Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 24.11.2022

Neue Förderkriterien diskutiert

Noch innerhalb 2022 muss festgelegt werden, welche Landes- und EU-Förderungen von 2023 bis 2027 in die Landwirtschaft fließen werden. In einer außerordentlichen Sitzung des Landesbauernrates wurden deshalb die entsprechenden Neuerungsvorschläge diskutiert und Änderungsvorschläge ausgearbeitet.

Ab 2023 gelten neue Förderkriterien, unter anderem für die Tiergesundheitsprämie.

Ab 2023 gelten neue Förderkriterien, unter anderem für die Tiergesundheitsprämie.

Auch in Zukunft werden rund 90 Prozent der einzelbetrieblichen Investitionsförderungen, die über die Landesverwaltung in die Landwirtschaft fließen, an die Berglandwirtschaft gehen, egal ob für Wirtschafts-Wohngebäude oder Urlaub auf dem Bauernhof. „Das kann so beibehalten werden, auch im Sinne von Kons­tanz und Planbarkeit für unsere Betriebe“, sagte Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner bei einer außerordentlichen Sitzung des Landesbauernrates, die vergangene Woche im Hauptsitz des Südtiroler Bauernbundes in Bozen stattgefunden hat. Die Zeit drängt: Noch innerhalb Dezember müssen alle Kriterienbeschlüsse für die Förderperiode 2023–2027 genehmigt sein, sowohl für die Förderungen von Seiten des Landes als auch für die neue Förderperiode des Ländlichen Entwicklungsplans (LEP). Änderungsvorschläge mussten deshalb binnen Wochenfrist eingebracht werden, wenn sie noch Chance auf Berücksichtigung haben sollten.

„Grünlandbasierte“ Viehhaltung

Rinner fasste die geplanten Neuerungen bei den Viehbesatzzahlen zusammen. Die Tendenz gehe dahin, dass mit eigenem Grundfutter auszukommen ist, wenn man Förderungen in Anspruch nehmen will. Das bedeutet konkret einen niedrigeren Viehbesatz; als laut Gewässerschutz festgelegt, für Betriebe bis zu 1250 Meter Meereshöhe beispielsweise nur 2,0 statt 2,5 Großvieheinheiten (GVE)
pro Hektar. Die wirtschaftlichen Auswirkungen, die diese Reduzierung für die Betriebe hat, sind laut Rinner noch nicht geklärt. Deshalb sprach sich der Landesbauernrat gegen eine generelle Reduzierung aus. Ein zusätzliche Förderschiene mit erhöhten Beträgen für die sogenannte „grünlandbasierte“ Viehhaltung könnte der Landesbauerrat jedoch mittragen.

Außenmechanisierung: Traktor und Mähtrac nötig

Bei der Förderung der Außenmechanisierung sollen künftig Traktoren nicht mehr berücksichtigt werden, auch damit ist der Bauernbund nicht einverstanden. Einhellig hieß es: „Wir brauchen Traktoren und Mähtracs, keine Frage!“ 

Neuerungen, wenn auch keine großen, gibt es laut Rinner bei der Verarbeitung und Vermarktung von Produkten. Dort wird es strengere Regelungen bei den Ausbildungsnachweisen geben. Das sei zulässig, meinte Rinner, weil im Umgang mit Lebensmitteln die Verantwortung hoch sei.

Wasserversorgung als ­Zukunftsthema

Große Herausforderungen sieht Rinner bei der Finanzierung für die Wasserversorgung. Hier sei die nationale Förderschiene unsicher, der Klimawandel stelle ein weiteres Fragezeichen dar. Der Direktor meinte, dass die Konsequenzen, die beispielsweise der Klimawandel mit sich bringe, wohl kaum durch höhere Förderungen abgefedert werden, diese Hoffnung müsse man wohl begraben. „Zwar wird die Sanierung und Erneuerung von Bewässerungsanlagen im Grünland auch weiterhin gefördert werden, die Finanzierung von neuen Bewässerungsanlagen ist aber  förderrechtlich kaum noch realistisch“, erklärte er. 

Im Obst- und Weinbau wird künftig nur noch die tatsächliche Umstellung auf Tropfbewässerung gefördert. Andererseits könne im Obstbau auch in Zukunft auf keinen Fall auf die Frostschutzberegnung verzichtet werden.

Junglandwirteförderung: Vollerwerbsbetriebe mitnehmen!

Auch bei der Junglandwirteförderung sind einige Änderungen geplant, zum Beispiel bei den zulässigen Höchstflächen für Antragstellerinnen und -steller: Sie liegen bei sechs Hektar im Obst- und Weinbau, bei 18 Hektar im Grünland und bei 2,5 Hektar im Gartenbau (davon 0,5 ha unter Glas). Sonst hat sich nicht viel geändert. Die Südtiroler Bauernjugend sieht diese Höchstgrenze aber kritisch. Landesobmann Raffael Peer erklärte: „Wir haben dem Landesrat bereits schriftlich um die Streichung der Höchstgrenze gebeten, weil dadurch gerade die Vollerwerbsbauern durch das Raster fallen würden.“ 

Auch sollte laut Vorgaben die Pflicht zur Weiterbildung im Ausmaß von 70 Stunden für die Junglandwirteförderung aufgehoben werden. Das sei aber nicht im Sinne der B­auernjugend. Man schlägt deshalb vor, all jene Junglandwirte, die ein abgeschlossenes Studium, einen Schul- bzw. Fachschulabschluss vorweisen können, zur Weiterbildung von 30 Stunden zu verpflichten, alle anderen sollen 60 Stunden Fortbildung machen müssen. 

Nach kurzer Diskussion stimmte der Landesbauernrat darüber ein, diese beiden Änderungsvorschläge der Südtiroler Bauernjugend mitzutragen.

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 21 des „Südtiroler Landwirt“ vom 25. November ab Seite 8, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.