Südtiroler Landwirt, Leben | 14.10.2021

Von Generation zu Generation

Ein stattliches Haus ist der Oberbergerhof in Montan. Auf dem historischen Hof leben drei Generationen: Die Eltern unten, die junge Familie hat sich im Obergeschoss eingerichtet. Und unterm denkmalgeschützten Dach findet sogar eine (besondere) Klauberwohnung ihren Platz.

Der Oberbergerhof: ein gutes Beispiel dafür, wie der Erhalt einer historischen Struktur mit modernen Wohnbedürfnissen vereint werden kann. Foto: Tischlerei Pichler

Der Oberbergerhof: ein gutes Beispiel dafür, wie der Erhalt einer historischen Struktur mit modernen Wohnbedürfnissen vereint werden kann. Foto: Tischlerei Pichler

Die schwarze Kochinsel dominiert, der große Holztisch mit Eckbank und den halbkugeligen Lampenschirmen gleicht die Verhältnisse in der großen Küche aber gut aus. Die Linien sind schlicht, die Materialien einfach und edel: Holz, Stein und gekalkte Wände. Der Raum ist großzügig, öffnet sich mit drei Fenstern nach draußen, das Südtiroler Unterland liegt dem Oberbergerhof in Montan zu Füßen. Eine Tür führt von der Wohnküche auf den breiten Balkon mit der alten Holzbrüstung. Drinnen finden auch noch eine Gehschule und die Spielsachen der beiden Kinder ihren Platz. 

Diese Küche ist der Mittelpunkt der Wohnung, in der sich Philipp und Elisabeth Oberberger mit ihren Kindern Greta (vier Jahre) und Clemens (ein Jahr) seit 2016 eingerichtet haben. Ein gemütliches Zuhause im Obergeschoss des großen Wohngebäudes mit seiner langen Geschichte.

Lange Geschichte

Die Ursprünge des Oberbergerhofes sind nämlich auf das 14. Jahrhundert zurückzuführen. Im Dorfbuch von Montan kann man seine wechselvolle Geschichte und die sich ändernden Namen des Hofes über die Jahrhunderte herauf nachlesen. Erst im 18. Jahrhundert ging der Hof auf Familie Oberberger über und erhielt damit seinen heutigen Namen. Philipps Vater, Johann Oberberger, hat ihn schon mit 17 Jahren übernehmen müssen. Er ist im Jahr 1940 geboren, mitten im Krieg. Als er knapp ein Jahr alt war, sind seine Eltern mit ihm nach Feldkirch in Vorarlberg übersiedelt, die Großmutter ist am Hof geblieben. 

Damals war der Oberbergerhof noch ein typischer Mischbetrieb mit Obst- und Weinbau, Schweinen, Kühen und was es sonst noch brauchte auf einem Unterlandler Bauernhof. Als Johanns Vater zum Kriegsdienst eingezogen wurde und 1944 in Finnland fiel, blieben er und seine Mutter zunächst in Feldkirch. Erst 1948 kehrten sie an den Oberbergerhof heim, Johann war gerade mal acht Jahre jung. Als einziges Kind und Mann obendrein, war es klar, dass er den Hof weiterführen würde. Bis in die 1980er-Jahre herauf hielt er noch Vieh, nach und nach stellte er den Hof aber bereits auf Obstbau um. 

Heute ist der Oberbergerhof ein reiner Obstbaubetrieb: Auf rund vier Hektar Fläche baut Philipp Oberberger neben den klassischen Sorten Gala und Golden Delicious auch neue wie Kanzi und Cosmic Crisp an. Auch etwas Wald gehört zum Hof, das Holz kann Philipp nun für die neue Heizung, die sowohl mit Pellets als auch mit Stückholz beschickt werden kann, gebrauchen.

Bestand war gut in Schuss

Am Hof selber hat sich über die Jahrhunderte aber nicht viel verändert, der Bestand ist derselbe geblieben: Im ehemaligen Stall und Stadel sind heute Holz- und Pflanzenschutzmittellager und ein Abstellraum für die landwirtschaftlichen Maschinen untergebracht. Das Wohnhaus hat Johann Oberberger nicht verändert, aber gut in Schuss gehalten: Er hat nach und nach die Fundamente trockengelegt, das Dach und die Außenfassade saniert, die Decken in einem Teil des Hauses ausgetauscht. Immer unter Absprache mit dem Denkmalamt, denn der Oberbergerhof ist schon lange unter Schutz gestellt. Und mit Handwerkern, die sich darauf verstehen, historische Strukturen mit Fingerspitzengefühl herzurichten.

Als Johann 1978 seine Frau Johanna auf den Hof holte, baute er für sie beide die Wohnung im Erdgeschoss aus: Hier wuchs auch Philipp auf. Seine Oma wohnte im Obergeschoss. Zwei Brüder des Großvaters, beide Franziskanerpatres, kamen immer dann auf den Hof, wenn sie Urlaub hatten. Für sie standen eigene Räume zur Verfügung, bekocht wurden sie von Phillips Oma. Küche gab es in ihrer kleinen Wohnung nämlich keine.

Nach und nach leerte sich das Haus. Zuletzt lebten Johann, Johanna und Philipp nur noch alleine in dem großen Gebäude - in ihrer Wohnung im Parterre. Der Rest des Hauses war unbewohnt.

Bis sich Philipp und seine Partnerin Elisabeth daran machten, das Obergeschoss auszubauen: Zunächst trafen sie sich mit Architekten und besprachen die groben Ver-
änderungen, die im Inneren gemacht werden konnten: Schließlich galt es, die Wohnung der Großmutter mit der der Franziskanerpatres zusammenzulegen und für eine Familie zu adaptieren. Das bedeutete vor allem, modernen Wohnkomfort in den alten Mauern zu garantieren. Auch einen separaten Hauseingang sollte die neue Wohnung bekommen, denn bisher gab es nur eine Eingangstür für das ganze Haus. 


Den ganzen Bericht sowie ein umfangreiches Spezial zum Thema Bauen, Wohnen, Sanieren finden
 Sie ab Freitag in der Ausgabe 18 des „Südtiroler Landwirt“ vom 15. Oktober ab Seite 41 oder online auf „meinSBB“.