Die Mauser im Legehennen-Betrieb
Die Mauser ist ein natürlicher Prozess, bei dem das ganze oder nur ein Teil des Federkleides eines Vogels gewechselt wird. In diesem Artikel geht es um die Frage, welche die Vor- und Nachteile einer gesteuerten Mauser bei Legehennen sind.
In der Natur findet die Mauser bei erwachsenen Tieren normalerweise einmal pro Jahr statt und dauert bis zu vier Monate lang, da nicht das gesamte Federkleid gleichzeitig gewechselt wird. Wäre dies der Fall, würden lebenswichtige Funktionen des Federkleids verloren gehen, z. B. die Flugfähigkeit, der Schutz vor Verletzungen, Nässe und Wärmeverlust. Diese Regenerationsphase wird hormonell gesteuert und hängt wiederum von äußerlichen Reizen wie der Tageslänge, der Nährstoffdichte und von Stresssituationen ab.
Vorteile der Mauser
Die Mauser hat Vorteile: Aufgrund der längeren Nutzungszeit der Tiere verteilen sich die Kosten für den Zukauf neuer Hennen und die Reinigungskosten nach der Ausstallung. Auch die Arbeiten der Stallreinigung, für die Aus- und Einstallung und die Eingewöhnungsphase der neuen Hennen werden auf eine längere Zeitspanne verteilt. Es ist umweltschonender, die Tiere länger zu halten, da langfristig weniger Junghennen gebraucht werden und auch weniger Bruderhähne schlüpfen. Außerdem verbessert sich aufgrund der Mauser die Eischalenqualität und es werden vermehrt größere Eier gelegt. Hingegen bleibt die Legeleistung (die Anzahl der gesamten Eier pro Anzahl aller Tiere) nach der Mauser normalerweise ähnlich wie in der ersten Legephase – teilweise kann sie auch geringfügig steigen. Ein neues Federkleid ermöglicht es dem Tier, die Körpertemperatur mit weniger Futter zu erhalten und das Risiko von Feder-
picken ist nach der Mauser geringer. Durch eine gezielte Steuerung des Mauser-Zeitpunktes können verkaufsschwache Jahreszeiten für die Mauser genutzt werden.
Nachteile der Mauser
Die Mauser hat aber auch Nachteile: Durch die Mauser erhöht sich der Arbeitsaufwand vor und während dieser Phase. Trotz konstanter Energie- und Futterkosten sinkt während der Zeit der Mauser die Eierproduktion stark ab. Zudem ist der Ausgang der Mauser immer ungewiss, da der Erfolg auch bei gleichbleibendem Ablauf und guter Organisation nicht immer garantiert ist.
Die gesteuerte Mauser
Nur gesunde und nicht zu alte Herden (idealerweise innerhalb der 65. Lebenswoche) kommen gut durch eine Mauser. In der professionellen Legehennenhaltung, in der die Einheitlichkeit der Herde sehr wichtig ist, muss auch die Mauser für alle Tiere gleichzeitig stattfinden. Hier ist eine gesteuerte Mauser möglich, die in folgenden Phasen vonstattengeht ...
Die Reduktionsphase: Plötzlich reduzierte Futtermengen, Lichtstunden und Lichtintensität lassen die Mauser starten. Nach zirka zwei bis drei Wochen wird die 0-%-Legeleistung erreicht (mindestens weniger als 10 %). Während dieser Phase erleben die Tiere eine Stressreaktion, sie verlieren an Gewicht und können geschwächt sein, die körpereigenen Reserven werden mobilisiert und der Legeapparat bildet sich zurück.
Die Aufbauphase: Licht- und Futterangebot steigen wieder langsam, die Tiere legen langsam wieder an Gewicht zu, sie werfen die alten Federn ab und neue Federn werden ausgebildet. Die Organe und der Legedarm regenerieren sich und die Legeleistung beginnt, langsam zu steigen.
Die Dauer der Mauser kann unterschiedlich lang ausfallen. Zirka drei bis vier Wochen nach dem niedrigsten Legeleistungstag werden normalerweise wieder 50 Prozent der maximalen Legeleistung erreicht. Mit der Legepause können die Tiere zirka ein halbes Jahr länger gehalten werden als ohne gesteuerte Mauser. Für Herden, die eine unzureichende Legeleistung und zu geringe Tiergewichte aufweisen, ist es allerdings besser, diese bis zu einer wirtschaftlich akzeptablen Legeleistung durchgehend ohne Mauser zu halten.
Was es zu beachten gilt
Bei der gesteuerten Mauser müssen einige Aspekte berücksichtigt werden: Die Durchführung der Mauser muss im Voraus dem zuständigen Sanitätsbetrieb gemeldet werden! Während der Mauser werden Kontrollen durchgeführt, um Tierwohl und Tierschutz zu überwachen. Frisches Trinkwasser muss den Tieren immer zur Verfügung stehen und acht Stunden Licht am Tag müssen gewährleistet werden. Eventuelle Behandlungen wie Entwurmungen, Auffrischungen wichtiger Impfungen sind mit dem betreuenden Tierarzt gut im Voraus zu planen und eventuell anzupassen. Die stetige Kontrolle des Verlaufs der Mauser und des Gesundheitszustands der Herde ist sehr wichtig, um bei Abweichungen schnell reagieren zu können. Vor allem müssen folgende Parameter genauestens kontrolliert werden: Gewicht, Anzeichen von Nervosität, Federfressen, Federpicken oder Kannibalismus, allgemeiner gesundheitlicher Zustand der Tiere, Präsenz von schwächeren Tieren, Stallklima (vor allem die Temperatur zum Zeitpunkt des Federabwurfs) und eventuelle Verstopfungen der Stalleinrichtung durch die vielen verlorenen Federn. Die Mauser als solch sensible und faszinierende Phase eines Vogellebens ist arbeitsintensiv, gar nicht so risikofrei und stellt eine stressreiche Lebensphase für die Hennen dar. Die Durchführung soll nicht nur für den Betrieb maßgeschneidert sein, sondern ist auch je nach Herde flexibel anzupassen. Die Zwangsmauser, bei der den Tieren über mehrere Tage lang kein Futter gegeben wird, das Licht ausgeschaltet und das Wasser eingeschränkt wird, ist aus Tierschutzgründen nicht zulässig!
In der Mauser werden Nährstoffe eingelagert und die alten und kaputten Federn gewechselt.