Förderungen | 24.11.2022

Zinsanstieg: Darlehen kontrollieren

Um der aktuellen Inflation entgegenzuwirken, hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen stark ­angehoben. Damit werden laufende Darlehen mit variablem Zinssatz teurer, und es gilt, mit der jeweiligen Bank die Kreditkonditionen zu prüfen.

Die steigenden Zinsen erfordern eine eingehende Prüfung laufender Finanzierungen. Foto: Pixabay

Die steigenden Zinsen erfordern eine eingehende Prüfung laufender Finanzierungen. Foto: Pixabay

Während Darlehen mit variablen Zinssätzen in den letzten Jahren noch so günstig waren wie kaum jemals zuvor, sind sie in den letzten Monaten aufgrund der Anhebung des Leitzinssatzes von Seiten der Europäischen Zentralbank (EZB) massiv teurer geworden. Lag der häufig verwendete Leitzins „Euribor 6 Monate“ Anfang Juni noch leicht im negativen Bereich, so ist er inzwischen (Stand 15. November 2022) auf 2,3 Prozent angestiegen. Der „Euribor 3 Monate“ ist seit Juni ebenso um rund 2,0 Prozent gestiegen. 

Da bei variabel verzinsten Darlehen die Leitzinssätze als Basis dienen, zu welchen der Kreditaufschlag (sog. „Spread“) von Seiten der Bank hinzuzurechnen ist, wirkt sich dieser Anstieg zur Gänze auf den zu zahlenden Zinsbetrag und somit auf die Darlehensrate aus. 

Im Fall von Darlehen mit dem „Euribor 6 Monate“ als Referenzzinssatz erfolgt die Anpassung des Zinssatzes halbjährlich immer am 1. Jänner und 1. Juli. Gilt als Referenzzinssatz der „Euribor 3 Monate“, erfolgt die Anpassung hingegen im Abstand von drei Monaten.  

Je nach Höhe der verbleibenden Restschuld können sich Zinsquote und somit auch die fälligen Darlehensraten an den nächsten Stichtagen demnach signifikant erhöhen. Dies kann zu erheblichen Liquiditätsengpässen für die Kreditnehmer führen. 

Bei einer Restschuld von 200.000 Euro mit einer Restlaufzeit von 15 Jahren und einem angenommenen Zinsanstieg von zwei Prozent errechnet sich so beispielsweise eine Steigerung der monatlichen Darlehensrate von rund 190 Euro ab Jänner 2023. 

Die reine Zinssteigerung für das erste Jahr berechnet sich dabei auf rund 325 Euro im Monat bzw. in Summe auf rund 34.000 Euro über die Gesamtlaufzeit.

Mit Bank in Verbindung setzen

Um diese Kostensteigerung in Grenzen zu halten, sollten sich Kreditnehmer mit der eigenen Bank in Verbindung setzen, um die aktuelle Situation zu besprechen und Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Gegenstand der Verhandlung kann in erster Linie der Aufschlag selbst, aber auch eine allfällige Rundung des Basiszinssatzes sein (z. B. keine oder auf den nächsten Zehntel-Prozentpunkt). 

Um weiteren Erhöhungen der Darlehensraten durch zukünftige Anhebungen der Leitzinsen vorzubeugen, sollte eine Umstellung des variablen auf einen fixen Zinssatz oder auf einen variablen Zinssatz mit Obergrenze geprüft werden. Eventuell ist auch eine Verlängerung der Laufzeit des Kredits möglich, um damit die monatlichen Raten zu senken und die Zahlungsfähigkeit nicht weiter zu gefährden.

Neben der Neuverhandlung der Konditionen bleibt Betroffenen im Fall von Darlehen, die vorwiegend für den Bau der Wohnimmobilie beantragt wurden, auch die kostenlose Übertragung des Darlehens (sog. Surrogation) zu einer anderen Bank, die evtl. günstigere Konditionen anbietet. Zu beachten ist dabei, dass zwar der Zinssatz und evtl. auch die Laufzeit des Darlehens geändert werden dürfen, die Höhe der Restschuld jedoch gleich bleiben muss.

Schlussendlich gibt es noch die Möglichkeit, ein laufendes Darlehen vorzeitig zu tilgen, wobei zu beachten ist, dass dafür eventuell Zusatzkosten anfallen könnten.   

„Sabatini“-Darlehen

Darlehen, die im Rahmen der „Sabatini“-Förderung mit variablen Zinssätzen abgeschlossen wurden, sind ebenso vom oben angeführten Zinsanstieg betroffen. Auch hier gilt es, die eigene Situation und die Auswirkungen des Zinsanstiegs zu prüfen. Eine vorzeitige Tilgung des „Sabatini“-Darlehens ist ebenso möglich, ohne dass der „Sabatini“-Beitrag verloren geht. Zu prüfen sind dabei die im Kreditvertrag vorgesehenen Pönalen. Eine vorzeitige Rückzahlung oder Tilgung des „Sabatini“-Darlehens ist erst dann zu empfehlen, wenn der „Sabatini“-Beitrag bereits überwiesen wurde, da sich die Auszahlung ansonsten um Monate verzögern könnte.