Produktion | 29.10.2021

Innovatives Pilotprojekt „Kultivas“

Eine effiziente und ressourcenschonende Standortauswahl und Bewirtschaftung der Anbauflächen ist auch im Obstsektor wichtiger denn je. Wie „Big Data“-Technologien hier erfolgversprechend eingesetzt werden, zeigt ein innovatives Pilotprojekt.

Das Pilotprojekt „Kultivas“ analysiert die Wechselwirkungen zwischen Apfelsorte und Anbaulage. Foto: Fotolia

Das Pilotprojekt „Kultivas“ analysiert die Wechselwirkungen zwischen Apfelsorte und Anbaulage. Foto: Fotolia

Das Pilotprojekt Kultivas wird vom IT-Unternehmen KONVERTO AG in Kooperation mit dem Raiffeisenverband und dem Versuchszentrum Laimburg durchgeführt. Eng vernetzt ist man bei diesem Digitalisierungsprojekt mit dem Beratungsring, den Erzeugerorganisationen VIP und VOG, der Eurac Research und weiteren Partnern. „Die Mitgliedsgenossenschaften zu fördern, ist Kernauftrag des Raiffeisen­verbandes. Dazu zählt es, den Mitgliedern technologische und digitale Innovation zugänglich zu machen“, sagt Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes. Kultivas ist ein Beispiel, wie die Landwirtschaft die Technologien der digitalen Transformation nutzen kann. 

Neuanlagen stellen den Obstbauer vor die schwierige Entscheidung, die optimale Sorte für seine Lagen zu wählen. Die heut­igen Empfehlungen fußen auf einer wissenschaftlichen Sortenprüfung und Pilotanlagen, die naturgemäß auf wenige Standorte begrenzt sind. Die fehlenden Daten von den viel­fälti­gen Lagen in Südtirol werden durch Erfahrung kompensiert. „Hier setzt das Projekt Kultivas an und wertet bestehende Anbau- und ­Qualitätsdaten aus, um Standort­eignun­gen für die erfolgreichen Sorten am Markt besser vorauszusagen“, erklärt Michael­ Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums Laimburg. 

Datenbasierter Ansatz

Südtirols Obstbau ist gut aufgestellt, um die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen. Umfangreiche Datensätze zum Apfel sind entlang der gesamten Wertschöpfungsquelle vorhanden. Allerdings sind sie zwischen Genossenschaften, Beratern, öffentlichen Ämtern und Versuchswesen verteilt. „Die Zusammenführung von Daten der verschiedenen Apfelsorten im Projekt Kultivas löst dieses Problem“, erklärt Oberhuber.

Innovativ bei dem Pilotprojekt ist zum einen die technische Umsetzung, die auf modernste Cloud-Komponenten und neueste Ansätze aus den Bereichen Datenmodellierung und Machine-Learning setzt. Zum anderen ist es die Zusammensetzung des Umsetzungsteams: Software- und Cloud-Experten aus dem privaten Sektor arbeiten mit Forschern und Agronomen führender Institute zusammen. „Die größte Herausforderung liegt darin zu beweisen, dass ein datenbasierter Ansatz für das Sortenlagen-Problem im Apfelanbau funktioniert“, erklärt Peter Werth, Direktor von KONVERTO. Das Pilotprojekt basiert auf einer modernen Microsoft-Cloud-Infrastruktur. Für „Big Data“-Projekte wie dieses eigne sich die Cloud besonders gut, da sehr große Datenmengen verarbeitet werden. „Der größte Vorteil unserer Plattform ist die beinahe unbeschränkte Skalierbarkeit: kleine sowie auch riesige Datenmengen bzw. Petabyte können gespeichert und verarbeitet werden“, sagt Werth. 

Einheitlicher Datenspeicher

Wichtig für KONVERTO war es, dass bereits bei der Planung der Plattform auch deren Nutzung für zukünftige Projekte der Landwirtschaft und weitere Fragestellungen angedacht wurde. „Wir sehen Kultivas als Chance, einen einheitlichen Datenspeicher für viele verschiedene Datenquellen der Landwirtschaft zu schaffen“, meint Peter Werth. KONVERTO fungiert dabei als Plattformbetreiber, die Datenlieferanten geben jedoch keine Rechte an ihren Rohdaten ab. Mit der geschaffenen Basis können viele weitere Probleme, die in Zukunft immer akuter werden, z.B. Wasserknappheit oder höhere Temperaturen, analysiert werden. „Durch das Zusammenführen von Wissen lassen sich wichtige Fragen der Zukunft beantworten, deren Resultate allen beteiligten Partnern der Landwirtschaft zugutekommen“, meint Werth.

Bleibt die Frage, inwieweit die Ergebnisse des Pilotprojektes Kultivas für das Genossenschaftswesen in Südtirol wegweisend sein können. „Wir müssen schauen, dass wir ­aufgrund der Kleinstrukturiertheit der landwirtschaftlichen Betriebe gegenüber anderen Gebieten nicht ins Hintertreffen geraten. Es geht darum, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten“, meint Generaldirektor Paul Gasser. Dabei spiele die Digitalisierung eine entscheidende Rolle, und das Pilotprojekt Kultivas sei diesbezüglich ein Anfang. Weitere Projekte müssten folgen, und die digitale Vernetzung müsse weiter fortgeführt werden.