feldfrüchte damit gezogen werden. 

Mobile Schlachtbox: den Tieren zuliebe

Alex Huber ist 1987 geboren und lebt am Kleinsterhof in St. Magdalena, Gsies. Ein klassischer Milchviehbetrieb, bis Alex ihn 2011 auf Jungrinderaufzucht umstellte. Auch das machte ihn aber nicht glücklich: Zwar war der Arbeitsaufwand geringer – der Jungbauer betrieb den Hof im Nebenerwerb –, Alex hatte aber immer fremdes Vieh im Stall. Das gab ihm wenig Befriedigung. Also entschied er sich 2017 für die Mutterkuhhaltung mit Pustertaler Sprinzen: 30 Rinder leben heute am  Kleinsterhof, 20 Schweine, je 50 Hühner und Puten. Seit zwei Jahren vermarkte Alex sein Fleisch selbst – unter dem Gütesiegel von Bioland Südtirol.

Es war vor etwa dreieinhalb Jahren, als Alex eines Montagmorgens einen Ochsen in den Schlachthof bringen wollte. „Es war ein sehr braver Ochse, den ich wirklich gern mochte“, erzählt der junge Bauer. Als er das Tier im Viehhänger hatte, bemerkte er die Angst in seinen Augen. Am Schlachthof angekommen, war der Ochse verschwitzt, er zitterte. So musste Alex ihn zurücklassen. Und sagte zu sich selbst: „So mache ich das nicht weiter. Eine Alternative muss her!“ Also begann er zu recherchieren und erfuhr, dass es in Deutschland mobile Lösungen für das Schlachten gibt. Das nutzte ihm aber insofern wenig, weil die gesetzlichen Bestimmungen in Italien nicht klar waren. Die Behörden machten ihm wenig Mut. Trotzdem machte er sich mit einem befreundeten Schlosser daran, eine mobile Schlachtbox zu bauen. Unterstützt wurde er vom Amtstierarzt, der sachkundig über die gesetzlichen Vorschriften informiert war und das Ganze kontrolliert hat. „Im Juli 2020 haben wir dann unsere offizielle Probeschlachtung gehabt“, erzählt Alex stolz. 

Die Schlachtbox ermöglicht es, Tiere in ihrer gewohnten Umgebung und mit den gewohnten Personen zu schlachten. Man muss kein Tier mehr lebend zum Schlachthof fahren, erspart ihnen damit Stress und erzielt zusätzlich eine bessere Fleischqualität. „Meine Box ist die Erste ihrer Art in Südtirol. Meine Kunden wissen, dass meine Tiere von der Geburt bis zur Schlachtung gut behandelt werden, dafür bezahlen sie gerne etwas mehr“, sagt Alex. Der Hauptnutzen für ihn ist aber ein gutes Gewissen. „Ich bin bei jeder Schlachtung dabei, habe alles unter Kontrolle! Wenn ich die Tiere dagegen lebend in den Schlachthof bringe, habe ich keinen Einfluss darauf, was dann passiert: wie lang die Tiere warten müssen, wie man sie behandelt. 

Online-Voting

Innovationspreis IM.PULS

Nun liegt es am Publikum, seine Lieblinge zu wählen: beim Online-Voting von 25. Oktober bis 11. November unter www.sbj.it/impulsWer von den dreien am meisten Stimmen erhält, gewinnt den diesjährigen Innovationspreis. Aber egal, wer das Rennen macht, Sieger sind sie alle!