Grünes Licht für EU-Weinpaket
Die europäische Weinwirtschaft steckt in der Krise. Das EU-Parlament hat daher kürzlich grünes Licht für ein EU-Weinpaket gegeben, das Wege aus dieser Krise ebnen soll – auch mit Maßnahmen, die besonders für Südtirol interessant sind.
Der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann ist überzeugt: „Das Weinpaket ist ein Beispiel dafür, wie gut die Zusammenarbeit aller europäischen Institutionen funktionieren kann, wenn kriselnden Sektoren unter die Arme zu greifen ist.“ Dorfmann hat das Weinpaket als Mitglied der EU-Landwirtschaftskommission und Agrarsprecher der EVP-Fraktion im Parlament in Brüssel maßgeblich mitangeschoben und weiß, wie das Unter-die-Arme-Greifen aussieht: „Das Weinpaket sieht eine Reihe von Vereinfachungen und gezielte Fördermöglichkeiten vor“, erklärt Dorfmann.
Mehr Flexibilität für neue Flächen
Die für Südtirol wohl wichtigste Regelung im EU-Weinpaket betrifft die Neupflanzung von Reben. „Die Mitgliedstaaten bekommen mehr Flexibilität bei der Genehmigung neuer Rebflächen und können zudem deren Wachstum zeitweise stoppen, indem sie überhaupt keine Genehmigungen für Neupflanzungen ausgeben“, berichtet Dorfmann. Darüber hinaus könnten die Staaten auch Rodungen unterstützen. „Sie dürfen in diesem Fall aber keine neuen Genehmigungen ausgeben“, betont der EU-Parlamentarier.
Helden und Etiketten
Für Südtirol interessant ist auch die Anerkennung dessen, was im EU-Weinpaket als „heroischer Weinbau“ bezeichnet wird, also Weinbau unter erschwerten Bedingungen. „In diese Kategorie fällt in erster Linie der Weinbau im Berggebiet, also in Steillagen, die eine maschinelle Bearbeitung nur bedingt oder gar nicht zulassen“, erklärt Dorfmann. Die Anerkennung dieser Sonderkategorie mache den Weg für Maßnahmen frei, mit denen den höheren Produktionskosten Rechnung getragen werden kann. Klarer gefasst wurden im Weinpaket die Vorschriften für die Kennzeichnung alkoholarmer oder alkoholfreier Weine. „Alkoholarme Weine sind künftig jene, bei denen der Alkoholgehalt um mindestens 30 Prozent reduziert wurde, alkoholfreie dürfen maximal 0,05 Volumenprozent Alkohol enthalten“, erklärt Dorfmann. Die neue Regelung sorge für Transparenz und Einheitlichkeit auf dem Markt, zudem könnten neue Zielgruppen erschlossen werden, die weniger Alkohol trinken wollten oder aus gesundheitlichen Gründen müssten.
Mittel gegen Rebkrankheit
Neuerungen enthält das EU-Weinpaket auch bei den Fördermöglichkeiten der EU, zwei davon sind auch für Südtirol von Interesse. So wird der Weg zu einem Ausgleich von Kosten freigemacht, die die Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung verursacht. „Im Kampf gegen diese Krankheit gibt es derzeit keine Waffen, was hilft, ist nur die schnelle, vollständige Vernichtung befallener Reben“, erinnert der EU-Parlamentarier. Diese könne nur durchgesetzt werden, wenn die Bäuerinnen und Bauern auch entschädigt werden. Die zweite für Südtirol interessante finanzielle Neuerung ist die Möglichkeit, EU-Gelder für PR- und Kommunikationsmaßnahmen in Drittstaaten, also auf Märkten außerhalb der EU, zu bekommen. „Das ist eine wichtige Erleichterung bei der Bearbeitung von Märkten, die für die Südtiroler Weinwirtschaft zentral sind, also etwa den amerikanischen oder die asiatischen“, freut sich Dorfmann.
Ein Paket mit Signalwirkung
Das Fazit zum EU-Weinpaket fällt bei Herbert Dorfmann eindeutig aus: „Selbstverständlich bietet das Weinpaket nicht Lösungen für alle Herausforderungen, vor denen die Weinwirtschaft steht, es ist aber ein wichtiges Signal in Richtung der Weinproduzenten und -konsumenten“, ist der EU-Parlamentarier überzeugt. Die EU zeige, wie wichtig der Weinsektor und die Weinkultur für Europa seien und dass man die schwierige globale Marktlage ernst nehme. Mit Blick auf Südtirol unterstreicht Dorfmann schließlich: „Mit der konsequenten Ausrichtung auf den Qualitätsweinbau hat unsere Weinwirtschaft das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft in den letzten Jahrzehnten gelegt, das Weinpaket belohnt diese Anstrengungen, räumt Hindernisse aus dem Weg und zeigt neue Möglichkeiten auf.“
Herbert Dorfmann: „Mitgliedstaaten haben mehr Spielraum bei der Zuweisung neuer Flächen.“