Produktion | 29.10.2021

Weinlese fertig: Netze auf!

Die Weinlese ist vielerorts abgeschlossen. Es beginnen die Vorbereitungen auf den Winter: Der Südtiroler ­Bauernbund ruft gemeinsam mit Beratungsring und Konsortium Südtirol Wein dazu auf, die Hagelnetze ­einzurollen. Nicht nur der Landschaft zuliebe. von Renate Anna Rubner

Nicht nur dem Auge zuliebe: Ist die Ernte eingebracht, sollen Hagelnetze wieder eingerollt werden.

Nicht nur dem Auge zuliebe: Ist die Ernte eingebracht, sollen Hagelnetze wieder eingerollt werden.

Auch im Weinbau haben sich Hagelnetze inzwischen vielerorts durchgesetzt und bewährt. Der Südtiroler Bauernbund unterstützt die Absicherung der Ernte durch Netze, egal ob im Obst- oder Weinbau. Nach der Ernte sollen die Hagelnetze aber wieder eingerollt werden. „Da wir in einem Tourismusland leben und die Landschaft für unser Land ein wichtiges Kapital darstellt, bitten wir Weinbäuerinnen und -bauern, die Netze nach der Ernte wieder einzurollen, auch wenn das Schließen und Öffnen einen Mehraufwand an Arbeit bedeutet“, sagt Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler.

Dem Appell schließen sich auch der Beratungsring für Obst- und Weinbau sowie das Konsortium Südtirol Wein an. Hansjörg Hafner, Leiter der Sektion Weinbau im Beratungsring, ergänzt: „Generell sollen Weinbäuerinnen und -bauern alle Netze, die zum Schutz vor Hagel, Vogelfraß oder dem Eindringen anderer Tiere in die Weinberge eingesetzt werden, im Herbst einrollen. Und zwar nicht nur aus ästhetischen Gründen.“ 

Vielmehr sei auch an den Schutz der Wildtiere zu denken, die sich in Netzen, die entlang von Anlagen angebracht sind, verfangen und verletzen oder sogar kläglich darin verenden können. Darum sollen jedwede Netze, die es in den Anlagen gibt, gut eingerollt und tiersicher gemacht werden. 

Rückblick auf ein turbulentes Jahr

Viel geleistet haben Südtirols Weinbäuerinnen und Weinbauern in diesem turbulenten Landwirtschaftsjahr wieder. 2021 begann mit einer langen und außergewöhnlichen Trockenheit. Darauf folgte ein zu kühler März mit vierzehn Frosttagen. 

Anfang April war es zunächst warm, bis das Wetter wieder umschlug und eine weitere Kältewelle mit sich brachte. Dadurch verzögerte sich die Rebblüte um fast zwei und in den hohen Gebieten sogar drei Wochen im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Dieser Trend setzte sich bis zum Reifebeginn fort. Die Zeit zwischen Vollblüte und Reife­beginn war geprägt von einem trockenen und warmen Juni, gefolgt von einem äußerst regenreichen Juli. 

Diese Wetterkapriolen hielten Bäuerinnen und Bauern den ganzen Sommer über auf Trab. Vereinzelt gab es auch Hagelschläge unterschiedlicher Heftigkeit, größere Ausfälle gab es glücklicherweise aber nicht – auch dank der Hagelnetze, die die Ernte zu schützen wussten. 

Die Weinernte musste aufgrund der zunächst unbeständigen Witterung in relativ kurzer Zeit eingebracht werden. Die Erntemenge liegt 2021 in Südtirol etwas unter dem Durchschnitt, das Konsortium Südtirol Wein spricht von fünf bis zehn Prozent weniger Erntemenge. Der Jahrgang verspricht indes, gut zu werden: „Weißburgunder und Pinot Grigio punkten mit schöner Mineralität und viel Struktur, der Sauvignon mit reifer Frucht und schönem Säurespiel, der Gewürztraminer mit eleganter Struktur, Riesling, Sylvaner und Veltliner mit klassischen Aromen und jugendlicher Frische. Einzig beim Chardonnay gab es 2021 geringere Erntemengen als bei den anderen Sorten, dafür aber ebenfalls gute Qualitäten, heißt es in einer Aussendung des Konsortiums.  

Sehr gut sind demnach auch die Vernatsch-Qualitäten des Jahrgangs, mit viel Frucht, Typizität und guter Struktur. Beim Lagrein hat sich das ideale Herbstwetter positiv ausgewirkt, als „durchwachsen“ wird der Blauburgunder-Jahrgang eingestuft. „In tieferen Lagen mussten die Trauben aufgrund der Regenfälle frühzeitig geerntet werden“, heißt es dazu. Auch bei den späten Rotweinsorten hat das Wetter in den letzten Erntewochen leider nicht so ganz mitgespielt.  Bei Cabernet und Merlot gibt es trotz kühler Witterung je nach Lage aber interessante Qualitäten. 

Hagelschutz mit Netzen und Versicherung

Wenn Hagelnetze in einer Anlage angebracht werden, gilt es, einige Grundregeln zu beachten, vor allem wenn man im Zusammenhang mit der Hagelversicherung um öffentliche Fördermittel ansucht. Wie im Obstbau gilt als funktionierender aktiver Schutz nur jener, der die Ernte vollständig gegen das Einwirken eines klimatischen Risikos schützt. Das heißt, dass das angebrachte Netz dieselbe Qualität haben muss, wie sie im Obstbau verwendet wird. Und die Ernte muss vollständig mit Hagelnetz abgedeckt werden. Nur einseitig, also auf der sogenannten „Hagelseite“, angebrachte Hagelnetze gelten als nicht ausreichend­. Ebenso sind reine Vogelnetze keine Hagelnetze, auch wenn sie, sofern gut angebracht, gegen leichte Hagelschläge schützen.