Produktion | 05.11.2021

Viehmarkt stabilisiert sich

Nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie hat sich der Rindermarkt stabilisiert. Für qualitativ ­hochwertige Tiere sind die Preise zufriedenstellend. Bei den Kleintierzüchtern ist die Stimmung zurückhaltend.­

Südtirols Rinderzüchter blicken durchwegs zufrieden auf die bisherigen Viehversteigerungen zurück. Foto: Daniel Gütl

Südtirols Rinderzüchter blicken durchwegs zufrieden auf die bisherigen Viehversteigerungen zurück. Foto: Daniel Gütl

Als zufriedenstellend kann die Vermarktungssituation bei den Kälberversteigerungen angesehen werden. Vor allem bei den Doppelnutzungsrassen bzw. bei den Fleischkreuzungskälbern wurden aktuell gute Preise erzielt. Das Kovieh organisiert jeden Montag Kälberversteigerungen in der Viehvermarktungsanlage in Bozen. Durchwegs zufriedenstellende Preise sind auch bei den Schlacht- und Mastviehversteigerungen zu verzeichnen. Vor allem gut ausgemästete Kühe erzielten zufriedenstellende Preise, wodurch sich letzthin bei den Kühen Durchschnittspreise von 1,20 Euro bis 1,30 Euro je Kilogramm Lebendgewicht ergaben. 

­Spezialversteigerungen

Bei der Osterochsenversteigerung wurden heuer 184 Tiere vermarktet, neben den regulären Schlacht- und Masttieren schafften es in diesem Jahr 34 hochwertige Kalbinnen, Ochsen, Stiere, Milchkälber und Biotiere in die Kategorie der Qualitätstiere. Die Preise waren in allen Kategorien sehr gut, die Kühe erzielten einen Durchschnittspreis von 1,34 Euro pro Kilogramm, und dies entsprach einem Gesamtpreis von 1057,94 Euro. Genau gleich sind die Preise auch bei der Osterochsenversteigerung im Jahr 2019 ausgefallen. Somit hat sich die Vermarktungssituation nach Ausbruch der Corona-Pandemie fast wieder normalisiert.

Am 30. November 2021 wird die Weihnachtskalbinnenversteigerung in Bozen abgehalten. Zum letzten Mal werden heuer Schlacht- und Mastkühe zur Versteigerung zugelassen. Im nächsten Jahr soll diese als Qualitätsversteigerung ausgebaut werden und deshalb darf dann nur mehr Jungvieh aufgetrieben werden.

Zuchtviehmarkt ausgeglichen

Die ersten fünf Monate des Jahres waren geprägt von Einschränkungen und Kontrollen im Versteigerungsbereich aufgrund der Pandemie. Trotzdem kam das Zuchtvieh nie unter Druck. Über all die Monate hielt sich Angebot und Nachfrage die Waage, und die Preise sind schlussendlich zufriedenstellend. In den Frühjahrsmonaten waren aufgrund der Pandemie weniger italienische Kunden anwesend.  

Fleckvieh: laktierende Tiere beliebt

Der Versteigerungsverlauf war bei Fleckvieh im laufenden Jahr über alle Kategorien hinweg flüssig. Besonders gefragt waren laktierende Kühe, wo es auch Spitzenpreise bis zu 3300 Euro gab. Wird allerdings ein kleiner Tadel festgestellt, so fällt der Preis rapide nach unten. Weniger Preisschwankungen als in den Jahren zuvor gab es in der Kategorie der trächtigen Kalbinnen, wo sich kaum ein Schnittpreis von unter 2000 Euro ergab. In den Monaten April und Mai waren die Kalbinnen sehr gefragt. Die Auftriebszahlen bei den Jungrindern sind nach wie vor hoch, und die Tiere lassen sich sehr gut vermarkten.   

Grauvieh und Holstein: gefragt wie lange nicht

Bei den ausgetragenen Versteigerungen konnten Grauvieh-Züchter durchwegs erfreuliche Preise erzielen – unter anderem bedingt durch die rege Nachfrage aus dem Ausland. Im Jahr 2021 konnten bis jetzt 220 Kalbinnen in die Schweiz verkauft werden. Auch bei den Versteigerungen verlassen regelmäßig rund 25 Prozent der Grauviehrinder die Provinzgrenzen. Besonders vom späten Frühjahr bis zum September war die Nachfrage auf den Versteigerungen größer als das Angebot. 

Der stabile Milchpreis motiviert Südtirols Holstein-Züchter, auch 2021 leistungsstarke Kühe und Kalbinnen zu kaufen. Anders als beim Grauvieh spielt der Verkauf außerhalb der Provinz keine Rolle. Beinahe die gesamten Holsteinrinder, die auf den Versteigerungen verkauft werden, bleiben im Land. Nahezu alle Kategorien verzeichnen eine Preissteigerung. Bei der Pinzgauerrasse ist aufgrund der geringen Auftriebszahl keine Analyse der Preisentwicklung möglich. Rassetypische Pinzgauerrinder sind jedoch gesucht, und Rinder mit guter Qualität können auf den Versteigerungen hohe Preise erzielen.

Braunvieh: gute Zuchttiere gefragt

Bei den Braunviehversteigerungen bestand im Jahr 2021 bisher eine hohe Nachfrage nach guten Zuchttieren. Auch die Preise fielen dementsprechend zufriedenstellend aus. Die Käufer kommen sowohl von Südtirol als auch aus Norditalien. Bei den Herbstversteigerungen ist mit einem größeren Angebot an Zuchttieren zu rechnen. Es bieten sich also interessante Einkaufsmöglichkeiten für alle, die gute Zuchttiere der Rassen Braunvieh, Original Braunvieh und Jersey brauchen.

Getrübte Stimmung bei K­leinviehzüchtern

Corona-bedingt sind bei den Kleinviehzüchtern alle Versteigerungen bis auf jene im April ausgefallen. Bei dieser Versteigerung waren die Auftriebszahlen gering, die Preise aber zufriedenstellend. Die Zurückhaltung der Züchterinnen und Züchter hat zwei Gründe: Zum einen gab es keine Ausstellungen, auf denen sie sich treffen und austauschen konnten. Zum anderen sind die Bäuerinnen und Bauern durch das Aufkommen des Großraubwildes verunsichert. Da sie nicht wissen, ob ihre Tiere nach dem Sommer von den Almen zurückkehren, hält sich die Kauflust in Grenzen. 


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