Bäuerinnen sichtbar machen

Bäuerinnen führen Betriebe, vermarkten Produkte und übernehmen Verantwortung in Familie und Gesellschaft. Zum Internationalen Jahr der Bäuerin hat die Redaktion des „Südtiroler Landwirt“ das Sonderheft „Die Landwirtin“ veröffentlicht, das ihre Leistungen sichtbar macht.

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SBB Bäuerinnenorganisation

Was Bäuerinnen auf den Höfen leisten, bleibt oft im Hintergrund. Das Sonderheft „Die Landwirtin“ rückt ihre Arbeit und ihre Erfahrungen ins öffentliche Blickfeld. Es erschien am 12. Oktober 2026 als Sonderheft zur Ausgabe 17/2026 des „Südtiroler Landwirt“. Anlass ist das Internationale Jahr der Bäuerin, mit dem die Vereinten Nationen (UNO) den Beitrag von Frauen zur Landwirtschaft würdigen und auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam machen. Der Anspruch der Ausgabe wird im einleitenden Beitrag deutlich: „Gleichzeitig möchten wir Bäuerinnen ermutigen, ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Geschichten zu teilen.“ Das Heft soll damit mehr sein als eine Würdigung. Es lädt Frauen dazu ein, selbst Einblick in ihren Alltag zu geben und zu zeigen, wie sie Landwirtschaft gestalten.

Verantwortung hat viele Formen
Bäuerin sein umfasst weit mehr als die Arbeit in Stall, Feld oder Obstwiese. Das Sonderheft beschreibt Frauen als Unternehmerinnen, als Vermittlerinnen zwischen den Generationen und als verlässliche Kräfte für den Zusammenhalt am Hof. Zur Vielfalt ihrer Aufgaben gehören Direktvermarktung, Betriebsführung, Bildungsangebote und politisches Engagement. Auch die Betreuung von Kindern und älteren Angehörigen zählt dazu. Für die bäuerlichen Familien bedeutet das: Wer über die Zukunft eines Betriebes spricht, muss auch die Leistungen, Erfahrungen und Perspektiven der Frauen berücksichtigen. Sichtbarkeit entsteht dabei durch konkrete Geschichten. Sie zeigen, welche Entscheidungen Bäuerinnen treffen, welche Verantwortung sie übernehmen und welche Wege sie für ihren Hof entwickeln.

Mehr Verantwortung ermöglichen
Im Interview mit der „Südtiroler Landwirtin“ spricht der Landesrat für Landwirtschaft, Luis Walcher, über die Stellung der Frauen auf den Höfen. Er sehe Bäuerinnen als wichtige Säulen der Betriebe, die Mut, Umsicht und häufig ein gutes finanzielles Gespür mitbrächten. Für das Internationale Jahr wünsche er sich mehr Aufmerksamkeit für ihre Leistungen. Langfristig gehe es ihm darum, dass Frauen mehr Verantwortung übernähmen: als Hofübernehmerinnen und Betriebsleiterinnen, in Gremien sowie in Führungspositionen der öffentlichen Verwaltung. Damit lenkt das Interview den Blick über das Themenjahr hinaus. Anerkennung soll sich auch darin zeigen, wer Betriebe führt, Entscheidungen mitträgt und die Landwirtschaft nach außen vertritt.

Geschichten zum Anschauen
Das Sonderheft verweist auf Angebote, die bäuerliche Lebenswege auch außerhalb der gedruckten Seiten vermitteln. Seit Jänner 2026 veröffentlicht die Südtiroler Bäuerinnenorganisation monatlich Kurzvideos mit Frauenporträts. Bis zum Jahresende soll die Reihe zwölf Porträts umfassen. Sie macht unterschiedliche Erfahrungen und Aufgaben von Bäuerinnen zugänglich. Einen anderen Zugang wählt die Schauspielerin Greta Marchegger: Für eine Filmreihe erprobt sie das Bäuerin-Sein jeweils einen Tag lang. Um Sichtbarkeit durch Sprache geht es im Artikel von Judith Gögele, Bäuerin vom Weingut Schmid-Oberrautner und Präsidentin des Landesbeirats für Kommunikation. Sie sei überzeugt, dass Frauen auch sprachlich vorkommen müssten, um wahrgenommen zu werden.

Austausch über den Hof hinaus
Auch Begegnungen gehören zum Themenjahr. Im Frauenmuseum Meran wurde im März eine Gastvitrine zum Bäuerin-Sein eröffnet. Petra Weger aus Kurtatsch, Bäuerin des Jahres 2025, gab dabei Einblick in ihr Leben am Hof. Workshops und ein Vortrag über unterschiedliche Lebens- und Arbeitswelten ergänzten das Angebot. Dahinter steht auch die seit 2025 aktive Arbeitsgruppe „Frauen in der Landwirtschaft“ beim Landesbeirat für Chancengleichheit für Frauen. In ihr arbeiten Vertreterinnen der Bäuerinnenorganisation, des Versuchszentrums Laimburg, des Landesbeirats und des Frauenmuseums zusammen. Sie wollen stereotype Vorstellungen aufbrechen, Wissen vermitteln und Netzwerke stärken. Das Sonderheft greift diese Vielfalt auf: Es gibt den Frauen Raum, deren Arbeit die Landwirtschaft täglich trägt, und macht ihre Erfahrungen zum Ausgangspunkt für Gespräche über die Zukunft der Höfe.

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